Presseschau

Basler Zeitung vom 25.02.2019

Im Schongang zum Konzept-Fussball

Der FCB denkt in Neuchâtel an Sion – und besiegt Xamax mit acht Startelf-Spielern, die rotblaue DNA aufweisen

Von Oliver Gut, Neuchâtel

Etwas mehr Vertrauen in Eray Cömert hätte in Neuenburg gereicht. Dann wären es sogar zehn gewesen. Zehn Feldspieler, die im eigenen Nachwuchs ausgebildet wurden und gemeinsam für die Profis des FC Basel einen 2:0-Sieg holen. Aber auch ohne Cömerts Einwechslung ereignete sich am Samstag im Stade de la Maladière in Neuchâtel Bemerkenswertes: FCB-Trainer Marcel Koller startete gegen Xamax mit acht Spielern in den Match, die allesamt rotblaue DNA in sich tragen und wechselte später einen neunten Akteur ein, der schon als Junior für Basel spielte.

Yves Kaiser, Raoul Petretta, Taulant Xhaka, Zdravko Kuzmanovic, Valentin Stocker, Samuele Campo, Noah Okafor und Albian Ajeti verewigten sich als Teil einer besonderen Episode im grossen FCB-Geschichtsbuch. Genauso wie Fabian Frei, der in der 71. Minute Marek Suchy ablöste.

Die Wichtigkeit des Cups

Ungefähr so hatten sich das FCB-Präsident Bernhard Burgener und Sportdirektor Marco Streller im Frühjahr 2017 wohl vorgestellt, als sie den Mitgliedern des FC Basel ihr Konzept «Für immer Rotblau» präsentierten und dafür die Zustimmung für die Club-Übernahme erhielten. Einfach auf einem etwas höheren Niveau und unter anderen Umständen: Damals hatten sie an die Saison 2011/12 erinnert. An die Champions-League-Siege gegen Manchester United und Bayern München, als sechs respektive sieben ehemalige FCB-Junioren die bestmögliche Startelf bildeten und Stocker jeweils eingewechselt wurde. Nun ist es die unverhoffte Wichtigkeit des in früheren Jahren drittrangigen Schweizer Cup-Wettbewerbs, der am Neuenburgersee zum «Basler Achter» mit eingewechseltem Steuermann führt – und ist es lediglich der letztjährige Aufsteiger, der dadurch ins Rudern gerät.

Der FC Basel findet nämlich durch den Schongang zum Konzept-Fussball. Koller negiert danach nicht, dass die rotblaue Pracht auch der Cup-Viertelfinalpartie vom Mittwoch in Sion geschuldet ist. Neben Frei lässt der Trainer auch Luca Zuffi, Kevin Bua und Ricky van Wolfswinkel zumindest temporär auf der Ersatzbank pausieren. Keiner des Trios ist dem Basler Nachwuchs entschlüpft, aber jeder muss – wie Frei – unter Koller als Stammkraft gelten. Hätten sie die Partie begonnen, die Verbaslerung hätte sich weniger stark auf dem Plastikrasen gespiegelt.

Aller Anfang ist bekanntlich klein. Zu Grossem führt er nicht zwangsläufig. Allerdings gab es am Samstag einen Spieler aus der Konzept-Gruppe, der die Hoffnung nährte, er werde bald regelmässig zu einer besseren Zukunft beitragen. Einer, in der dem Kampf um die Meisterschaft im Februar wieder klar grössere Bedeutung zukommt als dem Schweizer Cup: Der 18-jährige Noah Okafor zeigte zum ersten Mal das, was ihm die FCB-Verantwortlichen schon lange zutrauen. Mit einer starken Vorlage zum 1:0 (35.) und dem herrlichen Treffer zum 2:0 (70.) war er der siegbringende Faktor.

Weil dazwischen mit FCB-Leihspieler Geoffroy Serey Die ein anderer Mann mit rotblauem Herzen, aber rotschwarzem Trikot die Nerven verlor, gelangten die Basler in Überzahl zu einem letztlich souveränen Erfolg. Dies in einer Partie, die für sie bis zu Okafors Solo vor dem 1:0 nichts anderes als eine zähe Geduldsprobe gewesen war.

Die Distanz der Wegstrecke

Der Umstand, dass der FC Basel für einen Auswärtssieg bei einem zuvor formstarken Gegner nicht die bestmögliche Elf nominieren musste, wertete Koller danach als klares Zeichen für die Entwicklung seiner Mannschaft. «Wir sind einen Schritt weiter», befand der Zürcher im Anschluss an die Partie.

Die jüngste Bilanz taugt nicht dazu, dem zu widersprechen: Aus den letzten sechs Ligaspielen resultierten fünf Siege und ein Remis. Eine Serie, mit der einzig Leader BSC Young Boys mithalten kann und dazu führte, dass sich der FCB im Kampf um Platz zwei Luft verschafft hat: Der FC Thun liegt nun als Dritter vier Zähler hinter den Baslern, der viertklassierte FC Zürich ist bereits um elf Punkte distanziert.

Dies täuscht allerdings nicht darüber hinweg, dass der mittelfristige Basler Weg zurück an die nationale Spitze noch immer sehr weit wirkt. Dafür sprechen die satten 19 Punkte, um die YB über die gesamte bisherige Saison gesehen besser dasteht. Dafür spricht aber auch der Fussball, den der FCB bisher bietet: Die Zusammensetzung der Samstag-Elf mag dem präsidialen Konzept entsprochen haben. Der zwischenzeitliche Erfolg der Basler ist allerdings viel mehr an individueller Qualität festzumachen als dass er auf einem taktischen Stil gründet, von dem sich behaupten liesse, er wäre revolutionär.


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