bz Basel vom 06.05.2026
Die Frauen des FC Basel verlieren am Grünen Tisch gegen den FC St. Gallen und müssen ihre Titelambitionen ein weiteres Mal begraben.
Jakob Weber
FCB-Captain Coumba Sow weiss unmittelbar nach Abpfiff des Playoff-Viertelfinal-Rückspiels am Freitag gegen den FC St. Gallen nicht, ob sie nach dem gewonnenen Elfmeterschiessen jubeln oder fluchen soll. Ohne genau zu wissen, was vorgefallen ist und welche Konsequenzen drohen, sagt sie ins Mikrofon von SRF: «Wenn uns ein solcher dummer Fehler den Sieg kostet, sind wir alle zerstört.»
Drei Tage später ist die Forfait-Niederlage amtlich. Der Schweizer Fussballverband (SFV) bestraft den FC Basel für den Wechselfehler und teilt mit: «Dem Entscheid liegt zugrunde, dass der FC Basel in der betreffenden Partie die zulässige Anzahl Auswechselgelegenheiten überschritten und zudem eine Spielerin eingesetzt hat, die nicht auf dem Matchblatt aufgeführt und deshalb nicht spielberechtigt war.»
Zudem wird der FC Basel mit einer Busse von 250 Franken belegt, was den üblichen Kosten für eine Forfait-Niederlage entspricht.
Da der FCB «im Sinne des Sports», wie er schreibt, auf den möglichen Rekurs verzichtet, spielt der Dritte der Regular Season nicht am Freitag im St. Jakob-Park gegen den Titelverteidiger aus Bern. Die YB-Frauen treffen nun auf den FC St. Gallen. Für den FCB hingegen stehen in der Platzierungsrunde nur noch zwei Kehraus-Spiele an: Zuerst an diesem Wochenende beim FC Rapperswil-Jona und eine Woche später gegen denselben Gegner im Leichtathletikstadion in Basel.
FCB gibt keine weiteren Auskünfte
Der FCB teilt mit, man sei dabei, den Vorfall intern aufzuarbeiten und Prozesse zu überprüfen, um sicherzustellen, dass sich ein solcher Fehler nicht wiederholt. Auf Anfrage der bz wurden keine weiteren Auskünfte erteilt oder Interviews gewährt. Personelle Konsequenzen gibt es vorerst keine.
Laut dem Wettspielreglement des SFV ist der Trainer einer für die Richtigkeit der Spielerkarte (Matchblatt) verantwortlich; «ausschliesslich der Trainer», heisst es explizit. Auf diesem digital erfassten Matchblatt, das in der Women's Super League maximal 20 Spielerinnen umfassen darf, waren am Freitag 19 Spielerinnen aufgelistet. Der Namen der in der Nachspielzeit der Verlängerung eingewechselten Lena Bubendorf fehlte darauf und er war nach bz-Informationen auch nicht in nützlicher Frist handschriftlich auf einem erforderlichen Beiblatt nachgemeldet worden.
Zwei Gründe für die Forfait-Niederlage
In den Ausführungsbestimmungen der Women's Super League ist nicht ausdrücklich der Trainer als Verantwortlicher genannt. Dort heisst es: «Ein Verantwortlicher beider Klubs muss sich bis 60 Minuten vor Spielbeginn bei der Schiedsrichterin melden, um mit dieser die administrativen Angelegenheiten wie Spielerkarten, Ausrüstung, Einlaufzonen oder ähnliches zu erledigen.»
Der Entscheid gegen den FC Basel, der von Marion Daube geführten Direktion Frauenfussball beim SFV gefällt wurde, ist indiskutabel. Zum einen war die eingewechselte Lena Bubendorf nicht spielberechtigt. Ebenfalls zu einer Forfait-Niederlage führt gemäss Artikel 63 des Wettspielreglements, dass Trainer Omar Adlani durch die Einwechslung von Bubendorf fünf statt der erlaubten vier Wechselfenster genutzt hat.
Für die FCB-Frauen, die unter Adlani im Frühling eine gute Entwicklung genommen haben und sogar Dominator Servette Chênois die bislang einzige Saisonniederlage zufügen konnten, ist das Urteil extrem bitter. Denn so endet die Saison mit einer grossen Enttäuschung. Vor allem für die Spielerinnen, die keine Schuld am peinlichen Wechselfehler tragen und sich sportlich eigentlich mit einem 6:2 nach Penaltyschiessen für den Halbfinal qualifiziert hatten.