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FC Basel

VfB Stuttgart

FC Basel - VfB Stuttgart 1:3 (0:1)

Datum: 12.02.1995, 14:30 Uhr - Wettbewerb: Testspiel 1994/95

Stadion: St. Jakob (Basel) - Zuschauer: 5'000

Schiedsrichter: Marcel Vollenweider Schweiz

Tore: 23. Kruse 0:1. 64. Schneider 0:2. 76. Schneider 0:3. 84. Hertig 1:3.

FC Basel: Grüter; Ceccaroni, Meier, Tabakovic, Walker; Cantaluppi (73. Hertig), Gigon, Smajic, Steingruber (73. Douimi); Rey (76. Yakin), Zuffi.

VfB Stuttgart: Immel; Bobic, Berthold; Foda (79. Addo), Dubajic (41. Büttner), Bochtler (46. Dinzey); Kienle (60. Schneider), Dunga, Kögl (75. Covic); Elber, Kruse (79. Sigursson).

Bemerkungen: FC Basel ohne Jeitziner, Olsen, van Duren, VfB Stuttgart ohne Poschner, Strunz, Schäfer und Buck. Dubajic mit Magenbeschwerden ausgeschieden. Wegen Panne des VfB-Cars bei der Anreise Spielbeginn mit 20minütiger Verspätung.

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Es bleibt bis Aarau noch einiges zu tun

Der FC Basel gefiel in seinem wichtigsten Testspiel des Winters nur eine Halbzeit, weshalb er gegen den VfB Stuttgart 1:3 (0:1) verlor.

Basel. Es sei dieser Match das wichtigste Vorbereitungsspiel vor der Finalrunde: Das hatte Didi Andrey, der Trainer des FC Basel, vor der gestrigen Partie gegen den VfB Stuttgart gesagt. Und: «Ich erwarte aus dieser Begegnung Aufschlüsse, die für das Startspiel vom 26. Februar in Aarau wertvoll sein sollen.»

Wohlan denn, nennen wir also die wichtigsten Erkenntnisse, die aus der Basler Leistung gegen den Zehnten der Bundesliga zu gewinnen waren:

Könnte der FCB in den kommenden Finalrundenspielen so auftreten, wie er das in der gestrigen ersten Halbzeit getan hat, wäre eine gewisse Zuversicht gerechtfertigt. In diesen 45 Minuten spielte der NLA-Club phasenweise sehr ansprechend, auf jeden Fall keineswegs schlechter als die Stuttgarter. Die Abwehr stand gut, der von Smajic ideenreiche geführte Angriff verriet Kreativität und hatte, weil stets einer aus der Abwehr mitkam, auch weit mehr Gewicht als im letzten Herbst. Dieser «eine» aus der Abwehr war meist Walker, von dem viel Torgefahr ausging, etliche Male auch Ceccaroni. Kurzum: Das 0:1 zur Pause, entstanden durch einen Flatterball von Axel Kruse in der 23. Minute, entsprach nicht dem Geschehen. Ein 1:1 oder ein 2:1 zugunsten des FCB wäre keine Lug gewesen.

Die zweite Halbzeit freilich warf dann wieder mehr Fragen auf, als man nach der ersten beantwortet geglaubt hatte. Tatsächlich kam spätestens mit Schneiders 0:2 nach einer guten Stunde ein krasser Bruch in die Darbietung der Basler, die nun wieder wie in alten (schlechteren) Zeiten zurückgedrängt wurden und offensiv nicht mehr viel zustande brachten. Die Ausnahme war eine Szene in der 84. Minute, in der Hertig auf Vorarbeit von Smajic endlich ein Basler Goal geglückt war. Zu diesem Zeitpunkt freilich hiess es nach einem weiteren Tor Schneiders, der zusammen mit Covic erstaunlich einfach zum Erfolg gekommen war, bereits 0:3. Und dieser Leistungssturz des FCB hatte sehr viel mit dem «Verschwinden» Smajics zu tun, der 60 Minuten lang gut spielte, ehe ihn die Kräfte verliessen.

Nun haben schon bessere Mannschaften als der FCB gegen den VfB Stuttgart verloren - irritierend aber war diesmal, wie leicht und mit wie wenig Aufwand die Schwaben zu diesem Sieg kamen. Denn ihr Auftritt war nicht von purer Lust am Fussball geprägt, um es zurückhaltend zu formulieren. Ein Dunga, prominentes Mitglied der Weltmeistermannschaft Brasiliens, arbeitete zum Beispiel aufreizend wenig, von Spielern wie Bobic und Berthold kamen kaum mehr Impulse, so dass tatsächlich Kruse neben Goalie Immel einer der Auffälligeren beim VfB war.

Diese Einwände gegen die Darbietung des VfB relativieren möglicherweise auch wieder etwas die Fortschritte, die man vom FCB in der ersten Halbzeit gegenüber dem Testspiel vor Wochenfrist zu erkennen geglaubt hatte. Damals waren die Basler mit ihrem 1:4 dem SC Freiburg deutlich krasser unterlegen gewesen als nun dem VfB.

Noch bleiben Andrey zwei Wochen Zeit, notwendige Korrekturen vorzunehmen. Der Weg, den er einschlug und der ein etwas anderer als im Herbst scheint, ist richtig: Die Mannschaft agiert offensiver, tat es zumindest in diesen bisherigen Testspielen. In der Angriffsauslösung gibt es durchaus schöne Sachen zu beobachten - es wäre also nichts ungerechter, als den FCB nun plötzlich zu tadeln, weil er mehr Gegentore kassiert als im Herbst.

Diese Gegentore sind wohl auch weniger eine Frage des Systems als die Folge von Mängeln im physischen Bereich. Das sei richtig zu verstehen: Die Spieler haben nicht eine schlechte Kondition. Vielmehr reicht aufgrund des harten Wintertrainings ihre Frische noch nicht für 90 Minuten. So hat der FCB in den drei letzten Testspielen gegen Freiburg (1:4), YB (4:2) und nun gegen den VfB Stuttgart (1:3) in den jeweils letzten 30 Minuten insgesamt fünf Gegentreffer kassiert. Die Fähigkeit, sich 90 Minuten lang zu konzentrieren und spritzig zu bleiben, wäre wohl mit einem nochmals gedrosselten Training zurück zu erlangen.

Auch wenn noch bei weitem nicht alles klappte, ist damit zu rechnen, dass die elf Spieler in Aarau beginnen werden, die gestern einliefen. Um dann ein positives Ergebnis zu erreichen, müsste auf einigen Schlüsselpositionen noch mehr Einfluss genommen werden - vor allem von Cantaluppi, Gigon, Steingruber und von Rey, dazu von Smajic, wenn er auch physisch wieder der alte sein wird, länger als eine Halbzeit. Sie alle spielen derzeit mit etlichen guten Ansätzen, aber noch immer nicht so, als würden sie ihre wirklichen Möglichkeiten ganz ausschöpfen.

Vielleicht ist es da ganz gut, dass sich im letzten Testspiel nochmals ein Gegner parat hält, der etwas einfacher zu bezwingen sein wird als ein Bundesligist - der B-Club Delémont am nächsten Samstag. Josef Zindel

Quelle: Basler Zeitung vom 13.02.1995