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NZZ am Sonntag vom 25.07.2010

Walliser am bitteren Ende ohne Kraft

Der FC Sion verliert gegen den mental starken FC Basel 1:2 – der entscheidende Treffer fällt erst in der Nachspielzeit

Bernhard Brunner, Sitten

Sie hatten schon eine Problemlage, die Walliser – eine gewichtige im offensiven Bereich. Der Belgier Mpenza will nach offiziellen Angaben des Klubs, vorläufig, wahrscheinlich aber überhaupt nie mehr, für die Farben des FC Sion spielen. Selbst der Pressechef nannte das «eine schwierige Situation», und der Generaldirektor Massimo gestand freimütig, dass man «schnellstmöglich» eine Lösung finden müsse. Der Trainer Bernard Challandes macht ebenfalls kein Geheimnis aus der misslichen Situation und spricht von «Machtlosigkeit», aber es sei so, im offensiven Bereich habe gegen ein Basel «mit so viel Willen zum Pressing» schlicht die Qualität gefehlt.

So sah es auf dem Spielfeld tatsächlich aus. Die Einheimischen zeigten sich zwar realistischer in der Konzeption ihres Spieles und behandelten den Ball weit sorgfältiger als auch schon, ja sie scheuten phasenweise fast mutlos das Risiko. Aber dem Team des Trainers Challandes fehlte im offensiven Zentrum aus den erwähnten Gründen die Durchschlagskraft, der 20-jährige Prijovic hatte vorne – oft allein auf sich gestellt – nicht die Fähigkeiten, um die Defensive des Meisters aus dem Gleichgewicht zu kippen.

Am bitteren Ende, in den Minuten der Nachspielzeit, war gar keine Kraft mehr in den Walliser Muskelzellen verblieben. Der Basler Stürmer Frei trat einen letzten Eckball, und der Verteidiger Abraham gewann ein letztes Mal in luftiger Höhe ein Kopfballduell und erzielte den 2:1-Siegestreffer. Der Trainer Thorsten Fink freute sich darüber, dass «einer der Standards, die wir in jüngster Vergangenheit intensiv eingeübt hatten», am Ausgangspunkt der Entscheidung stand.

Der Basler Trainer hatte für den Gang ins Wallis entschieden, eine erste Rotation in der Aufstellung vorzunehmen und die WM-Fahrer Huggel und Inkoom auf die Ersatzbank, den Australier Chipperfield gar nicht erst auf die Spielerliste zu setzen. Der Favorit auf den erneuten Gewinn der Meisterschaft hat die Bewährung also quasi im zweiten Anzug bestanden, ein Outfit, das für nationale Auftritte aber allemal eine valable Variante darstellt.

Allerdings wäre es den Baslern nach dem frühen Kopfballtreffer von Frei zum 1:0 (14.) fast zum Verhängnis geworden, dass sie ihr Spiel gar nonchalant fortsetzten, denn nur sechs Minuten nach der Führung lancierte der Brasilianer Sio den Regisseur Obradovic mit einem gut getimten Steilpass, und der Serbe legte im Duell mit dem Basler Goalie Costanzo seine ganze Erfahrung in Dribbling und Sturz und erhielt, was er (auch) suchte: den Foulpenalty. Der Holländer Dingsdag, eine wertvolle defensive Kraft in der Zentrale, traf sicher zum 1:1. Vielleicht hätte es den Wallisern geholfen, wenn der Schiedsrichter den von Obradovic geschossenen und von Goalie Costanzo ungenügend abgewehrten Ball kurz nach der Pause im ganzen Umfang über der Linie gesehen hätte – vielleicht.

Vier Tage vor dem Champions-League-Qualifikationsspiel gegen die Ungarn aus Debrecen zeigten die Basler die Qualität der Effizienz im Strafraum, aber auch «einige Stellungsfehler in der Defensive», wie Fink zugab. Darüber müssten sie noch reden, gegen den FC Sion fielen sie nicht ins Gewicht. Wer weiss, was Mpenza aus den Basler Fehlern gemacht hätte?

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