Presseschau

Basler Zeitung vom 31.12.2010

Walter Balmer

nachruf

flügelstürmer. Im Alter von 62 Jahren ist an seinem Wohnort Interlaken Walter Balmer, eine der grossen FCB-Figuren der «Ära Benthaus», gestorben. Er erlag am 27. Dezember beim Langlaufen einem Herzversagen.

Walter Balmer ist für alle älteren FCB-Fans, die die grosse und erfolgreiche «Ära Benthaus» noch miterlebt haben, ein unvergesslicher Sportsmann. Er spielte von 1968 bis 1974 als rechter Flügelstürmer für den FC Basel 1893 und errang mit dem Team in dieser Zeit in den Jahren 1969, 1970, 1972 und 1973 nicht weniger als vier Meistertitel, zu denen er zahlreiche Tore besteuerte. Dazu kamen drei Qualifikationen für Cupfinals – und zwar für jene drei unvergesslichen Endspiele anfangs der Siebzigerjahre, die hintereinander dreimal gegen den FC Zürich verloren gingen.

Entdeckt wurde Balmer von Trainer Helmut Benthaus 1968 in einem Cupmatch des FCB gegen den damaligen NLB-Verein FC Thun, bei dem der damals 20-jährige Offensivspieler trotz der 1:2-Niederlage der Berner Oberländer mit deutlichem Abstand der auffälligste Spieler war und in der Folge prompt vom FCB unter Vertrag genommen wurde.

Sein grosses Talent blieb auch den Verantwortlichen der damaligen Schweizer Nationalmannschaft nicht verborgen. In seiner sechsjährigen FCB-Zeit kam Balmer auf 20 Spiele mit der Nationalmannschaft, für die er 1971 beim 4:0 gegen die Türkei und 1972 beim 1:1 gegen Dänemark zwei Goals besteuerte.

lehrer. Parallel zu seiner Fussballeraktivität beim FCB absolvierte Balmer an der Uni Basel seine Studien. Der erfolgreiche Abschluss seiner Ausbildung war denn auch der Grund, weshalb Balmer seine Karriere als Spitzenfussballer im Alter von noch nicht einmal 27 Jahren beendete. Er erhielt vom Gymnasium Interlaken ein Angebot, das Balmer begreiflicherweise nicht ablehnen mochte, zumal in jener Epoche die sichere Stelle eines Gymnasiallehrers die stabilere wirtschaftliche Basis war als das Leben eines Halbprofis in einem Schweizer NLA-Verein. Am Gymnasium Interlaken unterrichtete Balmer denn auch bis zu seinem jähen und viel zu frühen Tod als geachteter Lehrer Mathematik und Sport.

«Ein gradliniger, fairer und ehrlicher Fussballer» sei Balmer gewesen, sagten unabhängig voneinander Benthaus, Peter Ramseier und Karli Odermatt über ihren ehemaligen Mitspieler. «Walti war mit seiner famosen Technik kaum vom Ball zu trennen», erinnerte sich Ramseier, während Odermatt dessen enorme Kopfballstärke herausstrich.

Der FC Basel trauert um einen Sportsmann, der weit über das Fussballfeld hinaus grössten Respekt und bei den Fans eine enorme Popularität genoss, obschon – oder vielleicht gerade weil – er eher zu den Stillen in einer mitunter lauten Branche gehörte. josef zindel


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