Presseschau

Basler Zeitung vom 18.03.2019

Der dritte Streich des Kronjuwels

Der 18-jährige Noah Okafor erzielt mit einem Schuss aus 20 Metern das 2:2 gegen die Young Boys

Von Samuel Waldis

Basel. Keine Meldung ohne Video. Das scheint so etwas wie das Credo geworden zu sein in diesem Fussballgeschäft, das inzwischen so glitzernd und bildgewaltig daherkommt, dass man sich vor Farben und lauter Musik, vor künstlich erzeugten Emotionen und dem ganzen Pathos kaum mehr retten kann. Nicht nur junge Menschen sollen damit angesprochen werden, aber auch. Junge Menschen, wie Noah Okafor selbst einer ist. Doch wie nur wenige ist Okafor nicht ausschliesslich Konsument dieser visuellen Erzeugnisse, sondern auch deren Protagonist. So zum Beispiel Ende Februar, als der FC Basel mit einem Video dokumentiert, wie der 18-jährige Kaderspieler seinen Vertrag gleich um vier Jahre bis im Sommer 2023 verlängert.

Keine Meldung ohne Video eben – und schon gar nicht eine solche. Denn Noah Okafor ist so etwas wie das hausgemachte Kronjuwel des FC Basel, wie es ein solches seit Breel Embolo nicht mehr gab. In dem 40-sekündigen Video blättert Okafor durch die Fotos seiner Jugend, die er beim FCB zugebracht hat, und man sieht Bilder, wie er fünf Tage vor seinem 18. Geburtstag als erster Basler aus dem neuen Jahrtausend sein Debüt in der Super League gibt. Für die sportliche Leitung, die aus dem Serienmeister in knapp zwei Jahren immerhin das beste Fussballteam hinter den enteilten Young Boys gebildet hat, ist diese Vertragsverlängerung also eine der besten Nachrichten in einer sportlichen Zwischenphase.

Potenzial zum Publikumsliebling

Seinen Wert zeigte Okafor gestern beim 2:2 gegen YB, als er zwar in der ersten Halbzeit kaum aufgefallen war, in der 53. Minute mit einem Schuss aus rund 20 Metern aber das letzte Tor der Partie erzielte. Es war im zwanzigsten Einsatz bei den Profis sein dritter Streich und der erste im eigenen Stadion, nachdem er zweimal gegen Xamax auf dem Neuenburger Kunstrasen getroffen hatte. Und es war der erste in einem kapitalen, in einem wichtigen Spiel.

«Ich bin so glücklich über mein erstes Tor in diesem Stadion, danke für all die Unterstützung! #NO11», schreibt Okafor keine drei Stunden nach Abpfiff auf seinem Instagram-Account. 20 Minuten nach dem Ausgleich vergab Okafor den Führungstreffer und kurz vor dem Ende der regulären Spielzeit wechselte Marcel Koller seinen Torschützen für Albian Ajeti aus.

Nicht wenige Zuschauer erhoben sich applaudierend. Und in diesem Moment wurde deutlich, dass Okafor das Zeug hat, dereinst zum Publikumsliebling zu werden. Der Schweizer U19-Nationalspieler gehört unter Koller zurzeit zu den Stammkräften. Er erlebt den Aufschwung hautnah, seit neun Liga-Spielen ist der FCB ungeschlagen, und für den Trainer gibt es auch wegen der Verletzung Kevin Buas wenig Gründe, nicht an Okafor auf einem der offensiven Flügelpositionen festzuhalten. Der jüngste im Team überzeugt mit seiner Technik, mit seiner Schnelligkeit, und die Führung erfreut sich an Okafors Herkunft. Der schweizerisch-nigerianische Doppelbürger ist in Binningen gross geworden und hat seine ganze fussballerische Jugend beim FC Basel zugebracht. Zudem spielen die beiden Brüder Elijah und Isaiah in der U16 respektive U15. Mehr als die Familie Okafor kann man dem rotblauen Konzept des FCB also kaum gerecht werden. Und wenn die Entwicklung Noahs linear weitergeht, dann könnte er dem Verein dereinst einen feinen Betrag in die Kasse spülen. Nicht erst dann wird wieder eine Kamera auf den jungen Mann gerichtet sein.


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