Presseschau

Basler Zeitung vom 11.03.2019

Irgendwie abwesend

Das sind die drei Fragezeichen, die eine rotblaue Dienstreise ins Tessin provoziert hat

Von Oliver Gut, Lugano

Ein 1:1 in Lugano kann vorkommen. Zumal die Voraussetzungen für den FC Basel auch schwieriger waren als zuletzt, weil mit Fabian Frei und Eder Balanta zwei Starter gesperrt fehlten – und Zdravko Kuzmanovic auf dem Matchblatt dort aufgeführt war, wo schon zuvor Carlos Zambrano und Kevin Bua standen: bei den Verletzten.

Um den routinierten Mittelfeldspieler dreht sich allerdings die erste von drei Fragen, die nach der rotblauen Dienstreise ins Tessin und im Hinblick auf das aufgetaucht sind, was danach kommen wird. Denn am nächsten Sonntag, da empfängt der FC Basel den BSC Young Boys. Das ist nicht nur der Tabellenführer, der bereits 21 Punkte mehr geholt hat. Sondern es ist auch die einzige Mannschaft, an der sich der FCB nach eigenem Verständnis und jenem seines Umfelds zu orientieren hat.

Die Qualitäts-Frage

Marcel Koller sagt, er wisse nicht, ob er gegen YB wieder auf Kuzmanovic zählen könne. «Er hatte zuletzt Wadenprobleme.» Verletzungen haben den ehemaligen serbischen Nationalspieler seit seiner Rückkehr nach Basel im Sommer 2015 immer wieder gestoppt. Aber nicht nur: Auch das ungeduldige, selbstsichere Naturell führte zu Friktionen. Davon gab es auch nach dem 3:1 gegen Thun ein Müsterchen, als er in die Trainerkabine stürmte, um sich über seine Einsatzzeit zu beklagen.

Die spannende Frage ist nun, wie sich all das auswirkt. Bis zu seiner Absenz in Lugano war Kuzmanovic in dieser Rückrunde ein Pluspunkt, der das Basler Spiel besser machte. Nun wird man sehen, ob es für YB reicht – und wie der Trainer generell mit dem Spieler umgeht.

Die Talent-Frage

Eray Cömert – so war in den vergangenen Monaten immer mal wieder zu hören – sei ein grosses Innenverteidiger-Talent. Arsenal bekunde Interesse an ihm. Dass er in der Hinrunde fast jede Partie bestritt, hatte aber nur bedingt etwas damit zu tun und lag mindestens so sehr an den vielen Verletzten. Noch vor dem Rückrundenstart verletzte er sich dann selbst und hat seither nicht mehr gespielt. Auch in Lugano nicht, wo er fit auf der Ersatzbank sass, während mit Yves Kaiser ein anderer Spieler aus dem eigenen Nachwuchs auflief.

Dasselbe Talent wie Cömert wurde ihm nie nachgesagt. Und auch kein Interesse von Arsenal. Doch im Moment hat er die Nase vorn. Und man fragt sich, wann Cömert wieder spielt, wenn man bedenkt, dass es auch noch Marek Suchy, Balanta und Frei gibt.

Die Form-Frage
Sie liesse sich nach diesem 1:1 bei jedem stellen, nachdem es zuvor gut ausgesehen hatte. Etwas mehr stellt sie sich bei einem, der seit Kurzem wie kein Zweiter für die Hoffnung auf eine bessere Zukunft steht: Noah Okafor zeigte auch in Lugano Speed – allerdings mündend in Ballverluste und null Ertrag.

Da die Tendenz schon in der Vorwoche gegen Thun in diese Richtung deutete, fragt sich, ob den Teenager die starken Vorstellungen in Neuenburg und Sion samt Lobpreisungen den Fokus haben verlieren lassen – und falls ja: Wie schnell er diesen wieder findet.


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