bz Basel vom 03.10.2025
Der FC Basel gewinnt in der Europa League 2:0 gegen Stuttgart und kann sich bei seinem Goalie bedanken.
Christoph Kieslich
Der erste Basler Abend in der Europa League ist zu einem der Spiele geworden, das sich einreiht in die magischen Nächte der jüngeren Geschichte. Mit einer leidenschaftlichen Leistung stellt der Schweizer Meister dem klar höher gehandelten Bundesligisten VfB Stuttgart ein Bein und feiert die ersten drei Punkte der Kampagne.
Ludovic Magnin hatte in seiner Startaufstellung nebst der Entscheidung, Nicolas Vouilloz anstelle von Kevin Rüegg rechts verteidigen zu lassen, zwei Überraschungen parat: Jonas Adjetey begann für Adrian Barisic und der zuletzt angeschlagene Koba Koindredi ersetzte Metinho im Mittelfeldzentrum. Und ganz vorne stürmte Albian Ajeti statt Moritz Broschinski, was keine Überraschung darstellte. Das waren vier Änderungen zum Sonntagspiel gegen Luzern, und im Vergleich mit der Startelf von Freiburg sechs Wechsel.
Die Atmosphäre im Joggeli begann sich schon aufzuheizen, da waren die Spieler noch nicht zum Aufwärmen auf dem Platz. In der Gellertkurve gab es unmittelbar unterhalb des Family-Corners eine Schlägerei. Der am Spielfeldrand stehende FCB-Präsident David Degen eilte hinzu, doch die Gemüter beruhigten sich so schnell wieder, wie sie hochgekocht waren.
Die geschätzt 7000 Stuttgarter Fans sorgten vor dem Anpfiff fast für ein stimmliches Gleichgewicht mit der Muttenzerkurve und eine Stadion-Choreografie gab eine gewaltiges Bild ab zur Heimpremiere vor 33'650 Zuschauenden beim Comeback in der Ligaphase des Europapokals.
Ajeti bringt Kessel zum Kochen
Der FCB legte los wie in seinen besten internationalen Zeiten. Keine zwei Minuten waren verstrichen, als eine erste Kombination wie aus einem Guss über Leo Leroy, Philip Otele und Dominik Schmid zum ersten Abschluss von Jeremy Agbonifo führte, dessen Schuss geblockt wurde.
Eine Zeigerumdrehung später kochte das Joggeli über. Nach einem eigentlich misslungenen Zuspiel von Xherdan Shaqiri auf Koindredi unterlief Lorenz Assignon ein haarsträubender Fehlpass, der zur Beute von Ajeti wurde. Der Routinier schüttelte an der Strafraumgrenze den Niederländer Ramon Hendriks wie eine lästige Fliege ab und überwand Alexander Nübel mit einem überlegten Flachschuss. Im 38. Europacupspiel war es der fünfte Treffer für den Basler.
Der frühe Rückstand stachelte die Schwaben an, doch bevor Ermedin Demirovic in der 26. Minute die erste wirklich gute Chance hatte, als er völlig freistehend zum Kopfball kam, hatte Agbonifo das 2:0 auf dem Fuss, als er nach einem tollen Direktspiel von Shaqiri auf Otele nur den Pfosten traf.
Wirklich ins Wanken geriet die Führung, als Adjetey in der 33. Minute Tiago Tomas zu Fall brachte. Bis der Video-Referee sich davon überzeugt hatte, dass der FCB-Innenverteidiger seinen Kontrahenten tatsächlich elfmeterwürdig getroffen hatte, verstrichen fast drei Minuten. Dann parierte Marwin Hitz den zu schwach und unpräzise getretenen Strafstoss von Demirovic. Und der Kessel brodelte.
Weitere Monsterparade von Hitz
Hatte der Ballbesitz nach der tollen Basler Anfangsphase schon vor der Pause gedreht, nahm der Druck des VfB nach Seitenwechsel von Minute zu Minute zu. Ajeti verpasste noch eine gute Kontergelegenheit (51.), dann wuchtete Chema Andres einen Kopfball aufs Basler Tor, den Hitz mit einer Monsterparade unschädlich machte.
Bei dieser Versuchsanordnung blieb es: Der VfB versuchte alles, aber Hitz hielt auch alles und er bügelte auch einen schlimmen Fehler von Adjetey aus, als er in der 81. Minute gegen Tiago Tomas mit den Fingerspitzen klärte. Bessere Argumente für den Ausgleich fand der Bundesligist nicht mehr.
Und dann lief die 84. Minute und einer der wenigen Entlastungsangriffe. Aus Shaqiris Flanke in Richtung des eingewechselten Broschinski wurde eine Bogenlampe, die sich über Nübel hinweg am zweiten Pfosten ins Netz senkte. Die Basler Glückseligkeit war perfekt.
Die Leistung wird dem FCB auch Rückenwind geben, wenn er in drei Wochen bei Olympique Lyon antritt, das mit dem 2:0 gegen Salzburg bereits seinen zweiten Sieg eingefahren hat.