Presseschau

Basler Zeitung vom 08.02.2019

So weltbekannt wie anonym

Rückrunden-Start der FCB-Frauen: Was ist vom Tombola-Gate übrig geblieben?

Von Oliver Gut

Basel. Es ist schwierig, über die Fussballerinnen des FC Basel zu reden, ohne an den November zu denken. Weltbekannt wurde die Equipe, als im Nachgang der 125-Joor-Gala des Vereins von einem Skandal berichtet wurde, weil sie dort Tombola-Lose verkaufte und Sandwiches erhielt, während die geladenen männlichen Profis Rindsfilet genossen.

Der mediale und politische Diskriminierungsaufschrei über einen Arbeitseinsatz, den auch viele männliche FCB-Mitarbeiter leisteten, war international. Geblieben ist wenig – abgesehen vom Ballon d’Orsch, der für den grössten Fehltritt des Jahres von einer unabhängigen Freizeit-Jury vergeben wird und dem FCB zuteil wurde.

«Alle wissen, dass das vom Club unglücklich war, und wir haben das diskutiert. Aber wirklich etwas aufzuarbeiten gab es deswegen nicht», sagt Stefano Ceccaroni, der beim FC Basel die Frauen-Fussball-Abteilung leitet. Weder ist bei den Spielerinnen von Trainer Thomas Moritz etwas hängen geblieben, noch sind ihre Namen dadurch bekannter geworden.

Wenn Nadine Böni, Jana Brunner oder Andrea Frei morgen gegen Lugano als Tabellen-Fünfte zu Hause in die NLA-Rückrunde starten (17 Uhr, Sportanlagen St. Jakob), tun sie dies vor dem üblichen, überschaubaren Zuschauergrüppchen, das sich primär aus Verwandten und Freunden zusammensetzt.

Kicken in der Anonymität – es ist dies kein Basler, sondern ein Schweizer Los, wenn es um die besten Frauen-Equipen des Landes geht. Die Popularität ist so überschaubar wie das Geld, das fliesst. Oder plötzlich nicht mehr fliesst: Im Sommer 2017 musste sich Neunkirch zurückziehen – Wochen zuvor hatte man den Meistertitel gefeiert. Der FC Zürich hat die Mittel reduziert – und der FC Basel genauso.

Allerdings ist Rotblau mit einem Frauen-Fussball-Budget von 850 000 Franken national noch immer stark unterwegs. Dass sich dies nicht so sehr im Tabellenplatz ausdrückt, liegt an einer Anpassung der Philosophie: Zwar strebt man weiter einen Top-3-Platz an, doch genauso wichtig ist der Nachwuchs, wo sich der FCB eine U15, eine U17 und eine U19 leistet. Ceccaroni: «Wir wollen die besten regionalen Talente aus- und weiterbilden und sie in die NLA-Equipe einbauen.»

Wissend, dass es im Frauen-Fussball auch mit Titeln kein Geld zu verdienen gibt, soll der Schwerpunkt auf der qualitativen Entwicklung liegen. «Will der Schweizer Frauen-Fussball mehr Aufmerksamkeit auf sich ziehen, müssen wir das Produkt verbessern.» Einfach nur für Aufsehen sorgen allein – das hat die Gala ungewollt gezeigt – bringt zwar Publizität, aber keine Zuschauer.


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