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FC Basel

Karlsruher SC

FC Basel - Karlsruher SC 2:3 (1:2)

Datum: 08.07.1995, 16:00 Uhr - Wettbewerb: UIC 1995/96

Stadion: St. Jakob (Basel) - Zuschauer: 11'300

Schiedsrichter: Gylfi Thor Orrason Island

Tore: 13. Fink 0:1. 31. Nowotny 0:2. 39. Zuffi 1:2 (Foulpenalty). 78. Schmitt 1:3. 84. Rey 2:3.

Gelbe Karte: 19. Reich. 33. Nyarko. 37. Metz (alle wegen Foul). 43. Kirjakow (Spielverzögerung). 53. Ceccaroni. 56. Nowotny. 64. Schuster. 71. Gigon (alle wegen Foul).

FC Basel: Huber; Smajic; Meier (64. Gigon), Tabakovic; Ceccaroni (75. Sutter), Nyarko, Moser, Orlando; Yakin, Rey, Zuffi.

Karlsruher SC: Walter; Reich, Bilic, Nowotny, Schuster; Metz, Bender, Fink, Tarnat (46. Wittwer); Kirjakow (69. Schmitt), Knup (75. Wück).

Bemerkungen: FCB ohne Cantaluppi, Disseris (beide rekonvaleszent), Olsen (verletzt) und Müller (noch nicht spielberechtigt). KSC ohne Hässler (noch im Urlaub).

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Die Vorlagen des Adrian Knup

2:3 (1:2) unterlag der FC Basel im UI-Cup nach gutem Spiel dem Karlsruher SC. Die Treffer für die Badener erzielten Fink, Nowotny und Schmitt, für den FCB trafen Zuffi und Rey.

Basel. can. Der FC Basel musste im Uefa-Intertoto-Cup im dritten Spiel die erste Niederlage hinnehmen. Mit 3:2 gewann der Karlsruher SC am Samstag vor 11 300 Zuschauern im Stadion St. Jakob und hat damit nun beste Aussichten auf den Gruppensieg. Die Basler haben allerdings ebenfalls noch gute Chancen, zumindest auf den 2. Rang. Und der bedeutet unter Umständen ebenfalls die Qualifikation für die Achtelfinals. Die vier besten Gruppenzweiten bilden gemeinsam mit den Gruppensiegern dieses 16er-Feld.

Der Erfolg des KSC, der durch Treffer von Thorsten Fink (13.), Jens Nowotny (31.) und Edgar Schmitt (78.) zustande gekommen ist, kann durchaus als verdient bezeichnet werden. Die Karlsruher waren im Verwerten der Torchancen cleverer, wie auch FCB-Captain Massimo Ceccaroni hinterher sagte: «Sie haben ihre wenigen Möglichkeiten einfach besser genutzt.»

Der FCB, der durch Dario Zuffis Foulpenalty (39., Slaven Bilic hatte Alexandrey Rey gefoult) und Alexandre Reys schönen Treffer aus 15 Metern (84.) zweimal den Anschluss fand, konnte sich im Endeffekt gegen die erfahrene und kampfstarke KSC-Abwehr zu wenig effizient durchsetzen.

Aber, und das ist das Erfreuliche aus Basler Sicht: Der KSC-Sieg war nicht unbedingt zwingend, er war keineswegs souverän herausgespielt. Vor allem in der Anfangsphase hatten die Deutschen enorme Abstimmungsprobleme in der Abwehr. Aber nach 13 Minuten zogen sie sich auf bravouröse Art und Weise aus diesen Schwierigkeiten. Die Traumkombination ging von Sergej Kirjakow aus, der bediente Adrian Knup, der Basler schliesslich legte mit der Hacke für Fink auf, und gegen dessen Schuss aus 16 Metern war FCBGoalie Stefan Huber schlicht machtlos. Es war eine dieser Kombinationen, bei denen es eigentlich schade wäre, wenn sie nicht zu einem Treffer führen würde.

Sofort zogen sich die Karlsruher in die eigene Hälfte zurück und beschränkten sich auf ein dichtes Abwehrnetz und Konter. «Das ist klar», sagte KSC-Regisseur Manfred Bender, «bei der Hitze versuchst du einfach, so wenig wie möglich zu machen.»

So war es also am FCB, mehr fürs Spiel zu machen. Und die Mannschaft von Trainer Didi Andrey fügte sich dem. Vor allem über die linke Seite mit Neuzugang Davide Orlando und Dario Zuffi, dem besten Spieler auf dem Feld, wurden gefährliche und schwungvolle Angriffe vorgetragen. Doch im KSC-Strafraum gab es kaum ein Durchkommen, da standen die Internationalen Slaven Bilic und Dirk Schuster sowie Libero Jens Nowotny sicher.

