Presseschau

Basler Zeitung vom 15.03.2019

Einmal Rentenvertrag, bitte!

Wird er die nächste Club-Ikone? Taulant Xhaka erklärt dem FC Basel die ewige Treue

Von Florian Raz

Basel. Natürlich hat er es mitbekommen. Taulant Xhaka sitzt hinter seinem Glas Mineralwasser und nickt. Es sind wieder einmal grundlegende Diskussionen, die Basel umtreiben. Es geht um nichts geringeres als Heimat und Identität. Um die Frage, wer dazugehören darf und wer nicht.

Aber für einmal ist es nicht der FC Basel, der diese Fragen aufwirft mit einem Engagement bei einem indischen Club oder einem frisch verpflichteten E-Sportler. Es war an der Fasnacht, wo heftig verhandelt wurde, wo Narrenfreiheit aufhört und Rassismus beginnt. Und eine Laterne fiel ganz besonders auf. Oder ab, je nach Sichtweise. Sie zeigte eine Masse ausländischer Männer, die einen kleinen Basler einschüchtern. Die Botschaft: Es gibt Einheimische und Ausländer. Und die einen bedrohen die Stadt der anderen.

Xhaka hat sich dazu seine Gedanken gemacht. Wie sollte er auch anders, als Sohn albanischer Einwanderer, der den Dienstag nur deswegen nicht auf einem Waggis-Wagen verbracht hat, weil er mit seiner Frau an die Fasnacht wollte? Er sagt: «Es gibt gute Menschen und schlechte Menschen. Also gibt es auch gute und schlechte Ausländer. Alle in einen Topf zu werfen – das ist es, was ich problematisch finde.»

Wie Integration gehen kann

Dann erzählt er von sich. Von seinen Gefühlen als Secondo in der Schweiz. Und erklärt ganz nebenbei, wie Einwanderung in Basel fern von Klischee und rassistischen Ressentiments funktionieren kann. Dazu braucht er gar keine grossen Worte: «Ich bin in Basel im Uni-Spital geboren, ich bin hier in die Schule gegangen, ich habe hier meine Ausbildung gemacht. Hier habe ich Familie und Freunde. Ich bin Basler.» Als solcher passt er ganz wunderbar in das Konzept der Clubführung, die eine Verbaslerung des Teams angeordnet hat. Wobei es beim FCB eigentlich noch nie eine Rolle gespielt hat, woher die Eltern eines Fussballers kommen. Sondern nur, was er in Basel auf und neben dem Rasen bietet. In einem Lied, in dem die härtesten Basler Fans von einem Fantasie-Goal träumen, heissen die Helden nicht von ungefähr Ceccaroni, Smajic und Ergic.

Xhaka fehlt noch das gewisse Etwas, um bereits zu diesen Club-Ikonen zu gehören. Aber er hat das Potenzial. Weil er zu einem der wenigen Fussballer der Neuzeit werden könnte, der seine ganze Karriere bei einem einzigen Verein unter Vertrag stand. Zwar trug er mal kurz das Dress der Grasshoppers – aber das nur als junger Ausleihspieler, um sich fit zu machen für den Club, dem er inzwischen sogar ewige Treue schwört.

Natürlich, auch Taulant Xhaka hat früher mal auf einen Club im Ausland gehofft. Darauf, wie sein jüngerer Bruder Granit mal in einer ganz grossen Liga spielen zu können: «Ein Fussballer, der behauptet, nie davon geträumt zu haben, dürfte lügen.»

Der Basler Adelsschlag: Witze

Aber irgendwann ist das Ziehen verschwunden. Und das nicht nur, weil er dank Granits Vertrag bei Arsenal mitbekommt, mit wie viel Druck ein Engagement etwa in der Premier League einhergeht. Taulant hat irgendwann auch festgestellt, was ihm wirklich wichtig ist im Leben: «Geld ist nicht alles. Ich muss Vertrauen spüren und brauche mein Umfeld. Ich will dort spielen, wo meine Familie und meine Freunde leben.»

Viermal hat er seinen Vertrag in Basel bereits verlängert, der aktuelle Kontrakt läuft noch zwei Jahre. Xhaka weiss, dass einem Profifussballer solche Aussagen schnell einmal um die Ohren fliegen können. Und erklärt trotzdem: «Ich werde Ende März auch schon 28 Jahre alt. Wenn mir der FCB einen Rentenvertrag anbieten würde, würde ich sofort unterschreiben.»

Mit so viel Überzeugung und so laut sagt er das in die Bar hinein, dass es einer vom Nebentisch mitbekommt. Und prompt frotzelt: «Du, Rente bekommt man aber erst ab 65!» Xhaka lacht mit. Er weiss: In Basel wird einer erst dann ernst genommen, wenn Witze über ihn gerissen werden. Und wer einfach so geduzt wird, der hat es sowieso schon weit gebracht.

Pitbull mit Löwenherz

Und irgendwie gilt das für Xhaka auch in Bern, wo ihn das Publikum als Reizfigur in Rotblau ausgemacht hat. Was sicher auch an seiner unerbittlichen Zweikampfhärte liegt. «Pitbull» hat ihn der ehemalige FCB-Sportchef Georg Heitz mal genannt. Der aktuelle Sportdirektor Marco Streller attestiert Xhaka «ein Löwenherz». Kommt dazu noch die Clubtreue zum FCB, trifft das den Nerv der gegnerischen Fans ganz besonders. Das spürt auch Xhaka, sagt aber bloss: «Ihre Pfiffe motivieren mich.»

Irgendwie sind die Berner auch ihretwegen so etwas wie Xhakas Lieblingsgegner. Und weil die Begegnungen mit YB in seiner Karriere fast immer Spitzenspiele waren; mit jeweils vollen Stadien in Basel und Bern.

Wer sich allerdings so mit dem FCB verbunden fühlt wie Xhaka, an dem nagt es doppelt, wenn YB in der Tabelle unerreichbar enteilt ist. Und die Niederlagen aus den ersten zwei Treffen in dieser Saison schmerzen ganz besonders: «Dieses 1:7, dazu das verlorene Heimspiel, das ist immer noch im Hinterkopf.» Also mag am Sonntag nicht um den Titel gespielt werden: «Aber um Ehre und Stolz. Und es ist die Möglichkeit, ein Zeichen mit Blick auf die nächste Saison zu setzen.»


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