Basler Zeitung vom 06.07.2026
Seit er beim Trainingsauftakt alles offengelassen hat, machen Gerüchte die Runde. Ein Ende der Beziehung zwischen Star und FCB ist allerdings nicht in Sicht.
Oliver Gut
Xherdan Shaqiri ist noch da. Er hat am Training des FC Basel teilgenommen. Und er hat auch das Testspiel gegen den FC Rapperswil-Jona bestritten. Wobei das noch nicht der Beweis dafür ist, dass er sich bedingungslos aufopfern will. Schliesslich ist Shaqiri auch Mitbesitzer des Sparring-Partners aus der Challenge League.
Zweieinhalb Wochen sind vergangen. Und es wurde kein weiteres Kapitel zu jenen Äusserungen Shaqiris hinzugefügt, die beim Trainingsauftakt des FC Basel haben aufhorchen lassen. Aussagen wie «Wir sind in einer Transferphase – und es ist alles möglich, im Fussball und im Leben» oder «Ich mache auch meine Analyse und werde mir genau anschauen, was rund um den FC Basel passiert» stehen im Raum, ohne dass sie der Spieler ergänzt oder präzisiert hätte. Und auch die Basler Verantwortlichen von Präsident David Degen über den sportlichen Leiter Valentin Stocker bis hin zum technischen Direktor Andreas Herrmann haben Shaqiris Sätze bislang unkommentiert gelassen.
Geführt hat dies vor allem zu spektakulär-fragwürdigen Gerüchten, die in Basel die Runde machen. Jenem etwa, dass er mit Eintracht Frankfurt anbandle. Aber auch jenem, dass er den bis Ende Juni 2027 gültigen Vertrag auflösen und seine Karriere beenden wolle.
Unwahrscheinlich ist beides. Shaqiri hat bis und mit Trainingsstart nie so geklungen, als wähne er sich auf dem absteigenden Ast oder fühle sich dem Rücktritt ganz nah. Er hat auch gesagt, er sei «eigentlich sehr happy» beim FC Basel und es sei «eigentlich nicht das Ziel», diesen zu verlassen.
Frankfurt und Fantasie
Fussballprofis sind rar, die aus freien Stücken einen vorzeitigen Schlussstrich ziehen. Noch rarer sind Fussballclubs, die einem Profi aus der Super League einen Millionenvertrag bieten – erst recht, wenn dieser im Oktober 35 wird. Auch dann, wenn er Xherdan Shaqiri heisst und so viel Gefühl im linken Fuss hat. Denn Füsse sind in diesem Sport nicht nur dazu da, um einen Ball zu streicheln. Sondern sie müssen einen Spieler auch möglichst oft und schnell von A nach B tragen.
Sollte es in Frankfurt oder sonst wo trotzdem einen Club auf gehobenem Bezahlniveau geben, der Shaqiri samt Millionen-Salär verpflichten will: Die kreativen Gedanken des entsprechenden Sportdirektors wünschte man sich für sich selbst.
Wenig Fantasie ist folglich nötig, um nach Shaqiris Äusserungen zum Schluss zu kommen: Der Captain des FC Basel steht mehr auf den Hinterbeinen als vor dem Absprung. Er ist nicht im Begriff, das Weite zu suchen. Sondern es ist das Nahe, Unmittelbare, das ihn beschäftigt. Es hat ihn dazu bewogen, ein öffentlich empfangbares Signal auszusenden, das nicht ohne Echo bleibt. Hoffend, dass es die gewünschte Wirkung entfaltet.
Dabei geht es Xherdan Shaqiri mit Sicherheit um die Dinge um ihn herum. Er teilt die Bedenken vieler Beobachter, wenn es um die Kompetitivität des FC Basel geht. Sie gründen auf den Erfahrungen der vergangenen Monate.
Da ist eine miserable zweite Saisonhälfte gewesen. Da ist mit Stephan Lichtsteiner ein unerfahrener Trainer, der mit seinem ernst-verbissen wirkenden Naturell wie ein Gegensatz zu Shaqiri wahrgenommen wird und unter dem die Leistung des Captains deutlich nachgelassen hat. Da sind zahlreiche Wechsel auf sportlicher Führungsebene. Und da ist ein Kaderumbruch, bei dem es auch zu Abgängen kommt, die Substanz kosten.
Bénie Traoré ist so einer, der mit Shaqiris Pässen etwas hat anfangen können und nun in New York ist. Metinho – im Mittelfeld Shaqiris Zulieferer – ist ein anderer, von dem es heisst, dass er gehen wolle. Schliesslich ist da noch Dominik Schmid, der sich nach Salzburg verabschiedet hat – nicht ohne bemerkenswertes Interview in der BaZ, in dem er sagte: «Am Ende stimmten zu viele Dinge beim FC Basel nicht mehr.»
Dass man sich beim FCB gemäss Aussage des Abgewanderten nicht stärker darum bemühte, ihn zu halten, dürfte Shaqiri zu denken gegeben haben. Auch, weil Schmid so etwas wie sein Stellvertreter war: ebenfalls eine Integrations- und Führungsfigur, zudem Ersatz-Captain. Aber eben auch, weil Schmids Vertrag Ende Juni 2027 ausgelaufen wäre – und weil es sich mit Xherdan Shaqiris Arbeitspapier bis dato genau gleich verhält.
Vertrag und Verlängerung
Wie es danach weitergeht, ist ungeklärt. Shaqiri sagt zwar öffentlich, er sehe dies entspannt. Wahrscheinlicher ist das Gegenteil: Die offene Zukunftsfrage dürfte mit ein Grund für die gewählte Kommunikationsstrategie sein.
Dazu passend, hatte Shaqiri bereits im April im Interview über die Wertschätzung verdienstvoller Spieler gesprochen. Davon, dass man diese anständig behandeln müsse. Und auch festgestellt, dass dies beim FC Basel in der Vergangenheit nicht immer der Fall gewesen sei.
Dass sich Shaqiri eine Verlängerung seines Vertrags wünscht, ist naheliegend. Würde er stattdessen das Karriereende im Sommer 2027 als Option erachten, er hätte es wohl gesagt. Vor allem aber hätte er sich jüngst nicht so geäussert, dass er damit unvermeidlich für Unruhe sorgte.
Diese Gedanken machen sich bestimmt auch die Verantwortlichen des FC Basel. Wissend, dass sie sich in einem Spannungsfeld befinden.
Aura und Abhängigkeit
Da ist der Star, dem Degen vor einem Jahr beim Doublegewinn ein Denkmal bauen wollte. Da sind dessen Aura und Vita, durch die er hohe Popularität geniesst. Da ist aber auch Abhängigkeit, gemischt mit Launenhaftigkeit: Damit es in Harmonie funktionieren kann, muss das Spiel um den Star herum gebaut sein. Was wiederum zu einer simplen Gleichung führt: Läuft es Shaqiri, dann läuft es dem FCB – aber eben auch umgekehrt. Darüber steht die zentrale Frage: Will und kann Shaqiri noch einmal so ähnlich wie in der ersten Saison nach seiner Rückkehr?
So wie die Dinge liegen, muss der FC Basel darum bemüht sein, in diesem Sommer noch Klarheit über Shaqiris mittelfristige Zukunft zu schaffen. Wenn er will, dass dabei Ruhe einkehrt, muss das so geschehen, dass es auch für die Überfigur stimmt. Ob das möglich ist, ohne dass der Vertrag mit Xherdan Shaqiri verlängert wird? Hinweise darauf gibt es bislang keine.