Walliser Bote vom 25.09.2013
Sicherheit | Strassensperren und Polizisten in Kampfmontur. Der ganz normale «Wahnsinn» an einem Match des FC Sitten
Sitten | Ein angespannter Einsatzleiter, Polizisten in vol- ler Kampfmontur, Wasserwerfer und Strassensperren. Alltag bei den Heimspielen des FC Sitten. Der «Walliser Bote» begleitete am vergangenen Sonntag beim Spiel FC Sitten gegen den FC Basel die Sicherheitskräfte.
Michel Venetz
Sonntag, 12.00 Uhr, beim Polizeihauptquartier an der Avenue de France 69 in Sitten. Ein Bilderbuchsonntag. Es ist ruhig und die Sonne scheint. Ein perfekter Tag für einen Familienausflug in die Berge. Nicht so für den Einsatzleiter des heutigen Spiels, Hauptmann Carlo Kuonen. Er hat schon während der Woche damit begonnen, den Einsatz zu planen und ist bereits am Arbeiten.
«340 Basler sind im Zug»
Um 12.30 Uhr beginnt Kuonen die Lagebesprechung. Der Kommandant der Kantonspolizei, Christian Varone, betritt den Raum. Kuonen befiehlt seinen Mannen in bester RS-Manier die Achtungsstellung und meldet dem Kommandanten den Bestand. Anschliessend befiehlt dieser «Ruhn» und der Rapport beginnt. Neben Varone und dem Einsatzleiter Kuonen sitzen auch Vertreter der Stadtpolizei Sitten und der Bahnpolizei am Tisch. Es werden letzte Details besprochen. Von der Bahnpolizei erfährt Kuonen, dass der Extrazug mit rund 340 Bas- ler Fans (120 von ihnen werden als «problematisch» eingestuft) eine Verspätung von rund 20 Minuten hat und um 14.40 Uhr auf Gleis 10 in Sitten eintreffen wird. Nach einer Viertelstunde ist der Rapport vorbei. Draussen vor dem Polizeihauptquartier warten bereits 130 Polizisten in «Kampfmontur» auf die Befehlsausgabe ihres Kommandanten. Um 13.30 Uhr ist es so weit: Der Kommandant Christian Varone hält eine kurze Ansprache und fordert von seinen Polizisten eine tadellose Arbeit. Nun teilen sich die Polizisten in verschiedene Gruppen auf und die heisse Phase beginnt.
Strassensperre und Polizeieskorte
Inzwischen ist es 14.30 Uhr. Noch ist auf dem Sittener Bahnhof alles ruhig. Die Anspannung bei den Beamten der Kantonspolizei ist aber deutlich zu spüren. Zehn Minuten später ist es dann so weit. Der Fanzug aus Basel trifft auf Gleis 10 ein. Mit lauten «FCB, FCB, FCB»-Rufen machen sich die Basler Fans bemerkbar, verlassen den Bahnhof und laufen in geschlossener Formation in Richtung Tourbillon, begleitet von Beamten und einer grossen Polizeieskorte. Wer dieses «Schauspiel» aus der Ferne betrachtet, wähnt sich eher in Bern bei einem Staatsbesuch als bei einem ganz gewöhnlichen Super-League-Match mit knapp 10 000 Zuschauern. Damit der Fanmarsch friedlich über die Bühne geht, hat die Polizei zahlreiche Strassen abschnitte und Zufahrtswege zum Bahnhof gesperrt. Nach rund 15 Minuten treffen die Basler im Tourbillon ein. Dort hat die Polizei zur Sicherheit schon mal einen Wasserwerfer bereitgestellt. Dieser wurde übrigens extra für das Spiel von Freiburg nach Sitten gebracht. Um 16.00 Uhr beginnt das Spiel. Während des Spiels bleibt es ruhig. Einzig ein paar Pyrofackeln und Leuchtpetarden werden im Basler Fanblock gezündet. Um 17.52 Uhr ist das Spiel beendet. Die Polizei eskortiert die Basler Fans zurück zum Bahnhof. Den «Begleitschutz» der Polizei quittieren einige Basler Fans mit Beleidigungen und gestrecktem Mittelfinger. Der Marsch zum Bahnhof verläuft ohne Zwischenfälle. Um 18.30 Uhr fährt der Sonderzug zurück nach Basel. Carlo Kuonen und die Polizisten kehren ins Hauptquartier zurück. Dort ziehen sie eine erfreuliche Schlussbilanz: keine Ausschreitungen, kein Sachschaden und keine Anzeigen. Inzwischen ist es 19.15 Uhr. Carlo Kuonen und die restlichen Beamten können endlich nach Hause. Am Mittwoch stehen sie bereits wieder im Einsatz. Dann gastiert Lausanne zum Kellerduell und Romand-Derby im Sittener Stade de Tourbillon.
Elf Risikospiele im Tourbillon
Pro Saison trägt der FC Sitten im Tourbillon 18 Meisterschaftsspiele aus. Davon sind elf sogenannte Hochsicherheitsrisikospiele (rote Spiele) und sechs sind Spiele mit einem geringen Risiko (gelbe Spiele). Einzig das Heimspiel gegen den FC Thun wird nicht als Risikospiel klassifiziert. An einem Hochsicherheitsrisikospiel sind rund 130 Polizei beamte im Einsatz. Bei einem Spiel mit marginalem Sicherheitsrisiko rund 65. Für die Sicherheit innerhalb und im Umkreis von 300 Metern ausserhalb des Stadions ist der Klub verantwortlich. Diesen Ordnungsdienst füh- ren private Sicherheitsfirmen aus.
Kosten von 1,5 Millionen Franken
Die Einsätze während den Heimspielen des FC Sitten kosten jährlich 1,5 Millionen Franken. Bezahlt werden diese von den Steuerzahlern.
Güterwagen als Schutzschild
Haben Sie sich auch schon gefragt, was die hässlichen SBB-Güterwagen auf dem Sittener Bahnhof für eine Funktion haben? Hier die Auflösung. Die Wagen wurden als Hindernisse aufgestellt, damit sich die Gäste- und Sitten-Fans nicht gegenseitig mit Schottersteinen bewerfen können.
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