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Blick vom 26.07.2010
Her mit dem Chip-Ball
Hitzfeld fordert
Von Sébastian Lavoyer und der BLICK-Fussball-Redaktion
Wieder ein Torklau! Erst erwischts England, dann Sion. Jetzt sprechen die Klub-Bosse: Wir brauchen elektronische Hilfsmittel.
Samstagabend, Stade de Tourbillon, 49. Minute bei Sion-Basel: Goran Obradovic zieht aus 20 Metern ab. Franco Costanzo rutscht der Ball zwischen den Handschuhen durch, kullert ins Tor. Doch Schiri Laperrière entscheidet: kein Tor!
Sion-Präsident Christian Constantin versteht die Welt nicht mehr: «Es war ein Tor. Dieser Entscheid hat das Spiel verfälscht. Das darf nicht geschehen.» Während des Spiels blieb er ruhig: «Ich sass auf Höhe der Mittellinie, von dort war es nicht zu erkennen.»
Ähnlich muss es Linienrichter und Schiri ergangen sein. Obwohl es längst die technischen Mittel gäbe, um in umstrittenen Situationen Klarheit zu schaffen. «CC»: «Die Spiele werden immer schneller – die Schiris nicht. Es muss etwas geschehen. Ob Chip oder Kamera ist eigentlich egal.» Die BLICK-Umfrage bei den Klubs zeigt: Die meisten befürworten technische Hilfsmittel für die Schiris. Gerade, wenn es darum geht, zu entscheiden, ob ein Ball im Tor war oder nicht.
«Ich bin für die Torkamera. Tore müssen gegeben werden, wenn der Ball drin ist», so FCL-Präsi Walter Stierli. Thun-Sportchef Andres Gerber will sich nicht auf eine Technologie festlegen, sagt: «Wir haben die Mittel, um den Schiris zu helfen. Das sollten wir auch machen.» YB-Sportchef Alain Baumann präzisiert: «Wenn es darum geht, zu entscheiden, ob der Ball drin ist oder nicht, muss der Einsatz von technischen Hilfsmitteln möglich sein.»
Ein klares Votum für den Chip-Ball gibt FCZ-Sportchef Fredy Bickel, obwohl er «grundsätzlich gegen jede Neuerung im Fussball» ist. «Die Technik ist nun genug ausgereift», sagt Schiri-Boss Urs Meier. Tor-Kamera findet er zu umständlich. Strafraum-Schiris könnten vom Tempo auch überfordert sein.
St.Gallen-Coach Uli Forte geht noch einen Schritt weiter: «Nebst dem Chip sollte jedes Team pro Spiel drei Challenges haben, wie beim Tennis.» Die einzig kritische Stimme kommt aus Basel. Bernhard Heusler sagt: «Irgendwann muss man sich im Fussball auf Regeln einigen. Ob technische Hilfsmittel oder ein Torrichter wirklich jede Szene exakt aufklären könnten, ist fraglich.»
Erst das zweite Wembley-Tor im WM-Achtelfinal zwischen Deutschland und England. Und jetzt der Super-League-Torklau. Es muss etwas geschehen! Technik muss her – darin sind sich die Klubs einig. Sie müssen sich zusammensetzen und ausknobeln, wie die Lösung aussehen soll. Nati-Coach Hitzfeld: «Mit der heutigen Technik wäre ein Chip im Ball das Beste. Das ist fast sicherer als die Tor-Kamera.»
Ohne die Fifa geht jedoch nichts. Sepp Blatter sagte noch in Südafrika: «Es wäre unsinnig, nicht über Tor-Erkennungstechnologien zu sprechen.» Im Juli wollte das Regel-Gremium darüber diskutieren. Leere Versprechen: Die Diskussionen finden frühestens im Oktober statt – vor März 2011 gibts keine Entscheidung.
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