Presseschau

Basler Zeitung vom 02.02.2019

Der Captain ist zurück

Marek Suchy will mit dem FC Basel nicht Zweiter bleiben

Andreas Babst, Basel

19 Punkte sind viel, «19 Punkte sind sehr viel», sagt Marek Suchy. 19 Punkte beträgt der Abstand des Zweitplatzierten FC Basel zum Leader Young Boys. 19 Punkte sind so viel, dass die Basler Klubführung vor der Winterpause sagte, man wolle jetzt den zweiten Platz verteidigen. Suchy sagt: «Wir sind sicher nicht zufrieden mit dem zweiten Platz.»

Suchy hat schon vieles erlebt im FC Basel, seit fünf Jahren ist er im Klub. Er wurde viermal Meister mit dem FCB, er war dabei, als das noch selbstverständlich war. Suchy ist eigentlich Captain in Basel. Aber er fehlte fast die gesamte Vorrunde, im August hatte er sich einen Teilriss der Achillessehne zugezogen. Es sei eine schwierige Zeit gewesen, sagt Suchy. Für das Team, weil das letzte halbe Jahr durchzogen verlief, weil der Trainerwechsel von Raphael Wicky zu Marcel Koller nicht den gewünschten Effekt brachte. Aber auch für Suchy, «es war schwierig zuzuschauen, man ist sich als Captain gewohnt zu helfen».

Suchy ist ein ruhiger Captain. «Ich bin nicht so emotional. Ich denke nach, bevor ich in der Kabine etwas sage.» Er wirft sich lieber auf dem Feld in die Zweikämpfe. Und weil er das nicht konnte in der Vorrunde, sagte er meist lieber gar nichts. «Ich wollte nicht der Besserwisser von aussen sein», sagt Suchy. Einmal, zweimal pro Woche war er in der Kabine, aber wenn die Kollegen raus auf den Platz liefen, ging Suchy in den Kraftraum.

Jetzt ist der Captain wieder da, zusammen mit sechs Kollegen, die in der Vorrunde ebenfalls verletzt waren – die vielen Blessuren wurden auch der mangelnden Fitness zugeschrieben, der FCB hat im Winter seinen Athletik-Staff ersetzt. Dank den Rückkehrern entsteht in der Basler Innenverteidigung erstmals ein Konkurrenzkampf: Carlos Zambrano und Eder Balanta sind ebenfalls genesen. Allerdings hat sich Eray Cömert vergangenes Wochenende im Testspiel gegen Union Berlin bereits wieder verletzt.

24 Spieler sind im Basler Kader, mit den Perspektivspielern aus dem Nachwuchs sind es rund 30. Am Donnerstag, kurz bevor das Transferfenster schloss, gaben die Basler Dimitri Oberlin noch an Empoli ab; Serey Die und Afimico Pululu lieh der FCB schon vorher nach Neuenburg aus. Es wird Kollers Herausforderung, in diesem üppigen Kader keine Unzufriedenheit aufkommen zu lassen – und gleichzeitig die Jungen zu entwickeln, wie es der Strategie der Klubführung entspricht. «Jedem ist bewusst, dass mehr Konkurrenz da ist, das heisst nicht, dass man nicht gut miteinander umgehen kann», sagt Koller.

Die Stimmung im Team – dafür wird auch Suchy zuständig sein. Er hat Deutsch gelernt in den letzten Jahren. Wenn er mit den FCB-Kollegen etwas trinken geht, dann ermahnt er sie manchmal, mit ihm nicht Englisch zu sprechen. Suchys Vertrag läuft Ende Saison aus, und Suchy hat zu wenige Spiele absolviert, als dass sich dieser automatisch verlängern würde. «Wir befinden uns in den Verhandlungen», sagt Suchy. Seine Tochter geht in Basel in den Kindergarten, sein Sohn wurde dort geboren. «Wir sind hier zu Hause, es wäre hart, müssten wir das alles ändern», sagt Suchy.


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