Presseschau

Basler Zeitung vom 23.02.2019

Er bleibt eine rotblaue Randnotiz

Carlos Zambrano fällt wieder mehrere Wochen aus und wird den FCB im Sommer verlassen

Von Oliver Gut

Basel. Der Name ist durchaus bekannt. Und der Lebenslauf wüsste zu beeindrucken: in Peru Nationalspieler und ein Star, bei Eintracht Frankfurt in der Bundesliga eine feste Grösse. Ja, Carlos Zambrano hätte Ende August so einiges mitgebracht, um beim FC Basel ein schönes Kapitel zu schreiben.

Stattdessen wird sein Engagement dereinst als Randnotiz ins rotblaue Geschichtsbuch eingehen. Drei Pflichtspiel-Einsätze und 171 Minuten werden in die Statistik von Clubhistoriker Josef Zindel einfliessen. Vielleicht auch noch ein paar Einsätze und Minuten mehr, denn irgendwann im Frühling, da könnte es theoretisch wieder dafür reichen. Doch bis auf Weiteres, da reicht es nicht: Mehrere Wochen fällt Carlos Zambrano aus. Am rechten Oberschenkel hat er sich verletzt, genauer am Kniebeuger-Muskel – und man darf annehmen, dass mehr als nur ein paar Fäserchen rissen, als ihn das Ungemach in der Heimpartie gegen den FC St. Gallen (1:1) ereilte, er aber aufgeputscht durch sein eigenes Adrenalin bis zum Schlusspfiff auf dem Rasen blieb.

Es ist die gleiche Verletzung, die Zambrano bereits Mitte September an derselben Stelle seines Körpers erlitt. Damals, als er nach einigen Fitnesstrainings endlich bereit schien für sein Debüt – und schliesslich fast drei Monate ausfiel.

Sollte Carlos Zambranos neuerliche Zwangspause ebenfalls so lange dauern, wäre er Anfang Mai wieder einsatzbereit. Das wäre früh genug, um noch einige Einsätze in Rotblau zu haben. Aber viel zu spät, um sich unter dem Eindruck von zwei schweren Muskelverletzungen für eine Zukunft am Rheinknie zu empfehlen.

Eine Option, die keine mehr ist
Carlos Zambrano wurde vom FCB nur leihweise von Dynamo Kiew übernommen, begleitet von einer Kaufoption. Dass Sportdirektor Marco Streller und seine Mitstreiter darüber nachdenken, von dieser – sowohl in Sachen Ablöse wie auch Lohn – gewiss nicht kostengünstigen Variante Gebrauch zu machen, darf man nach dem wiederholten Ausfall des 29-jährigen Innenverteidigers ausschliessen. Ein paar gute Eindrücke sind zu wenig, um stärker gewichtet zu werden als das riesige Fragezeichen, das nach den bisherigen Erfahrungen hinter der physischen Konstitution des Peruaners steht.

Ein Captain, der Land sieht
Des einen Leid ist des anderen Freud. Zwar wäre es bösartig, Marek Suchy zu unterstellen, er hätte mit einem Lächeln zur Kenntnis genommen, wie schwer es Zambrano schon wieder erwischt hat. Klar ist aber auch: Im Fussballgeschäft ist unter Profis wenig Platz für Sentimentalitäten – und auch der 30-jährige Tscheche weiss, dass sich damit seine eigenen Perspektiven verbessern, um über das Saisonende hinaus beim FC Basel zu bleiben.

Am Sonntag hatte der Captain beim 1:0 über den FC Sion sein Pflichtspiel-Comeback gegeben. Dies, nachdem er zuvor selbst ein halbes Jahr ausgefallen war, was überhaupt erst zu Zambranos Engagement geführt hatte. Und auch dazu, dass für Suchy eine in seinem bisherigen Kontrakt formulierte Option auf eine automatische Vertragsverlängerung hinfällig wird, weil der Spieler nun nicht mehr auf die dazu nötigen Einsätze kommen kann. Bislang hatten die Verantwortlichen des FC Basel keine klare Haltung zur Zukunft des Tschechen offenbart. Mit Zambranos Verletzung könnte sich dies schnell zu Suchys Gunsten ändern.

Das liegt weniger am Peruaner, von dem sich auch gesund noch nicht hätte sagen lassen, ob er der Mann wäre, um Suchy ab Sommer definitiv als Abwehrchef zu beerben. Sondern es ist viel mehr eine Folge des jüngsten Eindrucks: Suchy mag zwar schwer an der Achillessehne verletzt gewesen sein, ist zuvor aber jahrelang topfit und mit mehrheitlich guten Leistungen durch die Spielzeiten gegangen. Was das wert ist, wird den Basler Verantwortlichen nun durch Zambrano wieder vor Augen geführt. Umso mehr, dass mit Eder Balanta und Eray Cömert zwei weitere Innenverteidiger im Kader stehen, die zuletzt verletzt fehlten – und die ebenfalls auf eine Vergangenheit zurückblicken, in der sich einsatzfähige mit rekonvaleszenten Phasen abwechselten.

Bleibt Suchy in den nächsten Partien fit, würde es deshalb nicht überraschen, der FC Basel würde schon bald die Vertragsverlängerung mit seinem Captain kommunizieren.


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