Presseschau

Basler Zeitung vom 08.03.2018

Nachschub fürs Geschichtsbuch

Der FC Basel gewinnt 2:1 bei Manchester City und hofft auf die heilende Wirkung des Sieges

Von Tilman Pauls, Manchester

Das Etihad Stadium in Manchester liegt sieben Kilometer vom Old Trafford auf der anderen Seite der Stadt entfernt. Bis zur Anfield Road im benachbarten Liverpool sind es immerhin 57 Kilometer, aber auch das ist keine Weltreise. In diesen beiden Stadien hat der FC Basel in der Vergangenheit ja schon eindrucksvoll seine Visitenkarte hinterlegt, mit einem 1:1 gegen den FC Liverpool im Jahr 2014 und einem 3:3 gegen Manchester United im Jahr 2011. Zwei denkwürdige Spiele, die jeder Fan des FCB im Schlaf nacherzählen kann. Zwei historische Marken in der Vereinsgeschichte.

Gestern nun haben die Basler ihren ersten Sieg im Norden Englands nachgereicht, der FCB gewann mit 2:1 gegen Manchester City. Nach einem klaren 0:4 im Hinspiel der Champions-League-Achtelfinals reichte es zwar nicht für die Qualifikation für die Viertelfinals. Aber darum ging es bei dieser Reise ja auch gar nicht. Die Basler waren mit der leisen Hoffnung nach Manchester gereist, sich dort ein bisschen Selbstvertrauen für die nächsten Aufgaben in der Liga zu krallen. Den Erfolg auf ihre Seite zu zerren. Und nun kehren sie mit weiteren Einträgen ins Geschichtsbuch zurück.

Erstmals haben sie ein Achtelfinal-Auswärtsspiel in der Königklasse gewonnen. Fünf Siege in einer europäischen Kampagne gab es auch noch nie. Und auf dem Weg dorthin hat man gleich zwei absolute Spitzenteams besiegt; dass diese auch noch aus der gleichen Stadt kommen, macht die Sache umso schmackhafter.

Freie Räume

Dabei sah es zu Beginn des Spiels so aus, als könnte es ein ungemütlicher Abend werden, schon in der 7. Minute gingen die Gastgeber nämlich in Führung: Leroy Sané schüttelte mit einem Sprint Michael Lang, Fabian Frei und Luca Zuffi ab, spielte auf Bernardo Silva, der den völlig freistehenden Gabriel Jesus vor dem Basler Tor bediente. 0:1 aus Sicht der Basler und wahrlich nicht der Start, den man sich erhofft hatte. Aber es spricht für diese zuletzt so geschüttelte Mannschaft, das der Rückstand keine Auswirkungen auf den Rest der Spiels haben würde.

Der Trainer hatte seine Dreierkette in Abwesenheit von Taulant Xhaka mit Fabian Frei bestückt, Luca Zuffi kontrollierte neben Geoffroy Serey Die das Zentrum und vorne spielten die Basler mit Kevin Bua, Mohamed Elyounoussi und Dimitri Oberlin die Karte «Speed» aus. «Wichtig war, dass die Mannschaft versucht hat, auch nach dem Rückstand weiter Fussball zu spielen. Sie hat versucht, aus dem Druck des Gegners rauszukommen und hat erkannt, dass es durchaus Räume gibt, wenn man sich mit drei, vier Pässen aus dem Pressing befreit», sagte Raphael Wicky.

So wie beim Ausgleich zehn Minuten nach dem 0:1. Da verlagerte der FCB das Spiel von links nach rechts nach links, bis Blas Riveros plötzlich einen freien Raum vorfand und Elyounoussi im Strafraum fand, der aus elf Metern sogar noch Mass nehmen konnte. «Wir haben schon im ersten Spiel auf der linken Seite immer wieder Platz vorgefunden. Wir wussten, dass es gegen City dort ab und zu Platz gibt», sagte Wicky im Anschluss.

Wichtige Aspekte

Auch nach der Pause liessen die Basler nicht nach, glaubten an ihre Chance, das Spiel zu gewinnen. Während Citys Trainer Pep Guardiola nach dem Spiel erklärte, dass sein Team vergessen habe zu spielen, zeigte der FCB, wie man es besser macht. Mit einer guten Organisation und einem weiteren Tor. Über Frei und Elyounoussi kam der Ball perfekt zu Michael Lang in den Strafraum, der aus spitzem Winkel zum 2:1 traf. Wieder Lang, wie schon gegen United. Und wenn man schon auf der Suche nach positiven Impulsen für den FCB war, dann kann man sich diesen Spielzug gerne noch ein paar Mal ansehen. Drei Spieler – die zuletzt zu den grössten Sorgenkindern gezählt wurden – im kollektiven Zusammenspiel.

Die grosse Frage lautet jetzt natürlich: Was kann so ein Sieg verändern? Ist der FC Basel seit gestern Abend, um kurz vor 22 Uhr englischer Zeit ein anderer als bei der Anreise? «Wir dürfen jetzt nicht den Fehler machen und zu weit in die Zukunft blicken», sagte Wicky, «am Sonntag geht es schon mit einem wichtigen Spiel weiter und wir müssen die positiven Aspekte aus dem Sieg hier in Manchester mitnehmen.»

Ob das gelingen wird, kann keiner sagen. Jedoch gibt es einige Indikatoren, die dafür sprechen, dass der FCB jetzt wieder zu seiner Form aus dem Spätherbst finden könnte. Denn wer einer Mannschaft wie Manchester City die erste Heimniederlage seit 15 Monaten zufügt, wer ein Mal mehr Historisches erreicht, der reist am Wochenende ganz sicher nicht mit wackligen Knien zum FC Luzern.


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