Presseschau

Basler Zeitung vom 11.03.2019

Die ungenutzte Chance auf einen freien Montag

Der FC Basel kommt beim FC Lugano nicht über ein 1:1 hinaus und liegt nun 21 Punkte hinter den Young Boys

Von Tilman Pauls, Lugano

Nach dem Schlusspfiff ging es relativ schnell wieder ums Thema Fasnacht, was eigentlich schon alles über dieses Spiel zwischen dem FC Basel und dem FC Lugano sagt. Es war ein 1:1, an das in ein paar Wochen kaum einer zurückdenken wird. Es war ja schon unmittelbar nach dem Spiel schwierig, sich an mehr als die beiden Treffer zu erinnern. Sonst war es nämlich ein grösstenteils ereignisloses Spiel – dabei hätten die Basler mit einem Sieg im Tessin doch so viel erreichen können.

Nicht nur, dass sie den Rückstand auf die Young Boys bei 19 Punkten gehalten und ihre Siegesserie auf fünf Spiele in Folge ausgeweitet hätten. Nein, Trainer Marcel Koller hatte seinen Spielern als zusätzliche Motivation sogar einen freien Montag und damit die gefahrenlose Teilnahme am Morgestraich in Aussicht gestellt. Nach dem 1:1 müssen die Spieler heute wohl oder übel doch zum Training erscheinen – ganz egal, wann sie es in der Nacht ins Bett geschafft haben.

Die Präzisionsfehler

Dabei standen die Chancen gar nicht schlecht, mit einem freien Tag in die Woche zu starten. Die Basler waren schon in der siebten Minute durch ein Kopfballtor von Albian Ajeti in Führung gegangen. Es war ein schöner Spielzug über Valentin Stocker und Silvan Widmer auf der rechten Seite, den Ajeti mit seinem elften Saisontreffer erfolgreich abschloss. Und es war ein Auftakt, wie man ihn sich nur wünschen kann, wenn einem zentrale Spieler wie Fabian Frei, Eder Balanta, Carlos Zambrano oder Kevin Bua fehlen und man darum gröber in die Statik der eigenen Mannschaft eingreifen muss.

Doch statt Sicherheit aus der frühen Führung zu ziehen, liessen die Basler es zu, dass ihnen die Partie zusehends entgleitet. Lugano fand immer besser ins Spiel, der FCB verlor die Kontrolle der Anfangsminuten und liess sich immer weiter zurückdrängen. «Wir waren zu weit weg von den Gegnern, wir waren zu passiv», sagte Verteidiger Widmer nach dem Spiel, «wir konnten heute nicht an die Leistungen der letzten Spiele anschliessen.» Und so kam es, dass man den Ausgleich der Gastgeber in der 44. Minute sogar schon zehn Minuten lang erahnen konnte, ehe er tatsächlich fiel: Jonathan Sabbatini nutzte einen Moment der Unordnung der Basler Innenverteidiger Marek Suchy und Yves Kaiser und erzielte das 1:1 mit dem Kopf.

Nach der Halbzeit reagierte Koller und wechselte mit Noah Okafor und Valentin Stocker die beiden auffälligsten Spieler der letzten Partien aus. Beide konnten nicht an ihre Leistungen anknüpfen und blieben bis zu ihrer Auswechslung unauffällig. Doch auch mit der Hereinnahme von Samuele Campo und Edon Zhegrova konnten die Basler ihre passive Spielweise nicht mehr ablegen und kamen kaum noch gefährlich vor das gegnerische Tor. Zwar hatte Ricky van Wolfswinkel eine Chance, die an der Querlatte endete. Aber auch Lugano hätte kurz vor Schluss beinahe noch das 2:1 erzielt – es wäre nicht mal unverdient gewesen.

«Wir hatten zu viele Präzisionsfehler und hätten in einigen Situationen besser nachschieben müssen», analysierte Koller. Aber auch der Trainer konnte nicht beantworten, ob der Leistungsabfall nach zuletzt guten Auftritten nun mit den Umstellungen, dem Gegner oder vielleicht doch mit der Aussicht auf einen freien Tag zusammenhing.

Das Spitzenspiel

Unmittelbare Auswirkungen hat dieses Remis für die Basler nicht. YB ist an der Tabellenspitze ohnehin so weit entrückt, dass es längst keinen Unterschied mehr macht, ob man nun 19 oder 21 Punkte hinter den Bernern steht. Und der erste Verfolger der Basler, der FC Thun, hat an diesem Wochenende ebenfalls nur einen Punkt geholt und liegt weiter sieben Zähler hinter dem FCB. Für die Basler ist das Remis allerdings kein gutes Vorzeichen für das Spiel am kommenden Wochenende. Dann kommen die Young Boys zum Spitzenspiel in den St.-Jakob-Park, auch wenn diese Bezeichnung angesichts der Stärkeverhältnisse in dieser Saison fast ein bisschen grotesk wirkt. «Es spielen die beiden besten Mannschaften der Schweiz gegeneinander», rechtfertigt Koller den Terminus. Und er wird wissen, dass sein Team sich im Vergleich zum Spiel in Lugano steigern muss, um zum ersten Mal in dieser Saison gegen die Berner zu gewinnen.

Die Basler können darauf hoffen, dass ihnen ein Spiel wie im Tessin nicht noch mal passiert. Immerhin kommen die gesperrten Frei und Balanta zurück, was die personelle Situation etwas entspannt. Und im Duell gegen YB braucht es auch keinen zusätzlichen Anreiz wie einen freien Montag, damit die Spieler motiviert sind.


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