Presseschau

Basler Zeitung vom 21.02.2019

Wünsche, die dem Zwang entsprangen

Wie es zu den FCB-Stadionplänen gekommen ist – und was diese weiter beinhalten

Von Oliver Gut und Tilman Pauls

Basel. Man kann geteilter Meinung darüber sein, ob es auf lange Sicht für den FC Basel Sinn macht, anstatt einer sukzessiven Renovation des St.-Jakob-Parks gleich einen ziemlich einschneidenden Umbau des Stadions in Betracht zu ziehen. Und man kann es gut oder schlecht finden, dass ein Kernpunkt der Ideen, die FCB-Präsident Bernhard Burgener am Samstag im Interview mit der BaZ umrissen hat, eine substanzielle Verkleinerung der rotblauen Heimspielstätte auf rund 30 000 Zuschauer ist – was einem Rückbau der Galerie entspräche, die im Hinblick auf die Europameisterschaft 2008 nachträglich entstand (und damals in der rotblauen Anhängerschaft ebenfalls viel Widerstand erfuhr).

Klar ist aber: Der FC Basel hat das Thema nicht aus dem Nichts auf den Tisch gebracht, um es mit dem Vorstand der Stadion-Genossenschaft, dem Architekturbüro Herzog & de Meuron und der Polizei zu diskutieren. Sondern er ist aus seiner Sicht versucht, aus der Not eine Tugend zu machen: «Das 18 Jahre alte Stadion muss früher oder später in diversen Bereichen renoviert werden», sagt Roland Heri auf Nachfrage. Der CEO der FC Basel 1893 AG denkt dabei etwa an die sanitären Anlagen oder sicherheitsrelevante Komponenten – und wohl auch an die Duplex-Aussenhülle, deren Lebensdauer auf 15 bis 20 Jahre beziffert wird.

Will heissen: Ein Zwang zum Handeln besteht ohnehin. Und die Kosten, die nur schon das Notwendige verursacht, könnten von der Genossenschaft allein kaum getragen werden: Ihre Einnahmequelle ist der FCB, der als Mieter jährlich 3,8 Millionen Franken bezahlt (4,8 Millionen Franken mit Champions League), was zwar reicht, um die laufenden Unterhaltskosten zu decken, aber zu wenig übrig lässt, um das Stadion gründlich zu renovieren.

Attraktivität für 100 Millionen
Es ist eine Gesamtsituation, die den FCB dazu veranlasste, eine Diskussion anzuschieben, die weit über eine Renovation hinausgeht. Heri beschreibt dies so: «Vernunft und Wirtschaftlichkeit gebieten es, dass die Beteiligten die notwendigen Renovationen zum Anlass nehmen, das Stadion einer Gesamtbetrachtung zu unterziehen. Wenn man etwas rechnet, muss man seriöserweise zuerst einmal alles rechnen.»

Für den FC Basel geht es darum, ein für den Club und den Zuschauer attraktiveres Stadion zu haben. Ein Wunsch, dessen Realisierung rund 100 Millionen Franken kosten würde. Der FCB ist bereit, einen grossen finanziellen Beitrag zu leisten, wenn er im Gegenzug eine Miteigentümerschaft erhält. Heri: «Allen beim FCB ist das Joggeli als Heimspielstätte und Austragungsort unzähliger clubhistorischer Spiele enorm wichtig. Deshalb fliesst ein tiefes Bewusstsein für die Emotionalität in alle Gedanken mit ein. Als Mieter können wir momentan nur Vorschläge einbringen. Dies tun wir ausschliesslich im Interesse und zum wirtschaftlichen Wohl des Clubs und seiner Anhänger. Die Entscheidungen sind dann in übergeordneten Gremien zu fällen.»

Hinter der Verkleinerung der Kapazität steht sowohl die Idee der Verknappung des Angebots als auch der Steigerung der Heimspiel-Atmosphäre. Eine steilere, nicht mehr zweigeteilte Muttenzerkurve-Rampe soll primär dem Erlebnis- und Stimmungsfaktor zuträglich sein. Veränderte Fussgänger-Wege von der Haltestelle SBB zu einem Gästesektor an neuem Standort (wohl der jetzige Family Corner) würden Wartezeiten für Fans nach den Spielen, aber auch Sicherheitskosten mindern. Ein gedeckter Aussenumgang würde den Komfort erhöhen und das Gesamtbild des Stadions nach aussen aufwerten. Und mit Büroräumlichkeiten im Stadion würde der Club jährlich eine Million Franken Miete sparen, die er aktuell im St.-Jakob-Turm bezahlt, was letztlich zum Wohl des Clubs wäre.

Zwar wurden schon Gespräche geführt und sollen bereits Skizzen zu den Ideen bestehen. Noch existiert aber kein Projekt. Kommt dieses zustande, dann wohl nur mit dem Plazet aller involvierten Parteien – und gewiss nur mit dem Einverständnis der aktuell rund 900 Genossenschafter.

Dem Vernehmen nach könnte diese Zahl bald ansteigen, heisst es doch, dass Anhänger aus der Muttenzerkurve bemüht sind, Genossenschaftsscheine zu zeichnen. Dass diese Präsident Burgener und seine Ideen aktuell sehr kritisch sehen, darf bei aller Heterogenität der Kurve angenommen werden.


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