Presseschau

Basler Zeitung vom 31.08.2026

Im Wankdorf zeigt der FCB eine Resilienz, die Stephan Lichtsteiner guttut

Erst taumelt der FC Basel gegen ein dominantes YB. Dann bäumt er sich auf und holt einen verdienten Punkt.

Jankó Weibel

Der Aufreger
Gewiss ist eines: Der FC Basel und die Young Boys liefern in ihrem Aufeinandertreffen die spektakulärsten 90 Minuten, die die aktuelle Super-League-Saison bisher zu bieten hat. Dies, obschon vorerst vieles nach einer eindeutigen Angelegenheit ausschaut: Nach einer knappen Viertelstunde führt Tabellenführer YB bereits mit 2:0, dominiert Rotblau nach Belieben und scheint mühelos auf den nächsten hohen Ligasieg zuzusteuern.

Dass der FC Basel in jener Partie die Gelegenheit hätte, eine Sieglos-Serie zu beenden, die gegen YB im Wankdorf seit über zehn Jahren andauert: Gedanken daran dürften der FCB-Anhängerschaft zu jenem Zeitpunkt fernliegen.

Doch dann findet der FC Basel urplötzlich zurück in die Partie, stellt innert 10 Minuten auf 2:2 und gibt sich auch dann nicht geschlagen, als YB zur erneuten Führung trifft. Stattdessen zeigt er eine Resilienz, die selbst überstrahlt, wie Rotblau die Partie im Klassiker gegen den FC Zürich drehte. Und überhaupt: Einen Zweitore-Rückstand aufgeholt hat der FC Basel unter Trainer Stephan Lichtsteiner noch nie.

So dürfte dem Trainer nicht nur der Punktgewinn im Wankdorf an sich, sondern insbesondere die Art und Weise, wie dieser zustande kam, guttun – dies auch angesichts der Unruhen, mit welchen sich der 42-Jährige zuletzt konfrontiert sah. Das Spitzenspiel zwischen YB und dem FCB bot der Fussballschweiz Aufregung pur – und beschert dem FCB-Trainer einen gelungenen Start in eine strenge Woche.

Der Mann des Tages
Mit seiner aussergewöhnlichen Ballbehandlung weiss YB-Offensivakteur Alvyn Sanches das Heimpublikum zwar wiederholt zu entzücken. Der Mann des Tages aber stammt aus Basler Reihen: Erst leitet Innenverteidiger Akpe Victory mit einem Assist die Basler Aufholjagd ein, trifft dann gleich selbst zum 3:3 und rettet den FCB darauf mit einer Klärungstat auf der Linie vor einem erneuten Rückstand.

Die 90 Minuten
Im Wankdorf setzt FCB-Trainer Stephan Lichtsteiner auf exakt die gleiche Startelf, die bereits den Klassiker in Zürich bestritt. Nur 14 Minuten nach Anpfiff steht es jedoch bereits 2:0 zugunsten der Bundesstädter: Joël Monteiro (7.) und Samuel Essende (14.) bestrafen nachlässiges Defensivverhalten des FCB und treffen.

In der Folge bleibt YB dominant – doch das Team, das zu weiteren Treffern kommt, trägt Rotblau. In der 32. Minute schliesst Kazeem Olaigbe einen FCB-Konter mustergültig ab, ehe Asane Sow die Partie sechs Minuten später nach einer sehenswerten und vom mittlerweile eingewechselten Xherdan Shaqiri initiierten Basler Kombination zum Ausgleich trifft.

Den Schlusspunkt einer ereignisreichen ersten Hälfte setzt jedoch wiederum YB: Kurz vor Pausenpfiff trifft Alvyn Sanches zum 3:2. In der 71. Minute aber erzielt Akpe Victory den erneuten Ausgleich, worauf die Basler das 3:3 über die Zeit bringen.

Die Stimme zum Spiel
«Xherdan Shaqiris Qualität und Erfahrung haben wir heute das Blatt gewendet – besonders, wenn es um unseren Zugriff im Zentrum», sagt Trainer Stephan Lichtsteiner zur Einwechslung seines Captains in der 33. Minute. «Seine Leistung war überragend», so der 42-Jährige weiter.

Das Fazit
Nach fünf Saisonspielen steht der FC Basel bei zehn Punkten – und damit ein Punkt hinter YB. Im Auftritt gegen den Leader deutet er an, dass er auch gegen die direkten Tabellenkonkurrenten mitzuhalten weiss – dies, nachdem Rotblau Teams vor sich hatte, die begrenzte Titelambitionen hegen. Und selbst wenn sich die Basler Defensive wiederholt äusserst ungeschickt anstellt, darf festgehalten werden: Der Start in die englische Woche ist geglückt.

Rückenwind verleihen dürfte das Resultat zudem Trainer Stephan Lichtsteiner, der sich zuletzt mit Kritik konfrontiert sah. Daran, dass der Basler Cheftrainer, möchte er Unruhen um seine Person fernhalten, jedoch nun weitere gelungene Auftritte gegen die kommenden Gegner aus dem Wallis und dem Tessin braucht, ändert der Auftritt in Bern aber nur begrenzt etwas.

So geht es weiter
Nachdem die erste Partie der englischen Woche absolviert ist, wird Rotblau am Donnerstag den FC Sion empfangen (St.-Jakob-Park, 20.30 Uhr), ehe am darauffolgenden Sonntag der FC Lugano ins Joggeli reist.

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