Presseschau

Basler Zeitung vom 18.02.2019

Viel Ruhe nach dem Sturm

Der FC Basel schlägt in einem überschaubar unterhaltsamen Super-League-Heimspiel den FC Sion mit 1:0

Von Oliver Gut

Basel. Es bleibt ruhig im St.-Jakob-Park. Und das ist wohl die wichtigste Erkenntnis an diesem Sonntag, nachdem die Tage zuvor mit dem rotblauen Indien-Engagement und den Stadionplänen bei Teilen der Anhängerschaft einen Sturm der Entrüstung provoziert hatten. Es bleibt ruhig in der Muttenzerkurve. Dort, wo zwar eine Banderole den Club auf dem Holzweg wähnt, aber die Fans – anders als beim Davonlauf-Protest im Heimspiel zuvor – über 90 Minuten ihre Mannschaft anfeuern. Und es bleibt auch ziemlich ruhig auf dem Rasen, wo der FC Basel gegen den FC Sion zwar nahezu durchwegs Herr der Lage ist, sich aber in einer an Torszenen armen Partie mit einem 1:0-Sieg begnügen muss.

Ruhig dürfte es damit auch in den Büroräumen der FC Basel 1893 AG sein, wenn man heute in die nächste Arbeitswoche startet. Zwar ist noch lange nicht alles gut. Aber immerhin darf man auf einen Rückrunden-Start verweisen, der mit zwei Siegen und einem Remis resultatmässig geglückt ist. Und man darf feststellen, dass man damit – YB zwangsläufig ignorierend – dem wichtigsten verbliebenen, realistischen Ziel wieder einen Schritt nähergekommen ist: Der FC Basel liegt auch 15 Runden vor Schluss auf dem zweiten Tabellenplatz. Und er hat sich dabei zumindest vom FC Zürich distanziert, der nun fünf Zähler weniger aufweist.

Noch nicht wirklich distanziert ist der kleine FC Thun. Die Berner Oberländer liegen nur zwei Punkte hinter dem FCB. Aber eben: Es ist der kleine FC Thun, oder?

Mehrere Umstellungen

Nun: Die nächsten Wochen werden Aufschluss über die tatsächliche Grösse eines Aussenseiters geben, der bislang eine erstaunliche Saison zeigt. Am Samstag kam die Mannschaft von Marc Schneider in St. Gallen zu einem 3:1-Sieg, ohne dabei eine grosse Leistung abgeliefert zu haben. Und Aufschluss werden die nächsten Wochen auch über das Potenzial geben, von dem es bei Rotblau noch immer so wirkt, als ob dieses brach liege. Ja, der FC Basel löste die Aufgabe aus dem Wallis. Allerdings ist schwer zu sagen, wie schwierig diese Aufgabe tatsächlich gewesen ist.

Defensiv – das kennt man ja von Trainer Murat Yakin, der aktuell bei den Sittenern an der Seitenlinie steht – präsentieren sich die Gäste durchaus solid. Offensiv sind sie im St.-Jakob-Park aber von einer Harmlosigkeit, bei der sich schwer abschätzen lässt, ob diese allein auf das hervorragende Basler Dispositiv und die Klasse im Spiel gegen den Ball zurückzuführen ist.

Denn eigentlich müsste die FCB-Abwehr in dieser Begegnung anfällig sein. Sie erfährt nämlich vor und während der Partie gleich mehrere Umstellungen: Zuerst gibt Marek Suchy anstelle des verletzten Carlos Zambrano nach einer halbjährigen Pause sein Pflichtspiel-Comeback. Dann fällt Raoul Petretta nach 22 Minuten aus und entscheidet sich Trainer Marcel Koller für eine erste Rochade, nimmt Fabian Frei zurück und Eder Balanta auf links. Und schliesslich kann auch dieser Balanta nicht mehr, wodurch am Ende Taulant Xhaka Linksverteidiger ist.

Allein: Der Stabilität schadet all das nicht – oder vermag Sion nicht zu schaden. Halbwegs gefährlich tauchen die Walliser erst in der Schlussphase vor dem Basler Tor auf, als sie aufgrund des Resultats dazu gezwungen sind. Luca Zuffi hat vor der Pause einen Elfmeter verwertet. Einer, der in den Augen der grossen Mehrheit unberechtigt war, womit der emotionale Höhepunkt dieser Partie bereits genannt ist.

Dass in der Folge weitere grosse Gefühlsausbrüche auf den Rängen und auf dem Rasen ausbleiben, liegt auch daran, dass der FC Basel es nach der Pause nicht versteht, aus guten Szenen Gutes zu machen. Aber auch daran, dass sich diese guten Szenen letztlich an einer Hand abzählen lassen: Silvan Widmer (47.), Kevin Bua (49.), Zuffi (55.) und noch einmal Bua in der Nachspielzeit haben diese – zweimal fliegt der Ball zu wenig zwingend aufs und zweimal neben das Tor.

Unter dem Strich bleiben drei Punkte – sowie mit Petretta und Balanta zwei Verletzte mehr. Schon zuvor sind Zambrano, Eray Cömert und Kalulu ausgefallen, womit man trotz Verpflichtung von Nacho Torreno als Leiter Athletik bereits wieder einiges Personal beim Mediziner weiss. Zwar sagt Koller, bei Kalulu und Zambrano dürfte die Zeit der Rekonvaleszenz kurz ausfallen. Doch man darf trotzdem gespannt sein, welche Mannschaft er am Samstag in Neuenburg aufstellt. Zumal bereits am Mittwoch danach wieder Sion der Gegner ist – im wichtigen Cup-Viertelfinalspiel. Dannzumal im Stade de Tourbillon. Und wahrscheinlich nicht mehr ganz so harmlos.


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