Presseschau

Basler Zeitung vom 29.06.2020

Der FC Basel behält einen halben Zeh im Titelrennen

Im ersten Heimspiel seit der Corona-Pause gewinnt der FCB gegen Sion 2:0. Die beiden Tore erzielen die überlegenen Basler spät.

Samuel Waldis

Das Musikstück aus den Boxen des St.-Jakob-Parks drehte in der Endlosschlaufe. Bernhard Burgener stand auf dem Rasen und wartete, neben dem Präsidenten des FC Basel wartete CEO Roland Heri, und die Spieler Kevin Bua und Zdravko Kuzmanovic warteten ebenfalls. Sie schauten sich an, redeten kaum, schauten auf die Tribüne. Minutenlang schien keiner von ihnen so richtig zu wissen, wann diese Zeremonie denn beginnen sollte.

Und dann, endlich, nahm Burgener das Mikrofon und redete von einen traurigen Tag und von Emotionen. Sachen, die man sagt, wenn jemand geht. Ob einer nun kaum mehr gespielt hat (Kuzmanovic) oder vor dem Ende der Saison weiterziehen möchte (Bua). Kuzmanovic reichte Burgener zum Abschied die Hand, der Präsident nahm sie. Und der bestbezahlte Basler Fussballer reichte sie auch Heri, der sie Corona-konform nicht nahm.

Dann war diese Szene vorbei. Kuzmanovic und Bua machten sich vom Acker, und es ist nicht verbürgt, ob sich die beiden das Spiel noch angeschaut haben. Jedenfalls übernahmen jene, die noch da sind - und die auf dem Rasen dank der Ausrutscher von YB und St. Gallen unter der Woche fünf Punkte hinter dem Titel hinterherrennen.

Jede Menge Geduld

Lange schien es am frühen Sonntagabend gegen den FC Sion so, als könnte der Rückstand auf die Spitze wieder anwachsen. Der FC Basel war vor 1000 zum Teil per Los ausgewählten Leuten deutlich überlegen, hatte 65 Prozent Ballbesitz, kam 28-mal zum Abschluss (Sion: fünf), spielte zwölf Eckbälle (Sion: null), erzielte aber sehr lange keinen Treffer. Das 1:0 schoss der eingewechselte Kemal Ademi erst in der 86. Minute, auf eine Flanke des ebenfalls eingewechselten Blas Riveros, und drei Minuten später verwandelte Samuele Campo einen Freistoss direkt zum 2:0-Endstand.

Zuvor war der FC Basel angerannt, schoss daneben und drüber, zeigte Fallrückzieher (Arthur Cabral) und Seitfallzieher (Taulant Xhaka). Und wenn die Schüsse mal aufs Tor kamen, wehrte sie der starke Kevin Fickentscher ab. Irgendwann sagte jemand auf der Tribüne: «Schau, Sion wird hier noch 1:0 gewinnen.»

Dieses Resultat wäre denkbar gewesen, hätte das Geschehen aber in keiner Weise abgebildet. Der FC Basel war den Wallisern fast in allen Belangen überlegen, sie zogen auf jeder Position den besseren Abend ein; vielleicht abgesehen vom Goalie und Pajtim Kasami, der mit seiner archaischen Grazie das Mittelfeld und die ganze Liga bereichert.

Weil aber die Defensive der Basler funktionierte, obwohl die Wertanlage Omar Alderete gesperrt fehlte, hatten die Sittener kaum nennenswerte Tormöglichkeiten. So wenige, dass der FCB zu Servette Genf aufgeschlossen hat und zusammen mit den Genfern die statistisch beste Abwehr der Liga stellt. Und das beste Torverhältnis haben die Basler ebenfalls: 26 Tore haben sie mehr geschossen als kassiert.

Kollers Wechsel

Auf drei Positionen hatte Trainer Marcel Koller seine Mannschaft im Vergleich zum Sieg gegen Xamax verändert. Das sind wenige Wechsel in einer Phase der Saison, in der die Teams alle drei Tage auf dem Rasen auflaufen müssen. Und anders als zum Beispiel Gerardo Seoane, der in allen Partien seit der Corona-Pause fünf Spieler eingewechselt hatte, machte Koller gegen den FC Sion von dieser Möglichkeit erneut nicht Gebrauch. Zwei der vier Wechsel vollzog der Trainer zudem erst in der Nachspielzeit der Partie, als diese entschieden war.

Es ist das alte Thema: Mehr Breite gibt das Basler Kader nicht wirklich her, wenn nicht alle rotblaue Spieler zur Verfügung stehen.

Am Mittwoch geht es für die Basler weiter, auswärts gegen den FC Lugano. Dieser hat am Sonntag gegen den FC Zürich zum ersten Mal nach der Corona-Pause verloren und steht zumindest am Rande des Kampfs gegen den Abstieg aus der Super League.

Die Basler hingegen haben weiterhin einen halben Zeh in der Tür zum Titelrennen. Fünf Punkte Rückstand sind nicht wenig, vor allem wenn man das Kader des Berner Kandidaten auf den Titel genauer anschaut. Aber wer weiss, was in diesem englischen Saisonende noch alles passiert.


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