Presseschau

Basler Zeitung vom 08.03.2018

Als hätte es nie eine Krise gegeben

Die FCB-Sorgenkinder Fabian Frei, Michael Lang und Mohamed Elyounoussi brillieren

Von Marcel Rohr, Manchester

War es das letzte Champions-League-Spiel des FC Basel für lange Zeit? Diese Frage war um 21.35 Uhr Ortszeit weit weg, als sich die Spieler der Rotblauen in die Arme fielen. Der 2:1-Sieg wirkte wie eine Erlösung im Lager der Schweizer Gäste, die ihren ersten Auswärtssieg in einem Achtelfinal der Königsklasse beklatschen konnten. Dabei feierten gleich drei FCB-Spieler ihre Auferstehung, die zuletzt für ihr Formtief viel Kritik einstecken mussten.

Fabian Frei, der Umsichtige

Seine Rückkehr in Rotblau hatte sich der 29-jährige Frauenfelder anders vorgestellt. Statt Applaus und guten Kritiken gab es Pfiffe, tiefe Noten samt der Verbannung auf die Ersatzbank. In Manchester rückte Fabian Frei als zentraler Mann in eine Dreier-Abwehrkette. Und zeigte von der ersten Minute an, dass er auf dieser Position die Lösung der Zukunft sein kann. Frei antizipierte gut, er liess sich kaum überlaufen. Und mit seinen weiten Zuspielen nach vorne war er Teil jenes Umschaltfussballs, den Trainer Raphael Wicky sehen will. Das 1:1 bereitete Frei mit einem klugen Pass auf Blas Riveros vor, und vor dem 2:1 von Michael Lang hatte er eine entscheidende Balleroberung.

«Wir haben nun einen sehr, sehr würdigen Abschluss in dieser Champions League geschaffen. Es können im Moment nicht allzu viele Mannschaften behaupten, sie hätten bei Manchester City gewonnen», meinte Frei zufrieden, bevor er zur Dopingkontrolle ausgelost wurde.

Als hätte es nie eine Krise gegeben – mit dieser Leistung hat der Mainz-Rückkehrer bewiesen, dass er vom Leistungsprinzip in die Stammelf des FCB gehört.

Michael Lang, der Torjäger

Fehlpässe, Missverständnisse, falsche Entscheidungen: Das war der Michael Lang 2018 bis zur Halbzeitpause des ManCity-Spiels. In der zweiten Hälfte zeigte der Ostschweizer eindrücklich, warum er noch im Januar zum besten Spieler der Liga gewählt worden war. Lang schoss in der 71. Minute den Siegtreffer zum 2:1. «Eine unglaubliche Leistung», befand Lang hinterher, «wir waren ballsicher und haben schnell gespielt.» Als hätte es nie eine Krise gegeben.

«Der Trainer hat uns hervorragend eingestellt», meinte Lang weiter, «und wir haben gezeigt, was in uns steckt. Manchmal braucht es so wenig, um zurück in die Spur zu finden». Lang selbst schrieb einmal mehr Geschichte. In der Gruppenphase hatte er in Basel das Siegtor gegen Manchester United (1:0) erzielt, nun gegen den Stadtrivalen der Roten. «Ich hoffe, dass dies kein anderer Schweizer Spieler je schaffen wird», scherzte Lang. Natürlich hofft auch der 27-Jährige, dass die Basler den Schwung aus dem Etihad-Stadion in die Super League mitnehmen können. «Solche Siege tun einfach gut.»

Mohamed Elyounoussi, der Coole

Der 23-jährige Norweger war in der Offensive der Basler in diesem Jahr bisland die Krise in Person. Gegen Lugano verschoss er einen Penalty, gegen St. Gallen irrte er nur herum, im Cup-Halbfinal gegen YB drückte er die Ersatzbank. Doch im 3-4-3-System Wickys durfte er den linken Flügel besetzen – und aus dem Sorgenkind wurde innert Minuten ein Leistungsträger. Nach schöner Vorarbeit von Blas Riveros am linken Flügel konnte «Moi» in der 17. Minute zum 1:1 ausgleichen. Das Prädikat «Extraklasse» verdiente er sich jedoch vor allem vor dem 2:1 Langs; herrlich, wie er seinem Kumpel den Ball durchsteckte.

«Ich bin sehr happy, dass wir heute derart gut gespielt haben», sagte Elyounoussi, «mehr geht in Manchester nicht». Ganz cool analysierte er dann mit der BaZ die 90 Minuten. Und stellte fest: «Nach dem frühen Gegentor kamen wir ungemein stark zurück. Wir haben gekämpft und uns den Ball geschickt zugespielt». Wann wusste er, dass der FCB gewinnen wird? «Erst als der Referée abpfiff – hey, das ist Manchester City…»

In dieser Form ist Elyounoussi nicht aus der Stammelf wegzudenken. Der Techniker sagt: «Ich hoffe, dieses Spiel ist für uns alle der Wendepunkt nach diesem schwierigen Start 2018.» Für ihn gilt, was für Fabian Frei und Michael Lang gilt: Als hätte es nie eine Krise gegeben.


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