Presseschau

Basler Zeitung vom 15.12.2012

Ein rotblauer Ohrwurm

Peter Felix landete 1970 mit dem Song «Karli no ne Gool» einen Volltreffer

Dominic Willimann

Basel. Es war der Anfang einer Erfolgsgeschichte. An einem Samstag im Oktober 1970 sass Peter Felix in seiner Mansarde am Steinengraben, genoss den Start ins Wochenende und klimperte auf seiner Gitarre herum. Was sich dann beim Basler Liedermacher abspielte, beschreibt er wie folgt: «Plötzlich war es da, es ging blitzschnell, ich sah in meinem Kopf das Stadion, die Fahnen, die Spieler, wie sie rannten, und Karli Odermatt, wie er abdrückte und das Tor schoss.» Das Lied «Karli no ne Gool» war geboren, die Melodie ebenso.

Als Versuchskaninchen mussten die Eltern von Peter Felix herhalten. Ihnen gefiel das Lied auf Anhieb. Auch Felix hatte ein «gutes Gschpüüri, dass der Song beim Volk ankommen wird». Zusammen mit seinem Vater suchte der damals 26-Jährige einen Plattenladen an der Nauenstrasse auf. Spezialisiert war Elektro-Music mit der Marke Tell Record auf Ländler und Jodlerchörli. Produzent Otto Aebi hatte eben den Hit «Oh läck du mir» vom Trio Eugster produziert, als Vater und Sohn Felix bei ihm mit dem Lied über den Ausnahmekönner in Rotblau vorstellig wurden.

Der Song kam auch bei Aebi an. Aber er stellte Bedingungen: «Sie müssen die Platte selber produzieren, dafür bezahlen wir Ihnen eine höhere Provision pro verkaufte Single.» Felix ging auf den Deal ein. Mit den Studiomusikern vom Radio-Studio Zürich machte er sich an die Arbeit. Noch blank war jedoch die B-Seite der Platte. Schon damals stimmten die Fans im Stadion «Na na na na» der US-Band «Steam» an, was Felix auf die Idee brachte, zu dieser Melodie einen FCB-Text zu schreiben. Die B-Seite war bespielt, die rotblaue Platte damit komplett. Was jetzt noch fehlte, war ein Sänger. «Also sang ich die Texte selbst», erzählt Felix, denn schon damals hätten die Produktionskosten «ein paar Tausend Franken» betragen.

Erstaustrahlung am Radio

Erstmals zu hören war die Platte Anfang Dezember 1970 im «Regionaljournal» von Radio DRS. «Das Karli-Lied schlug voll ein», erinnert sich der 68-jährige Felix heute. Die «Basler Nachrichten» titelten am 4. Dezember 1970: «Ein Schlager für den FCB». Weiter hiess es: «Die Platte wird in der fussballlosen, der schrecklichen Zeit manchem FCB-Anhänger die Wartezeit bis zum ersten Frühlingsmatch im Stadion verkürzen helfen.» Innert kürzester Zeit wurden 4000 Platten abgesetzt, die Lieder wurden regelmässig im «Nachtexpress» gewünscht, an den Musikboxen gespielt und an der Fasnacht gepfiffen. «Sogar in Zermatt habe ich mein Lied gehört», erzählt Felix.

Stolz auf den Karli-Song war nicht nur der Komponist, sondern auch Karli Odermatt selber, der kurz nach der Plattentaufe bei Felix anfragte, ob beim Scheibenverkauf ein Batzen für ihn hinausspringe. «Aber ich konnte ihm nichts geben, da ich am Verkauf einer Platte auch nur 70 Rappen verdiente», sagt Felix, der bislang erst ein einziges Mal gemeinsam mit Karli das Lied anstimmte.

Vor vier Jahren schliesslich machte Peter Felix nochmals einen Effort. Die CD, die der Musiker damals auf den Markt brachte, beinhaltete nicht nur seinen neuen Song «Muttenzerkurve», sondern auch ein Potpourri aus seinen früheren Kompositionen, die bis dato nur als Schallplatte erhältlich waren. Zwei dieser Ohrwürmer durften dabei nicht fehlen: «Na na na na» und natürlich «Karli no ne Gool».

Letztgenanntes Lied ist nach wie vor derart populär, dass FCB-Anhänger verschiedenster Altersklassen den Refrain aus dem Effeff vorsingen können. Peter Felix, der heute in der Basler Antiquitätenszene eine feste Grösse ist, bestätigt dies: «An meinem Herbstmesse-Stand auf dem Petersplatz liegen stets ein paar CDs auf. Wenn Leute vorbeigehen und das Cover entdecken, beginnen nicht wenige das Karli-Lied zu singen.»

Der Song-Name für die Biografie

Wie viele Platten und CDs bis heute abgesetzt wurden, kann Felix nur vermuten: «Ein paar Tausend sinds auf alle Fälle.» Vor 42 Jahren gingen sie wie warme Semmeln über die Theke, geblieben ist der Refrain, der vor zehn Jahren der Biografie über Karli Odermatt sogar den Namen gab.

Aber was ist das Erfolgsgeheimnis des Liedes «Karli no ne Gool»? Peter Felix hat eine simple Erklärung parat: «Die Jungen kennen den Text von ihren Eltern und geben ihn später an ihre eigenen Kinder weiter. Aber das Wichtigste ist: Alle kennen Karli.»

Die CD von Peter Felix mit «Karli no ne Gool» und anderen Songs ist im FCB-Fanshop sowie in einigen Musikläden erhältlich.

Karli no ne Gool

Text: Peter Felix

Musik: Peter Felix

S’ Stadion isch scho übervoll

Dr FCB gryfft a

Und e jede Bebbi

Schreit scho was är ka

Do kunnt die grossi Chance

Dr Karli ohni z’haschte

Druggt scho ab s’isch passiert

D’ Balle isch im Kaschte

Karli no ne Gool

Oh wie duet das wohl

D’ Fahne rot und blau

Das isch Basel’ s gröschti Schau

Karli no ne Gool

Schön wie dr Morgestraich

Isch jede Schuss vo dir

Sitzt jede Schuss vo dir

Und jede Gegner wird bleich

D’ Halbzyt isch scho bald verbi

D’ Stimmig isch ganz gross

Do kunnt e feini Flangge

Dr FCB zieht los

über d’ Mittellinie

Dr Karli ohni z’ haschte

Druggt scho ab s’ isch passiert

D’ Balle isch im Kaschte


www.baz.ch

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