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Neuchâtel Xamax

FC Basel

Neuchâtel Xamax - FC Basel 1:1 (1:0)

Datum: 30.05.1999, 16:15 Uhr - Wettbewerb: NLA Finalrunde 1998/99 - 13. Runde

Stadion: Maladière (Neuchâtel) - Zuschauer: 5'500

Schiedsrichter: Nicole Petignat Schweiz

Tore: 16. Isabella 1:0. 54. Fabinho 1:1.

Gelbe Karte: 22. Potocianu (Foul), 37. N'Diaye (Foul), 39. Ceccaroni (Foul).

Gelb-Rote Karte: 93. Potocianu (Spielverzögerung).

Neuchâtel Xamax: Delay; Ndo, Rueda, Rothenbühler, Zambaz (83. Njanka); Isabella, Simo, Boughanem, Savic (51. Gigon); Molist (67. Bieli), N'Diaye.

FC Basel: Huber; Ceccaroni, Veiga, Potocianu, Reimann (73. Colina); Tschopp (60. Perez), Gonçalves, Barberis, Fabinho; Varela, Mendi (82. Huggel).

Bemerkungen: Xamax ohne Corminboeuf, Colomba, Alicarte, Quentin, Martinovic, Gämperle und Gazic (alle verletzt). Basel ohne Rytschkow, Sahin (beide gesperrt), Kreuzer, Calapes, Cantaluppi, Cravero, Frick, Pechoucek und Güntensperger (alle verletzt) sowie Güner (keine Spielberechtigung). Erster NLA-Einsatz von Schiedsrichterin Nicole Mouidi. 75. Lattenschuss Gonçalves.

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FCB-Rumpfteam nahe am Sieg

Der FC Basel erreichte im 13. Durchgang der Fussball-Finalrunde bei Neuchâtel Xamax ein 1:1 (0:1). Patrick Isabellas Führungstor vor der Pause egalisierte Fabinho mit einem Freistoss nach 54 Minuten.

Neuchâtel. Eigentlich ist es fast schon komisch: Da geraten die Reisen des FC Basel in Richtung Stade de la Maladière in chronischer Regelmässigkeit zu höchst ertraglosen Dienstausflügen - und ausgerechnet in vermeintlich meistgeschwächter Formation kam der FCB gestern dem ersten Sieg seit dem 1:0 im Herbst 1979 (Tor durch Erni Maissen) so nahe wie selten zuvor.

1:1 hiess es nach 93 zunächst weniger, dann etwas unterhaltsameren Minuten, und FCB-Interimstrainer Marco Schällibaum stand danach im Bauch der Maladière-Tribüne, dort, wo Basler Teamverantwortliche wie Benthaus, Künnecke, Andrey, Engel etc, so oft Niederlagen hatten erklären müssen, und sagte: «Aufgrund der Chancen hätten wir den Sieg heute verdient.» Das hat sich auch sein Gegenüber, Alain Geiger, gedacht - und fasst man die Aussagen der Trainer zusammen, dann ist das 1:1 das logische Resultat.

Geht man bei der Analyse näher ins Detail, dann darf sich Schällibaum ein wenig mehr ärgern, denn als nach einer Stunde Deniz Mendi dem betont lustlosen Joseph Ndo den Ball abgenommen hatte, wurde er vom hinterherlaufenden Verteidiger aus Kamerun im Strafraum gefällt. «Als ich schiessen wollte, traf er mein Standbein», sagte der Basler Stürmer, der für den am Fuss verletzten Mario Frick zum Einsatz kam. Doch die Pfeife der NLA-Debütantin Nicole Mouidi blieb stumm; es blieb ihr einziger Fehler an diesem sommerlichen Nachmittag.

Ein Penalty hätte zu diesem Zeitpunkt die verdiente Führung des FCB bringen können. Die Gäste starteten zwar verhalten in die Partie, was aufgrund der zahlreichen Umstellungen verständlich war. Diese brachten anfänglich Unruhe ins Gefüge, aber weil namentlich Argemiro Veiga und Dan Potocianu in der Innenverteidigung Hervorragendes leisteten, hielt sich der Schaden in Grenzen.

