Presseschau

bz Basel vom 04.02.2026

Wie ein gerupftes Huhn in den Viertelfinal

Der Schweizer Cup und das Spiel heute in St. Gallen (20.15 Uhr, SRF live) ist die letzte Chance für den FC Basel, einen Titel zu holen.

Christoph Kieslich

Es sind mal wieder Zeiten, in denen der FC Basel seiner Anhängerschaft einiges zumutet. Europa ade, Meisterschaft in weiter Ferne und ein Transfermontag, der es in sich hatte. Die einen loben Klubchef David Degen für den ökonomischen Plan, den anderen kommt der FCB angesichts der Pleitenserie und nach dem internationalen Deadline Day sportlich vor wie ein gerupftes Huhn.

Zwei Innenverteidiger (Barisic und Adjetey) sind weg, dazu der zweitbeste Skorer (Otele), dafür die Kasse mit um die 15 Millionen Franken Transfererlös so gefüllt, dass bereits Anfang Februar die Geschäftszahlen für das Jahr 2026 in Richtung schwarz tendieren. Bloss: Was ist mit den Ambitionen auf dem Platz?

Lichtsteiner gibt sich trotz allem tapfer
Deshalb gewinnt der Cup-Viertelfinal heute in St. Gallen (20.15 Uhr, SRF live) an noch grösserer Bedeutung, als er es für den Doublegewinner 2025 ohnehin schon hatte. Und nach zwei Auftaktniederlagen für den – soll man sagen: bedauernswerten? – neuen Trainer könnte der bereits nach seiner ersten Woche mit abgesägten Hosen dastehen.

Stephan Lichtsteiner gibt sich jedoch tapfer: «Ich bin lange genug im Business, um zu wissen, dass am Deadline Day der Transferperiode Dinge passieren.» Gleichwohl ahnt er, was ihm über Nacht an Qualität abhandengekommen ist. «Sportlich verlieren wir in Philip Otele und Jonas Adjetey zwei wichtige Spiele, die die Doublesaison mitgeprägt haben. Einen Spieler wie Jonas mit seinem Profil hat man sehr gerne in seinem Team», sagt der neue Cheftrainer, «aber schlussendlich kümmere ich mich nicht um Transfers, sondern um die Nachbereitung des Thun-Spiels und die Vorbereitung der nächsten Aufgabe.»

Für diesen kapitalen Match in St. Gallen ist Nicolas Vouilloz auf seiner eigentlich angestammten Position als Innenverteidiger wohl die erste Wahl, um die Lücke zu schliessen, die Adjetey hinterlässt. Weiterhin nicht einsatzfähig sind Keigo Tsunemoto, Finn van Breemen, Metinho sowie Moritz Broschinski, und hinter Marwin Hitz steht erneut ein Fragezeichen.

Diese St. Galler empfangen den FCB auch nicht ganz sorgenfrei. Nach drei Siegen en suite zum Jahresende ist das Team von Trainer Enrico Maassen mit einer Heimniederlage gegen Servette (2:4) und einem Remis in Luzern (2:2) ins neue Jahr gestartet und hat dabei zweimal eine 2:0-Führung aus der Hand gegeben. Vor dem FCB rangieren sie gleichwohl.

Der neue Stürmer Antonio Verinac hat sich gleich einmal eine rote Karte eingefangen und ist gegen den FCB gesperrt. Dafür kehrt immerhin Abwehrchef Jozo Stanic nach einer Gehirnerschütterung zurück.

Ein gutes Omen gibt es immerhin aus der Sicht der Basler: deren Cup-Bilanz gegen St. Gallen. Dafür, dass der 1879 gegründete FC St. Gallen der älteste noch existierende Fussballverein der Schweiz ist und der FCB auch nicht mehr der Jüngste, sind die beiden Klubs zwar nicht sehr oft im Schweizer Cup aufeinandergetroffen. Genauer: sieben Mal. Dafür ging der FCB nur einmal als Verlierer hervor, und das ist sehr lange her: 1944/45 bei einem St. Galler 3:0-Heimsieg. Ausserdem: Die letzten beiden Basler Cup-Erfolge gab es auswärts in der Ostschweiz: 2014/15 bei einem 3:1 und vor drei Jahren bei einem 2:1 nach Verlängerung, zu dem Andi Zeqiri und Zeki Amdouni die Tore beisteuerten.

Zweieinhalb Monate später gab es in der Meisterschaft eine 1:6-Niederlage an selber Stelle, notabene zwischen den beiden Halbfinalspielen gegen die Fiorentina, als Heiko Vogel in St. Gallen eine Notelf aufs Feld schickte. Genauso monumental war der höchste Auswärtssieg, den der FCB in St. Gallen landen konnte: Ein 7:0 aus der Meistersaison 2015/16.

Der Trainer sagt: «Lasse mich nicht nervös machen»
Belege dafür, dass der Kybunpark, wo 16'000 Tickets im Vorverkauf weggingen, meistens ein aufgeheiztes Pflaster ist, gäbe es mannigfach, das weiss der neue Mann in der FCB-Coachingzone: «Spiele in St. Gallen sind immer heisse Spiele, big games, und im Cup sowieso. Ich wusste um die Ausgangslage (drei entscheidende Partien in einer Woche; Anm. d. Red.), lasse mich davon nicht nervös machen.»

Es steht viel auf dem Spiel, für den Trainernovizen, vor allem aber für seinen Arbeitgeber: «Für mich», sagt Stephan Lichtsteiner, «ist das ein vorweggenommener Final.»

Zurück 4115131