Presseschau

Basler Zeitung vom 16.12.2010

FCB trauert um früheren Präsidenten

Josef Zindel*

Beharrlich und Menschlich. Der FC Basel hat einen grossen und treuen Freund verloren: Charles Röthlisberger erlag vor wenigen Tagen einer schweren Krankheit.

In einer ungemein schwierigen Zeit, in der der FCB in seiner materiellen und sportlichen Existenz schwer bedroht war, hatte Charles Röthlisberger den Mut und den Elan, das Präsidium zu übernehmen und zwischen 1987 und 1992 mit einer Politik der Vernunft, der Beharrlichkeit und der Menschlichkeit zurück aus der Krise in die Stabilität zu führen, sodass seine Nachfolger wieder eine Basis für eine allmähliche Vorwärtsstrategie vorfanden.

In der Tat trat Röthlisberger im Jahr 1987 ein Amt an, das keine Aussicht auf schnellen Ruhm, spektakulären Erfolg und sportliches Rampenlicht bot. Vielmehr ging es damals einzig und allein darum, dem Verein zum finanziellen und sportlichen Überleben zu verhelfen, da der 1988 nicht mehr zu vermeidende Abstieg in die Nationalliga B tiefe Spuren hinterlassen hatte. Mit viel Kreativität und noch mehr Leidenschaft ging Röthlisberger zur Sache, wobei mitentscheidend war, dass es ihm gelang, die Bevölkerung und das lokale Gewerbe langsam wieder zum Mitmachen zu motivieren. In der Tat wäre es ohne viele in mühsamster Kleinarbeit zusammengetragene Spendengelder und ohne das Engagement der Basler Zeitung, die als Leibchensponsor einsprang, nicht möglich gewesen, den FCB zu retten.

Auch sein Umgang mit den Spielern, die in jenen nicht einfachen Zeiten oft der Kritik ausgesetzt waren, war nie destruktiv, sondern geprägt von aufbauender Einfühlsamkeit.

Auf diese Weise gelang es Charles Röthlisberger, den Club wieder in stillere Gewässer, ans Ende des Tunnels, zu führen und ihn im Jahr 1992 an Peter Epting zu übergeben. Epting setzte dann das Werk der Stabilisierung und Konsolidierung mit der Rückkehr in die Nationalliga A (1994) fort, ehe Ende der Neunzigerjahre, nun mit dem Stadionneubau in Aussicht, gar der Schritt in die Expansion gewagt werden konnte – ein Schritt, der ohne das unermüdliche Wirken Röthlisbergers und danach des ebenso besonnenen Schaffens von Peter Epting gar nie mehr möglich gewesen wäre.

Mit dem gleichen Stil der Menschlichkeit, des Respekts und des lösungsorientierten Arbeitens gestaltete Röthlisberger auch sein berufliches Leben in der Versicherungsbranche bei der Bâloise, in der er etliche Karrierenstufen bis zum Direktor der Niederlassung Nordwestschweiz und zum Relation Manager erklomm, ehe er 2007 in den Ruhestand trat.

Das herzliche und aufrichtige Beileid gehört seinen nächsten Angehörigen, die sich gemäss eigener Aussage während Monaten mit dem sich abzeichnenden Abschied befassen mussten und nun eine grosse Lücke zu verarbeiten haben.

Wir vom FCB und Abertausende Fans werden Charles Röthlisberger, der bis zu seiner schweren Erkrankung mit der ganzen Familie kaum ein Heimspiel des FCB ausliess und seine ungebrochene Loyalität zum Verein auch in unzähligen Auswärtsspielen unterstrich, voller Achtung in bester Erinnerung behalten.

* Josef Zindel ist Kommunikationsbeauftragter des FCB.


www.baz.ch

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