Basler Zeitung vom 09.01.2026
Der Argentinier kehrt heim zu Platense. Einst für fast vier Millionen Franken nach Basel geholt, wurde der 21-Jährige bei Rotblau nie glücklich.
Dominic Willimann, Oliver Gut
Fast zwei Jahre ist es her, da hatte Juan Gauto seinen besten Moment im Dress des FC Basel. Beim 1:1 im Testspiel gegen den FC Bayern München war das. Damals, als der kleine Argentinier den kleinen FCB gegen den grossen FCB mit 1:0 in Führung schoss. Ein Treffer, an dem die Zuschauer im St.-Jakob-Park viel Freude hatten, da er in Laufweg, Ballannahme und Abschluss von jenen Qualitäten zeugte, die man zuvor bestenfalls hatte erahnen können.
Allein: Es blieb Gautos letzter Treffer für den FCB. Wo Ahnung war, steht nun Gewissheit. Und diese liest sich – frei von jeglicher Hoffnung – so: Juan Carlos Gauto und der FC Basel, das war ein Missverständnis. Eines, das nun ein Ende findet, da sich die Wege zwischen dem Flügelspieler und Rotblau abermals getrennt haben.
Den Südamerikaner zieht es zurück in die Heimat zu Platense in die Primera División. Das Leihgeschäft ist bis Ende des Jahres gefixt. Dass er danach für eineinhalb Jahre zu Basel zurückkehrt, wo er noch bis Sommer 2028 einen gültigen Vertrag hat: Es ist unwahrscheinlich. Der Club aus dem Grossraum Buenos Aires besitzt eine Kaufoption.
Promotion statt Super League
Gauto selbst wollte schon länger zurück zu Freunden und Familie, doch war ein Wechsel wegen der Transferregeln erst in diesen Tagen möglich. In den Plänen von Ludovic Magnin und der Basler Sportkommission spielte der 21-Jährige aber längst keine Rolle mehr. Sein Name fand sich nicht mal auf der Kontingentsliste wieder, sodass er im letzten Halbjahr nur zu ein paar wenigen Einsätzen in der Basler Reserve in der Promotion League kam.
Dabei hatte der FCB mit Juan Gauto einst Grosses im Sinn gehabt. Mit viel Brimborium präsentierte im Sommer 2023 der damalige Sportdirektor Heiko Vogel den klein gewachsenen Offensivspieler. Er nannte ihn bei der Verpflichtung «Spektakelspieler». Und ein «Spektakelspieler», der hat seinen Preis: Der FCB überwies an Gautos vormaligen Arbeitgeber Club Atlético Huracán 3,87 Millionen Euro Ablöse, um dessen Transferrechte zu erwerben und damit den Teenager definitiv zu übernehmen.
Die Hoffnung war, dass Gauto zaubert und verzaubert. So, dass die gegnerischen Torhüter in hoher Kadenz hinter sich greifen müssen und ausländische Clubs von ordentlicher Prominenz tief in die eigene Tasche greifen wollen, um diesem tollen Spieler bald schon in den eigenen Farben beim Wirbeln zuzusehen.
Doch Wirbel war selten. Und wenn doch, dann eher in der Balz-Bar, beim Ausgang mit den Teamkollegen, damals, vor dem Start zu einer Saison 2024/25, die für den FCB mit einem Double-Gewinn endete, zu dem der Argentinier mit gerade mal einem Teileinsatz über 24 Minuten in der Super League so gut wie nichts beigetragen hatte.
Leihe nach Spanien
Viel mehr waren da Schwierigkeiten. Mit der Kultur, mit der Sprache, mit der Einsamkeit. So, wie sie eben vorkommen können, wenn ein junger Spieler aus Südamerika erstmals nach Europa wechselt. Und noch etwas häufiger vorkommen, wenn er dabei bei einem Club anheuert, der – wie der FCB 2023/24 – gerade selbst ums Überleben kämpft, aber in dem sich keine Bezugspersonen finden.
Der FC Basel tat in der Folge, was ein Club tut, wenn ein Spieler die Erwartungen nicht erfüllt – und lieh ihn im August 2024 nach La Coruña aus. Ein Jahr und lediglich 300 Einsatzminuten später kehrte Gauto wieder nach Basel zurück, ohne wirklich weitergekommen zu sein – und um festzustellen, dass er beim FCB nicht mehr wird Fuss fassen können.
Nun zieht der frühere argentinische Junioren-Nationalspieler weiter. Was bleibt, sind zwei Pflichtspieltore, erzielt im September 2023 gegen die Amateure von Bosporus Bern im Schweizer Cup – und jener eine Treffer danach, im Test gegen Bayern München, der kein Neubeginn, sondern eher ein Schlusspunkt war.
Was überdies bleibt, ist die Erkenntnis, dass es zwischen dem hochgelobten Talent und dem FC Basel schlicht nicht gematcht hat. Und dass es zwischendurch auch Transfers geben kann, die nicht den angestrebten Gewinn bei einem allfälligen Weiterverkauf erzielen. Sondern die sich als klares Minusgeschäft für alle Beteiligten erweisen.