Presseschau

Basler Zeitung vom 04.02.2026

David Degen nimmt Druck von Stucki und Lichtsteiner

Bei Jonas Adjeteys Abgang wurde die Sportkommission überstimmt. Das verschafft dem Sportdirektor und dem Trainer eine Fehlermarge.

Analyse von Linus Schauffert

Jonas Adjetey wechselt für kolportierte 10 Millionen Euro vom FC Basel zum VfL Wolfsburg. Damit verabschiedet sich nach Adrian Barisic bereits der zweite Innenverteidiger in diesem Winter und jener Spieler, der zuletzt neben Flavius Daniliuc gesetzt war.

Kurzfristig wird so eine Mannschaft geschwächt, die sich auf der Suche nach Stabilität befindet. Eine Mannschaft, die mit Neuprofitrainer Stephan Lichtsteiner zwei kapitale Niederlagen in Europa League und Meisterschaft hat einstecken müssen und die bereits am Mittwoch in St. Gallen mit dem Cupviertelfinal eine weitere Partie von erhöhter Bedeutung bestreitet: Es geht darum, die letzte realistische Chance auf einen Titel zu wahren, der zudem eine Europacupteilnahme zur Folge hätte.

Die Wichtigkeit des Moments spiegelt sich in der Kommunikation. Laut David Degen, der im Schreiben des Clubs zu Adjeteys Abgang zitiert wird, erfolgte der Transfer aufgrund einer wirtschaftlichen Entscheidung des Verwaltungsrats, wo die Clubmitbesitzenden David Degen, Andreas Rey und Ursula Rey-Krayer das Sagen haben. Die Sportkommission, in der sich neben Degen auch Sportdirektor Daniel Stucki, Valentin Stocker und Ruedi Zbinden befinden, habe sich aus «nachvollziehbaren Gründen» gegen einen Verkauf ausgesprochen.

Nun ist es zwar nicht so, dass eine Ablösesumme von zehn Millionen Euro die finanziellen Perspektiven des Clubs nachhaltig verändert. Aber sie kann kurzfristig benötigte Liquidität bringen und das Vertrauen von vielversprechenden ausländischen Talenten in die Basler Transferphilosophie stärken – dahin gehend, dass der FCB Reisende ziehen lässt, wenn sie eine Chance auf den nächsten Schritt unbedingt wahrnehmen wollen. Dass Otele und Adjetey, der von Philipp Degens Spieleragentur SBE beraten wird, vor Schlüsselspielen gehen, ist die mögliche Konsequenz daraus: Es sind Beispiele von suboptimalem Timing. Beispiele, wie es sie allerdings haufenweise gibt, während sich offenes Transferfenster und laufender Spielbetrieb überschneiden.

Eine bessere Alternative zu dieser Grundhaltung existiert nicht: Wer auf den Vertrag pocht, geht ebenfalls ein Risiko ein. Enttäuschte Spieler liefern oft nicht mehr das, was man sich von ihnen erhofft. Sie können – mit oder ohne plötzliche Verletzung – an Wert verlieren. Und sie können Verträge auslaufen lassen. All das führt dazu, dass man nie mehr jene Millionen löst, die zuvor geboten waren – aber als möglicher künftiger Arbeitgeber von jungen Spielern an Attraktivität einbüsst.

Meinungsverschiedenheiten beim FC Basel
Dass der FCB öffentlich von internen Meinungsverschiedenheiten schreibt, ist ungewöhnlich. Es stellt sich die Frage nach dem Motiv, das diesem Vorgehen zugrunde liegt.

Im ersten Moment liegt der Gedanke nahe, dass es zum Disput zwischen der Sportkommission und dem Verwaltungsrat und damit zwischen Daniel Stucki und David Degen gekommen sein könnte. Womöglich widerstrebte der Transfer dem Sportdirektor dermassen, dass dieser auf eine Stellungnahme Degens im Communiqué drängte. Um die Wogen zu glätten, leistete man der Forderung Folge.

Auf den zweiten Blick erscheint diese Variante allerdings wenig plausibel. Warum sollte ein Club, in dem tatsächlich Spannungen auf zwei derart zentralen Positionen bestehen, diese nach aussen tragen? Eher gilt der Grundsatz: Je grösser die interne Zerrissenheit, desto mehr kommuniziert man nach aussen als Einheit.

Viel wahrscheinlicher ist eine andere Erklärung. In der Öffentlichkeit stand zuletzt neben den Trainern vor allem Stuckis Wirken im Fokus, zumal dieser Rede und Antwort stand, während sich David Degen als erster Mann im Club zurückhielt. Entsprechend und in Zusammenhang mit dem Trainerwechsel und der schwierigen sportlichen Situation stieg der Druck auf den Sportdirektor in den letzten Wochen auf ein seit dessen Amtsantritt im Sommer 2024 noch nicht erreichtes Niveau. Nun übernimmt Degen die ganze Verantwortung für Adjeteys Abgang und die damit verbundenen Auswirkungen, lädt selbst jenen Teil des Drucks auf sich, der damit einhergeht, und stellt sich somit letztlich vor Stucki, anstatt diesen zum möglichen Sündenbock werden zu lassen.

David Degen bekennt sich zu Daniel Stucki
Das Communiqué ist in erster Linie ein Bekenntnis Degens zur Arbeit seines Sportdirektors. Daran ändert sich auch nichts, wenn man Adjeteys Abgang dahin gehend interpretiert, dass es letztlich entgegen den Behauptungen des Clubs eben doch der Präsident und nicht die Sportkommission als Ganzes ist, der bei Transfergeschäften das Sagen hat. Denn es kann sich beim Fall Adjetey genauso gut um die Ausnahme handeln, welche die Regel bestätigt.

Ähnlich wie bei Stucki verschafft Adjeteys Abgang dann auch Stephan Lichtsteiner etwas mehr Fehlermarge, wenn es um die Beurteilung seiner Arbeit geht. Unterdessen wirkt es so, als sei der Trainer mitten in einer Übergangsphase geholt worden, die im Sommer einen Neustart zur Folge haben wird.

Die Führung des FC Basel tut gut daran, dies bei der Beurteilung von Lichtsteiners Arbeit zu berücksichtigen und entsprechend Nachsicht zu zeigen, sollten sich die erwartbaren Anlaufschwierigkeiten in die Länge ziehen.

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