Presseschau

Basler Zeitung vom 06.04.2019

Der Faktor und die offene Frage

Vertragsverlängerung? Marek Suchys Leistungen seit seiner Verletzungspause sind ein wichtiger Grund für die verbesserten Darbietungen des FC Basel – doch noch ist nicht geklärt, ob der Captain nach der Saison bleibt.

Oliver Gut

Es braucht mehr als einen Anlauf, um von Marcel Koller eine klare Aussage zu erhalten. Der Trainer des FC Basel will zunächst nicht preisgeben, wie er persönlich zu seinem Captain und dessen Zukunft steht. Dass er dessen Leistungen in den vergangenen Wochen gut fand, das geht zwar aus Kollers Aussagen hervor. Dass er eher ein Faible für erfahrene Spieler denn eine Abneigung hat, ist ebenfalls bekannt. Doch schliesslich braucht es die konkrete Nachfrage, ob er gerne weiter mit Marek Suchy zusammenarbeiten möchte, um dem Basler Übungsleiter ein simples «Ja» zu entlocken.

Koller scheint also zu wissen, welche Antwort er sich in dieser ziemlich zentralen Personalfrage wünscht. Und das ist doch schon mal etwas, denn es macht keinen Sinn, einen nicht eben günstigen, langjährigen Spieler mit entsprechendem Status weiter zu verpflichten, wenn der Trainer nicht auf ihn baut. Das Problem ist nur: Er ist nur eine Partei, die einverstanden sein muss – und es ist weit weniger klar, wie die beiden wichtigsten Parteien die Thematik sehen: der Spieler und die sportliche Führungsspitze des FC Basel.

Gedanken an den Schnitt
Als sich Marek Suchy im vergangenen August an der Achillessehne verletzte, operiert werden musste und dadurch bis zum Jahresende ausfiel, ergab sich für den FCB unerwartet die Situation, dass der Vertrag mit dem Tschechen in diesem Sommer auslaufen wird. Denn die darin festgeschriebene Option nach einer automatischen Verlängerung ist an die Zahl der Einsätze geknüpft – eine Zahl, die Suchy durch die lange Pause nicht mehr erreichen kann.

In Anbetracht der Tatsache, dass der Abwehrchef in den Monaten zuvor nicht mehr durchs Band Konstanz auf hohem Niveau bewies und zu den Grossverdienern zählt, war dies eine Entwicklung, die in Basler Reihen zumindest mit gemischten Gefühlen zur Kenntnis genommen wurde. Ein Schnitt im Sommer wurde in Betracht gezogen, wissend, dass gleich gute oder bessere Innenverteidiger nicht eben leicht zu finden sind.

Zahlen als klares Argument
Sollte dies immer noch ein Gedanke sein, so wäre er nun schwer nachvollziehbar: Denn Suchy kehrte im Winter stärker zurück, als er zuvor gewirkt hatte – und mit ihm hat der FCB im neuen Kalenderjahr jene defensive Stabilität gefunden, die er im Herbst ohne ihn vergeblich suchte.

Nur 0,6 Liga-Gegentore hat Rotblau 2019 im Durchschnitt pro Partie kassiert. Dabei fünf Siege gefeiert und dreimal unentschieden gespielt – und sich zudem im Cup-Viertelfinal in Sion durchgesetzt. Kurz: Seit Marek Suchy zurück ist, hat der FCB nie mehr verloren und ist meist so aufgetreten, wie man das von ihm erwarten darf. Der Tscheche ist ein wichtiger Faktor.

Das ist auch FCB-Sportdirektor Marco Streller nicht entgangen. Er teilt mit, dass die Gespräche, die mit dem Spieler geführt werden, gut sind. Aber er spricht auch davon, dass offen sei, ob es zu einer Verlängerung kommt.

Klar ist: Es gibt für beide Seiten gute Gründe, Suchys inzwischen fünfjährige Aufenthaltszeit in Basel über den Sommer hinaus zu verlängern. Nahe liegend ist aber auch: Inzwischen 30 Jahre alt, steht der Tscheche vor seinem letzten grossen Vertrag. Nach seinen jüngsten Leistungen dürfte es trotz seiner Verletzungspause wieder Möglichkeiten geben, um in eine attraktivere Liga zu wechseln, um in der Karriere noch einmal etwas anderes zu sehen. Es könnte folglich auch etwas Geld kosten, ihn von einem Verbleib in Basel zu überzeugen.

Sollte dies nicht gelingen, darf man gespannt sein, wie es ab Sommer um die defensive Stabilität des FC Basel bestellt sein wird.


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