Presseschau

Tages-Anzeiger vom 13.08.2011

Vom Whirlpool bis zur Schande

Szenen einer Erfolgsgeschichte

12. Oktober 1999: Gut drei Monate, nachdem Christian Gross bei Basel seine Arbeit als Trainer aufgenommen hat, gelingt Präsident René C. Jäggi der nächste Coup: Die Milliardärsgattin und Roche-Erbin Gigi Oeri lässt sich in den Vorstand wählen. Die ausgebildete Sportlehrerin und Physiotherapeutin stellt aber gleich klar: «Ich bin nicht die Antwort auf Fritz Gerber.» Der Verwaltungsratspräsident von Roche ist zuvor in grossem Mass bei GC eingestiegen.

8. Mai 2002: Erstmals nach 22 Jahren gewinnt der FCB den Meistertitel (und vier Tage darauf nach 27 Jahren auch den Cup) - und Gigi Oeri setzt sich im rotblauen Badeanzug und mit seltsamer Tauchbrille zur Mannschaft in den Whirlpool. Heute sagt sie: «Wenn ich etwas nicht bereue in meinen 12 Jahren in Basel, dann diese Aktion.» Sie habe damit eine Wettschuld eingelöst, «und Wettschulden löst man eben ein».

12. November 2002: 3:0 führt der FCB im abschliessenden Gruppenspiel seiner ersten Champions-League-Saison nach 29 Minuten gegen Liverpool; im St.-Jakob-Park herrscht Gänsehautstimmung. Die Engländer gleichen am Ende zwar noch zum 3:3 aus, trotzdem erreicht Basel die Zwischenrunde. Für Gigi Oeri ist diese Partie der Höhepunkt ihrer Tätigkeit beim FCB.

13. Mai 2006: In der Nachspielzeit der Finalissima verliert der FCB die Meisterschaft an den FC Zürich - Gigi Oeri ist seit vier Tagen Präsidentin des Klubs, Nachfolgerin von Werner Edelmann. Es kommt zur «Schande von Basel». Aufgebrachte Fans stürmen aus der Muttenzerkurve auf den Rasen, wo Dutzende Polizisten mit Gummischrot auf sie schiessen, Tränengas strömt durch den St.-Jakob-Park. Gigi Oeri wartet zwei Tage, ehe sie sich für die Vorfälle entschuldigt, und wird für dieses Zögern heftig kritisiert.

9. Juni 2009: Nach zehn Jahren hat der FCB die Zusammenarbeit mit Christian Gross beendet und präsentiert mit Thorsten Fink einen jungen, weniger routinierten Trainer, um mit frischem Schwung zu alten Erfolgen zurückzufinden. Es ist ein Glücksgriff: Gleich in seiner ersten Saison gewinnt Fink das Double, 2011 gelingt ihm die Titelverteidigung in der Super League - zum ersten Mal überhaupt qualifiziert sich der Schweizer Meister direkt für die Champions League. Gigi Oeri sagt: «Wir sehen den schönen Fussball, den alle wollen. Gross war verbraucht, wir waren verbraucht, der Wechsel gibt uns recht.» (wie)

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