Presseschau

Basler Zeitung vom 01.03.2019

Für länger Rotblau

Vertrag bis 2023 – der FCB bindet mit Noah Okafor seinen Konzept-Vorzeigespieler an sich

Von Oliver Gut

Basel. Es ist nicht so, dass es diesen Sprint in der 87. Minute gebraucht hat, damit der FC Basel am Tag nach dem 4:2-Cup-Comeback-Sieg in Sion die frohe Botschaft verkünden kann. Doch dieser Sprint in der 87. Minute zeigte eindrücklich, warum Noah Okafor für den FC Basel so wichtig ist, dass man die Zusammenarbeit vorzeitig bis Ende Juni 2023 verlängert.

Oft hat Okafor gegen die Sittener versucht, seinen Speed einzusetzen. Oft ist er gescheitert. Doch der 18-Jährige gibt nicht auf, versucht es auch, als die Beine schwer sind. Und eilt – lanciert von Zdravko Kuzmanovic – allen Wallisern davon, um von Zock bei Hochgeschwindigkeit so touchiert zu werden, dass der Ref jenen Elfmeter pfeift, der dem FCB den Ausgleich, beschert, der die Basis zum Triumph und zum Einzug in die Cup-Halbfinals legt.

Schon am Samstag zuvor hat Okafor seinen Speed demonstriert und ist an den Gegnern vorbeigezogen. Schon damals hat er damit ein Tor vorbereitet. Und er hat da sogar noch eines erzielt. Per herrlichem Schlenzer den Baslern den 2:0-Sieg gesichert. Und so hat dem Teenager eine halbe Woche genügt, um aus einem Talent mit interessanten Ansätzen ein Versprechen für die Gegenwart und Zukunft zu werden – eines, das der FC Basel nicht früh genug längerfristig an sich binden kann.

Breites Baseldeutsch

Wobei das, was bei einem aufstrebenden, jungen Spieler generell gilt, für den FC Basel von Präsident Bernhard Burgener und Sportdirektor Marco Streller umso mehr Gültigkeit hat: «Für immer Rotblau» heisst ihr Konzept. Und ein zentraler Punkt ist dabei der Einbau des eigenen Nachwuchses in die Profimannschaft.

Noah Okafor ist so etwas wie der erste Vorzeigespieler, wenn es um dieses Konzept geht. Er ist in Binningen geboren, hat im FCB-Wohnheim gelebt, spricht breites Baseldeutsch – und ist noch so jung, dass sich die Verantwortlichen seine Ausbildung mit auf die eigene Fahne schreiben können. Gleichzeitig ist er schon so gut, dass er den Beobachtern die Idee vermittelt, dass dieses Konzept, das im Zuge des ungewohnten sportlichen Rückschritts schon arg kritisiert wurde, mit etwas Geduld tatsächlich dazu taugen könnte, dass der FCB national wieder den Ton angibt, dabei aber einen höheren Identifikationsgrad aufweist als bei den letzten seiner acht Meistertitel in Serie.

Okafor bleibt also für länger Rotblau. Dass sich seine Bezüge durch die Redefinierung des Kontrakts markant verbessert haben, ist anzunehmen. Dass er diesen nicht zwingend erfüllen wird, muss man ebenfalls auf der Rechnung haben. Macht er weiter so grosse Fortschritte wie zuletzt, wird es nicht lange dauern, bis er im Ausland jene Begehrlichkeiten weckt, bei denen nicht nur ein junger Spieler, sondern auch ein Club schwach wird, der sich zu einem nicht unwesentlichen Teil von derartigen Transfers finanziert.

Bis dahin ist allerdings noch ein Wegstück zurückzulegen. Und die eine oder andere Prüfung zu bestehen. Der Wirbel um Okafor legt nun genauso an Tempo zu, wie es der Spieler auf dem Feld zu tun pflegt, wenn er in die Tiefe geschickt wird. Und der neue Vertrag wird dabei auch nicht Druck von ihm wegnehmen. Es ist in erster Linie an Noah Okafor selbst, diesen Begleiterscheinungen so zu begegnen, dass seine Entwicklung nicht darunter leidet. Aber es ist auch Aufgabe des Clubs, alles dafür zu tun, dass der Teenager sich nicht in den Wolken verliert, wenn er überall in den Himmel gehoben wird.


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