Presseschau

Basler Zeitung vom 11.02.2019

Angezählt, aber nicht ausgeknockt

Nach drei Toren gegen GC verschiesst van Wolfswinkel einen Elfmeter – und verletzt sich am Kopf

Von Samuel Waldis

Basel. Als die fünf Minuten Nachspielzeit um waren, ging nichts mehr bei Ricky van Wolfswinkel. Der Basler Stürmer legte sich auf den Rasen und kehrte sein Gesicht dem Nachthimmel zu. Seine Kräfte reichten nicht einmal mehr für das branchenübliche Händeschütteln mit den St. Galler Gegenspielern, die im St.-Jakob-Park eben einen Punkt gewonnen hatten. Stattdessen scharten sich um den Holländer Mitspieler und die medizinische Abteilung, die den Gesundheitszustand des 30-Jährigen abermals untersuchte. Van Wolfswinkel war in der 41. Minute in vollem Lauf mit dem St. Galler Torhüter Dejan Stojanovic zusammengeprallt und wurde gepflegt. Dann biss er die restliche Spielzeit auf die Zähne. Angezählt, aber nicht ausgeknockt.

Der Stürmer sei auf dem Rasen weder bewusstlos gewesen noch habe er neurologische Ausfälle aufgewiesen, und weil es ihm in der Halbzeitpause gut gegangen sei, habe er weitergespielt, sagte Teamarzt Markus Rothweiler einen Tag nach dem Spiel. Van Wolfswinkel habe eine «starke Schädelprellung erlitten, aber nicht im Sinne einer Gehirnerschütterung, sondern rein vom Skelettsystem her. Eine Gehirnerschütterung liegt dann vor, wenn es zu einem temporären Ausfall der Gehirnfunktion kommt. Das war bei Ricky nicht der Fall.»

Der dritte verschossene Penalty

Sollte van Wolfswinkel in den nächsten Tagen ausfallen, würde dem FC Basel jene Figur fehlen, die in den ersten beiden Spielen der Rückrunde für die Schlagzeilen sorgte: Gegen die Grasshoppers war er zum Auftakt mit seinen Treffern sieben, acht und neun massgeblich am 4:0-Sieg beteiligt gewesen. Damit zog er in der mannschaftsinternen Torschützenliste mit Albian Ajeti gleich, vier Treffer trennen die beiden von der Spitze und YB-Stürmer Guillaume Hoarau.

Beim 1:1 gegen St. Gallen hätte van Wolfswinkel die Weichen schon früh in Richtung Basler Erfolg stellen können. Kevin Bua war nach 20 Minuten vom St. Galler Captain Silvan Hefti im Strafraum gefoult worden, doch van Wolfswinkel trat den Elfmeter schwach und scheiterte zum zweiten Mal in seiner Karriere an Stojanovic, nachdem er beim letzten Versuch gegen den Österreicher meterweit über das Tor geschossen hatte. «Da muss man halt auch einfach in Führung gehen», haderte Trainer Marcel Koller, der sich möglicherweise bald nach einem anderen Schützen umsehen wird: Es war bereits der dritte Fehlschuss van Wolfswinkels bei sieben Penaltys im Dress des FC Basel – und neben dem Holländer hat Fabian Frei auch den anderen Basler Elfmeter in der laufenden Saison verschossen.

In der nächsten Runde gastiert der FC Sion im St.-Jakob-Park, gegen den die Basler beide Hinrundenspiele gewonnen hat. Sollte Ricky van Wolfswinkel bis dahin wieder fit sein, würde er nicht nur auf einen seiner Lieblingsgegner treffen, gegen den er in vier Partien vier Treffer erzielte, sondern wohl auch wieder auf seiner Lieblingsposition spielen. Marcel Koller teilt van Wolfswinkel seit der Rückrunde wieder die Rolle des Mittelstürmers zu, nachdem er ihn vor allem auf dem rechten Flügel eingesetzt hatte. Dort ist er zwar gegen den Ball wertvoll, im Angriff fehlt es ihm aber an einem Hauch von Schnelligkeit. Im Zentrum fühlt sich van Wolfswinkel wohler und hat er in weit über 200 Profispielen mehr als 100 Tore erzielt. Entsprechend hoffen die Basler auf erfreulichen Bericht aus der Abteilung Medizin.


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