In der 31. Minute wurde ein weiterer KSC-Konter vorgetragen. Bender öffnete das Spiel mit einem herrlichen Zuspiel auf Knup, der seinerseits den nach vorne geeilten Nowotny bediente. So gelang dem Basler Knup in seiner Heimat zwar kein Treffer, aber mit seinen beiden perfekten Zuspielen war er massgeblich am KSC-Erfolg beteiligt. Es hiess 0:2 aus Basler Sicht und die Hoffnungen auf einen Punktgewinn waren in weite Ferne gerückt.

Sie kehrten wieder zurück, als der isländische Schiedsrichter ein Zupfen Bilic' an Reys Trikot sehr hart mit Foulpenalty ahndete und Zuffi sicher zum 1:2 verwandelte (39.).

Sie schwanden wieder, als der eingewechselte Schmitt nach fehlerhafter Offside-Falle alleine auf Huber zog, den ausspielte und den Ball auch am heraneilenden Admir Smajic vorbei ins Tor bugsierte (78.).

Und die Hoffnungen kehrten schliesslich erneut wieder zurück, als Rey nach brillantem Zuspiel des eingewechselten Didier Gigon mit sattem Schuss zum 2:3 verkürzte (84.).

Die restlichen Minuten waren dann dramatisch, die Basler, bei denen nun Smajic aus der Liberoposition ins offensive Mittelfeld gewechselt hatte, scheiterten noch dreimal knapp am Ausgleich, das letzte Mal durch einen Schrägschuss Smajic' in der 94. Minute.

Diese Dramatik und Hektik in der Schlussphase brachte einerseits den Zuschauern Freude, andererseits trieb sie KSC-Trainer Winfried Schäfer die Zornesröte ins Gesicht. «Wir haben die gleichen Fehler gemacht wie in der vergangenen Saison», sagte er. «Wir haben mit unnötigen Fehlern und Ballverlusten den Gegner immer wieder aufgebaut.» Wer 2:0 und 3:1 führe, der dürfe das Geschehen nie und nimmer dermassen aus der Hand geben.

Auch Schuster nervte sich darüber, dass sie es sich trotz der Führung immer wieder so schwer gemacht haben. «Gerade wenn es so heiss ist, muss man doch schauen, dass man das Ding heimschaukelt», meinte der Manndecker und fügte eine Erklärung für die vielen Ballverluste an: «Wahrscheinlich sind wir uns unserer Sache dann immer schon zu sicher.»

Ein weiterer Grund war aber auch das engagierte, sehr gute Auftreten des FC Basel. Zwar verpasste man einen Punktgewinn, aber man konnte die Zuversicht gewinnen, dass sich die Mannschaft auf dem rechten Weg befindet. Die Neuzugänge Davide Orlando - im linken Mittelfeld - und Alex Nyarko - im defensiven Mittelfeld und auch als Manndecker - bewiesen, dass einiges Potential in ihnen steckt, dass sie der Mannschaft sehr wohl helfen können. Und auch Andrey war wohl noch nie nach einer Niederlage so gelöst, zufrieden. «Natürlich», sagte er, «hätten wir gerne gewonnen, aber auch so überwiegt für mich eindeutig das Positive.»

Die Tatsache, dass das Zusammenspiel noch nicht optimal funktionierte ist klar, «schliesslich müssen wir uns an eine neues System mit einem neuen Libero gewöhnen», sagte Massimo Ceccaroni, der neue FCB-Captain. Dieser neue Libero heisst Smajic, und Andrey scheint fest entschlossen, mit ihm als Abwehrchef in die neue Saison zu gehen. Dass es doch zu einigen brenzligen Situationen im FCB-Strafraum gekommen ist, das sei nicht verwunderlich, sagte Andrey: «Mir fehlt immer noch ein Spieler auf der rechten Seite. Yakin als Rechtsaussen ist nur eine Notlösung, obwohl er diese Rolle mit einer starken kämpferischen Leistung schon seit drei Spielen gut ausfüllt.» Aber es sei halt nicht optimal, und dies sei bis in die Abwehr zu spüren. Erst wenn das Kader wirklich komplett sei, könne man Smajic als Libero endgültig beurteilen.

In der Tat zeigten sich die Basler am Samstag sehr ballsicher, sie trugen das Spiel durchdacht nach vorne, mit Smajic gewinnt die Mannschaft an Sicherheit bei der Spielauslösung aus der eigenen Abwehr. Im Mittelfeld besteht hingegen noch ein Vakuum. Da müssen Moser und Nyarko erst noch zueinanderfinden. Zudem muss Moser ruhiger werden. Aber für Nyarko war es der erste Einsatz und Moser ist noch jung. «Ich freue mich besonders für Moser und Yakin», sagte Andrey und betonte damit den Saison-Vorbereitungscharakter, den die Partie gegen den KSC eben auch hatte. «Gerade sie können in solchen Spielen enorm viel lernen.»

Auszahlen wird sich das dann in der Meisterschaft.

Quelle: Basler Zeitung vom 10.07.1995