Presseschau

Basler Zeitung vom 04.02.2019

Der FC Basel korrigiert seine jüngere Geschichte

Mit einem 4:0-Sieg beim Grasshopper Club gelingt Rotblau erstmals seit zwei Jahren ein Startspiel nach Wunsch

Von Oliver Gut

Basel. Zeit ist relativ. Und alles ist eine Frage der Perspektive. Irgendwie ist es noch gar nicht lange her, da beliebte der FC Basel das zu tun, was er an diesem Sonntag gegen den Grasshopper Club tut: Mit einem Sieg erfolgreich in ein Halbjahr starten. Irgendwie scheint es aber auch eine Ewigkeit her, seit ihm das zuvor letztmals gelungen ist: Der Club war da nämlich noch die unangefochtene Nummer 1 der Fussball-Schweiz, der Präsident hiess Bernhard Heusler und der Trainer Urs Fischer, als man den FC Lugano am 4. Februar 2017 nach drei Treffern von Mohamed Elyounoussi mit 4:0 im heimischen St.-Jakob-Park besiegte.

Dann kam der Führungswechsel. Wurde vieles anders. Und begann der FCB, seine Startspiele zu verlieren. 0:2 beim BSC Young Boys im Juli 2017, 0:1 gegen Lugano (2018, wieder am 4. Februar) und schliesslich 1:2 gegen den FC St. Gallen – zum Auftakt einer Saison, die bislang vor allem Enttäuschung und die damit einhergehende Erkenntnis beinhaltet, dass Meister und Tabellenführer BSC Young Boys dem FC Basel den Rang abgelaufen hat.

Drei Tore von van Wolfswinkel
Vielleicht wird ja jetzt alles besser. Ein paar Indizien liessen sich dafür jedenfalls finden. Schliesslich ist es wie vor zwei Jahren ein 4:0-Sieg, mit dem der FCB in die Rückrunde startet und seine jüngere Geschichte korrigiert. Und es gibt wieder einen Spieler, der drei Tore erzielt: Als Ricky van Wolfswinkel zum bisher einzigen Mal unter Trainer Marcel Koller als Stossstürmer agierte, da beendete der FCB auf Zypern seine Europacup-Saison. Nun trifft er im Letzigrund-Stadion drei Mal und hat so massgeblichen Anteil daran, dass die Partie frühzeitig in klare Bahnen läuft.

Der andere Mann, der massgeblichen Anteil daran hat, ist zwar auch aus Basel, spielt aber auf der Gegenseite: Zwei Foulspiele genügen Arlind Ajeti, um zweimal Gelb und damit Rot zu sehen. Bereits in der 26. Minute muss der Kleinbasler Innenverteidiger in Zürcher Diensten unter die Dusche. Und macht damit Platz für einen souveränen Auswärtssieg des FCB, der da bereits mit 1:0 in Führung liegt, weil Van Wolfswinkel völlig frei und mit zwei Abschlussversuchen zu seinem ersten Treffer gekommen ist.

Ist der Grasshopper Club zuvor schon offensiv harmlos gewesen, findet er nun nach vorne gar nicht mehr statt. Ausdruck davon ist nicht nur die Cornerstatistik, die mit einem 12:0 für die Gäste endet, sondern sind auch die Torszenen: Einmal schiesst GC aus der Distanz aufs Basler Tor, als man noch vollzählig ist. Und danach kommt man genau einmal mit dem Ball sinnvoll in den Strafraum der Rotblauen. Das spricht zwar auch für die Qualität des Basler Abwehrverbunds, in dem mit Carlos Zambrano und Eder Balanta erstmals in der Clubgeschichte zwei Südamerikaner als Innenverteidiger-Duo starten. Doch es spricht noch mehr gegen die Zürcher, die nach diesem Eindruck weiterhin allen Grund haben, um die Ligazugehörigkeit zu fürchten.

Weil der FCB es überdies versteht, die numerische Überzahl mit dem gebotenen Mass an Geduld, Disziplin und Aufwand auszunutzen, kommt schliesslich ein eindeutiges Verdikt zustande. Van Wolfswinkel erhöht noch vor der Pause auf jenes 2:0, das für Ruhe sorgt. Und macht dann zu Beginn der Schlussphase (74.) den Deckel auf diese Partie, bevor auch der eingewechselte Albian Ajeti in der 76. Minute noch ein Tor schiessen darf.

Zwei Gründe zur Nüchternheit
«Wir haben ein gutes Spiel gezeigt, wobei wir auch festhalten müssen, dass uns der frühe Platzverweis gegen GC in die Karten spielte», hält Trainer Koller danach fest. Und erinnert noch im selben Atemzug daran, dass es deswegen keinen Grund gebe, abzuheben.

Den gibt es tatsächlich nicht. Das lehrt weniger die Erfahrung der Hinrunde, als auf eine gute Leistung oft der nächste Rückschlag folgte. Sondern das lehrt vor allem der Blick auf die Tabelle der Super League. Dort bleibt der FC Basel die klare Nummer 2 der Schweiz – und zwar mit unveränderten 19 Punkten Rückstand auf YB. Das GC-Spiel war ein Schritt hin zu einer gefälligeren Rückrunde und zur Sicherung dieses zweiten Platzes. Aber mehr als das bleibt trotz des Wissens um die mathematischen Möglichkeiten unrealistisch. Ganz egal, aus welcher Perspektive man es betrachtet.


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