Konkret heisst dies - die Neuenburger führten zur Pause nicht höher als 1:0. Der Treffer fiel nach einer Viertelstunde, als Nenad Savic zum Flanken gekommen war, und sich in der Mitte Patrick Isabella von Ivan Reimann gelöst hatte und freistehend ins Tor köpfeln konnte.

Dieses 1:0 hätte für den FCB gefährlich werden können, doch die Mannschaft verlor die Kontrolle nicht, vielleicht auch, weil Schällibaums Idee, auf dem grossen Maladière-Feld auf ein kompaktes 4-4-2 zurückzugreifen, keine schlechte gewesen war. Die Stabilität der Basler war der eine Faktor, der die Partie ausgeglichen verlaufen liess, der andere war die Vorstellung der Xamaxiens nach dem Führungstreffer. Eine wirklich gute Mannschaft hätte nachgesetzt und das FCB-Rumpfteam unter Druck gesetzt.

So aber waren es die Basler, die mit ihrem ansehnlichen Aufwand die Neuenburger früh störten, oft an die Grundlinie vorstiessen und auch zu Chancen kamen. «Das Team hat nicht nachgelassen», formulierte es Schällibaum im nachhinein, «es war wirklich eine gute Leistung.» Diese Aussage trifft auf die ersten 25 Minuten der zweiten Hälfte in der Tat zu: In dieser Phase war der FCB dem Gegner überlegen, doch wäre er eine richtig gute Mannschaft, dann hätte für ihn analog zur ersten «Neuenburger» Halbzeit mehr herausschauen können als nur der Ausgleich. Der fiel nach einem herrlichen Freistoss Fabinhos von der rechten Seite. Der Brasilianer hatte den Ball mit dem linken Fuss in die weite Torecke (54.) gezirkelt.

Dieser Treffer weckte Xamax wieder auf, und nun war phasenweise sehr animierend, was die beiden Teams in der prallen Sonne zu bieten in der Lage waren. Auf Neuenburger Seite war die Einwechslung Rainer Bielis ein Gewinn, und beim FCB erwiesen sich Potocianu als Auslöser sowie die wuseligen Abedi und Carlos Varela als gefährliche Konterspieler. Es hätten beiderseits mehr Tore fallen können, doch dass es beim 1:1 blieb, war leicht nachvollziehbar: Effiziente Goalgetter standen gestern nicht auf dem Platz - Chance herauszuarbeiten, das ist eine Sache, sie auch zu nützen eine andere, weitaus schwierigere.

Beispiel 1, Abedi: Der Rytschkow-Ersatz hatte Florent Delay bereits umspielt, traf aber nur die Unterkante der Querlatte (75.).

Beispiel 2, Bieli: Der Xamax-Angreifer kam nach Didier Gigons Schuss und Stefan Hubers Parade fünf Meter vor dem Tor an den Ball, lupfte diesen aber über die Querlatte (79.).

In einer FCB-Einzelkritik kommen Potocianu, Veiga sowie der tadellose Huber am besten weg, Massimo Ceccaroni und Ivan Reimann waren zuverlässige Defensiv-Werte auf den Aussenverteidiger-Positionen; im Mittelfeld fehlte die Kreativität eines Alexander Rytschkow deutlich, doch gemessen am individuellen Leistungsvermögen muss sich keiner aus dem Quartett Marco Tschopp, Sébastien Barberis, Abedi und Fabinho einen Vorwurf gefallen lassen. Im Angriff letztlich war Mendi sehr bemüht, aber ohne Fortune. Varela bewegte sich weniger, brachte mehr Unruhe, aber ein Tor schoss auch er nicht.

Dank diesem gestrigen Punkt ist dem FCB der 5. Schlussrang nicht mehr zu nehmen, das heisst, er wird als UIC-Team «Schweiz 1» am 19. Juni irgendwo in Slowenien anzutreten haben und darauf hoffen, in der 3. Runde sich mit dem HSV messen zu dürfen (vgl. BaZ vom Samstag). Das ist nicht die Welt, aber noch immer mehr, als vor der Saison oder nach dem 0:5 in Aarau in der 2. Runde der Qualifikation hatte erwartet werden dürfen. Michael Martin

Quelle: Basler Zeitung vom 31.05.1999