Presseschau

Basler Zeitung vom 05.04.2019

Das Basler Wohlfühlviertel

In keinem Saisonviertel ist der FC Basel erfolgreicher als in jenem nach der Winterpause. Den Rekord stellten die Basler in der Saison 2010/11 auf, als sie durchschnittlich 2,8 Punkte pro Spiel gewannen.

Samuel Waldis

Fast auf den Tag genau vor acht Jahren schenkten die Berner Young Boys Alex Frei und Marco Streller Blumen. Was angesichts der Rivalität zwischen den Bernern und den Baslern erstaunt, hatte einen einfachen Grund: Die Gastgeber im Stade de Suisse wussten zu würdigen, was die beiden Stürmer für die Nationalmannschaft geleistet hatten, für jene Mannschaft, von der sie wenige Tage zuvor ihren Rücktritt erklärt hatten. Frei und Streller hatten genug von den kritischen Stimmen, die vor allem ihnen den Misserfolg in der Qualifikation zur Europameisterschaft 2012 anlasteten.

Die gute Laune liessen sich die beiden deswegen aber nicht verderben. Denn mit ihrem Verein, dem FC Basel, waren sie kaum zu bremsen. Seit der Winterpause hatten die Basler acht Siege aneinandergereiht, bis an diesem Tag die Young Boys dem späteren Meister in einem turbulenten Spiel mit sechs Toren ein Unentschieden abtrotzten.

Der FC Basel blickte in dieser Saison 2010/11 trotzdem auf das beste Viertel zurück, das er seit Einführung der Super League nach einer Winterpause hingelegt hat: 25 Punkte oder 2,8 pro Spiel gewann er unter Trainer Thorsten Fink in dieser Phase, was mehr als einem Drittel der 73 Zähler entspricht, die am Ende der Saison zu Buche standen.

2,2 Punkte pro Spiel
Längst treten Frei und Streller nicht mehr selbst für den FCB gegen den Ball, sondern sind in anderer Funktion für den Verein tätig. Etwas aber haben die Basler aus der damaligen Zeit bewahren können: Die neun Partien nach der Winterpause bedeuten traditionell die beste Zeit der Rotblauen. 2,2 Punkte gewinnt der FCB durchschnittlich pro Partie, das sind zehn Prozent mehr als in den anderen Saisonvierteln. Und vor allem ist er überdurchschnittlich erfolgreich, was das Verhältnis von Toren und Gegentoren betrifft: Pro Spiel erzielen die Basler 2,2 Tore und kassieren deren 0,9. Anders gesagt: Das sind rund zweieinhalbmal so viele Tore wie Gegentore – in keinem anderen Saisonviertel kommen die Basler auch nur annähernd an diese Zahl heran.

Die erste Hälfte der Rückrunde ist zum Basler Wohlfühlviertel geworden, gerade auch in der laufenden Spielzeit, die mit der frühen Entlassung Raphael Wickys und dem Ausscheiden aus dem Europacup so schwierig begonnen hatte. Noch immer ist der FCB im neuen Jahr ungeschlagen, von neun Spielen hat er sechs gewonnen, zuletzt unter der Woche gegen den FC Zürich mit 2:0.

Schwäche im vierten Viertel
Sowohl von Trainer Marcel Koller als auch von den Spielern ist die einst hemmende Anspannung gewichen. Der ganze Verein scheint zu einer gewinnbringenden Lockerheit gefunden zu haben, mit der er auch vor dem Heimspiel gegen den Tabellensiebten FC Lugano nicht in Ehrfurcht erstarren muss.

Am Sonntag beginnt im St.-Jakob-Park (16 Uhr) gegen die Tessiner also das letzten Saisonviertel. Und im Gegensatz zum dritten Viertel ist der vierte und letzte Durchgang zusammen mit dem Saisonstart die statistisch schwächste Phase des FC Basel. Das erstaunt kaum, denn in den vergangenen Jahren stand der Gewinn der Meisterschaft irgendwann frühzeitig fest, die Spannung liess nach und der Hunger nach Punkten verständlicherweise ebenfalls.

Dieses Jahr wird die Spannung kaum nachlassen. Für die Basler gilt es, hinter den Young Boys den zweiten Platz zu sichern – und im Cup den ersten Titel seit 2017 zu gewinnen.


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