Presseschau

Basler Zeitung vom 12.10.2010

Der Abend des «Goldfiessli»

Vor 50 Jahren bezwang Seppe Hügi im Joggeli Frankreich quasi im Alleingang

claudio miozzari*

6:2 siegte die Schweizer Nationalmannschaft am 12. Oktober 1960 im St.-Jakob-Stadion gegen Frankreich. Der Basler Seppe Hügi steuerte fünf Treffer zum Schweizer Erfolg bei.

Heute vor 50 Jahren konnte die Schweizer Fussballnationalmannschaft ein rauschendes Fest feiern. Sie spielte vor über 40 000 Fans im alten Joggeli. Ihr Gegner damals: Frankreich. Nach anfänglichem Rückstand vermochten die Gastgeber das Spiel noch zu wenden und landeten schliesslich einen klaren 6:2-Kantersieg. Die Sportzeitschrift «Tip» berichtete damals: «Zum Schluss gab es Beifall, wie ihn das Fussballstadion St. Jakob noch nie erlebte.»

Mann des Spiels war der Basler Seppe Hügi (1930–1995). Der Angreifer erzielte in der zweiten Halbzeit einen lupenreinen Hattrick und insgesamt fünf Tore, was bis heute Rekord in einem offiziellen Länderspiel ist. Für Aufsehen im Schweizer Dress sorgte er schon an der Heim-WM 1954, als er in drei Spielen sechs Tore schoss. Insgesamt traf er für die Nationalmannschaft in 34 Spielen 23-mal.

Seppe Hügi war aber vor allem FCB-Spieler – und dessen grösster Star vor der Professionalisierung des Fussballs. Hügi arbeitete als Maler, in seiner Freizeit schoss er Tore. Die meisten seiner 244 Treffer (in 320 Spielen) in der Nationalliga A erzielte er für die Rotblauen. Dreimal in Serie wurde der flinke Angreifer Torschützenkönig der Liga.

sehenswert. Zum Gewinn des ersten Meistertitels des FCB in der Saison 1952/1953 steuerte er in 26 Spielen 32 teilweise sehenswerte Tore bei. Hans-Peter Platz, der ehemalige Chefredaktor der BaZ, erinnert sich: «Kopftore im Flug erzielt, Direktabnahmen ohne Bodenberührung versenkt, Fallrückzieher, Sololäufe, Freistosshämmer und lauter Un- haltbare. Ausnahme- und Superklasse in einer Zeit, in der es noch kaum TV-Fussball und Seppe-Tore nur live zu sehen gab.»

Seine Karriere liess das «Goldfiessli», wie ihn die Fans liebevoll nannten, bei Porrentruy und beim FC Laufen ausklingen. Eines seiner letzten Tore markierte er im Cup-Achtelfinal der Saison 1963/1964: Durch seinen 1:0-Treffer kam Porrentruy überraschend eine Runde weiter – und «sein» Club, der FC Basel, schied aus.

* Claudio Miozzari ist Mitarbeiter des Sportmuseums Schweiz, das seinen Sitz in Basel hat.

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