Presseschau

bz Basel vom 07.04.2026

Erst der Zauber, dann der Dämpfer

Der FCB ist gegen YB weiterhin ungeschlagen, Shaqiri skort wieder – nur Grund zur Freude gibt es dennoch nicht.

Céline Feller

Es ist ein kleines Feuerwerk, welches nicht nur von den Rängen kommt, das der FC Basel und YB abfeuern. 3:3, Intensität, Emotionen, wechselndes Momentum: Das Duell der beiden Schweizer Grossklubs am Samstagabend hat gehalten, was es versprochen hat. Oder vielleicht gar mehr geliefert. Schliesslich wanken die beiden Riesen in dieser Saison, haben erstmals seit Einführung der Super League sieben Runden vor Schluss kein Wörtchen mehr im Rennen um den Meistertitel mitzureden.

Insofern war dieses 3:3 vielleicht berauschender, als es der Blick auf die Tabelle hätte vermuten lassen können. Wichtiger als das nackte Resultat aber sind die Erkenntnisse, die aus diesem Unentschieden gewonnen werden können.

Zuallererst kann festgehalten werden, dass dieses Spiel, insbesondere die ersten 45 Minuten, die besten der Basler unter Stephan Lichtsteiner waren. Da scheint in den zwei Wochen Pause, bedingt durch die Länderspiele, an richtigen und wichtigen Schrauben gedreht worden zu sein. Der FCB zeigte nicht nur gute Kombinationen in der Offensive, er liess sich auch nicht vom entgegen dem Spielverlauf gefallenen Rückstand irritieren und fand Antworten.

Ebenfalls festzuhalten ist, dass Xherdan Shaqiri wieder da ist. Nach sieben Partien, in welchen der Captain weder selbst traf noch assistierte und nicht ein Mal über die volle Spieldauer auf dem Feld stand, lenkte er gegen YB die Geschicke wieder so, wie man es sich vom 34-Jährigen seit der letzten Saison gewöhnt ist.

Der erste Basler Treffer – ein Eigentor durch Sandro Lauper – erzwingt Shaqiri durch eine gut getretene Ecke. Das zweite Tor ist ein Geniestreich der Marke Shaqiri. Etwas, was in dieser Liga eben nur wenige können. Mit dem linken Aussenrist zaubert er den Ball vorbei an YB-Keeper Marvin Keller ins Tor. Traumhaft schön. Und beim dritten Treffer ist es wieder Shaqiri, der mit seinem Zuspiel Bénie Traoré in die Tiefe schickt, auch wenn der Torschütze von einem kapitalen Fehler von Saidy Janko profitiert, der den Ball noch abzufangen versucht, ihn aber nicht unter Kontrolle bringt.

Shaqiri liefert – und muss dann angeschlagen raus
Zwei entscheidende Pässe und ein Traumtor – die Schaffenskrise Shaqiris scheint vorbei. Vor dem Spiel hatte er in einem Interview mit der «Basler Zeitung», in welchem er sich durchaus kritisch zum Trainerwechsel äussert, bereits festgehalten: «Ich gehe davon aus, dass ich weiterhin eine unverändert wichtige Rolle spiele.»

Seine 74 Minuten gegen YB sind diesbezüglich eine Ansage. Dass Shaqiri dann selbst anzeigt, dass er runter muss und will, hat mit seinen Muskeln zu tun. Lichtsteiner meinte nach Abpfiff: hätte Shaqiri weitergespielt, wäre er nun verletzt.

Dass der FCB nach der Auswechslung des Ausnahmekönners das Zepter etwas aus der Hand gibt, den Ausgleich zum 2:2 kassiert und am Ende gar noch um den einen Punkt zittern muss – es ist eine andere Geschichte dieser Partie. Denn während Lichtsteiner vor der Nati-Pause in Winterthur mit drei Wechseln nach 45 Minuten den entscheidenden Impuls geben konnte, führt der Dreifach-Tausch in der 74. Minute gegen YB zu einem gewissen Bruch im Basler Spiel.

Der FCB verliert den Faden. Und Vize-Captain Dominik Schmid hält im Nachgang gar fest, dass nicht alle bis zur letzten Sekunde bereit waren, ihre allerletzten Prozente abzurufen. Zwar wollte er nicht von mangelnder Mentalität sprechen, liess mit seiner Aussage aber dennoch aufhorchen.

Positive Bilanz gegen YB – aber nicht gegen die Top 6
Am Ende steht ein 3:3 da gegen ein YB, das wie die Basler auch in dieser Saison hinter Erwartungen zurückbleibt. Und doch geht es im Duell der früheren Serienmeister immer um Prestige, um Wirkung. Insofern kann sich der FCB darüber freuen, dass er gegen die Berner in dieser Saison weiterhin eine positive Bilanz aufweisen kann: ein Sieg, zwei Remis. Und in der Championship Group wartet noch ein weiteres Duell zwischen Bern und Basel.

Die Basler müssen jedoch auch konstatieren, dass ein Sieg gegen ein Team aus eben dieser Topgruppe der Liga seit September (und einem 3:1 auswärts beim designierten Meister Thun) weiter auf sich warten lässt. Noch sechs Chancen dazu bieten sich in eben so vielen noch ausstehenden Spielen. Sechs Spiele, in welchen es für den FCB um das Minimalziel Europacup geht.

Durch das 3:3 gegen YB an diesem Osterwochenende sind die Basler Chancen weiter intakt, mindestens Rang 3 zu erreichen, welchen die Basler aufgrund des Sieges von Lugano (1:0 gegen Thun) abgeben mussten. Die Berner, deren Ziele deckungsgleich mit jenen der Basler sind, konnten immerhin auf Distanz gehalten werden. Und im Kampf um Europa, welchen die Basler primär gegen Lugano und St. Gallen austragen, ist der FCB weiter im Rennen.

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