Presseschau

Basler Zeitung vom 26.04.2019

Heisser Kopf und heisse Füsse

Im Cup-Halbfinal gegen den FC Zürich reichen Zdravko Kuzmanovic 45 Minuten, um das ganze Repertoire seines Könnens zu präsentieren.

Tilman Pauls und Samuel Waldis, Zürich

Zwei Mal verschwindet Zdravko Kuzmanovic an diesem Abend in einer Menschentraube. Von allen Seiten kommen sie plötzlich auf ihn zugestürmt, verdecken ihn zeitweise komplett unter sich, sofern man einen wie Zdravko Kuzmanovic überhaupt je komplett unter sich verdecken kann. Und beide Male taucht er wenig später wieder auf, mit einem Lächeln auf den Lippen.

Dabei haben die Szenen nicht mal unbedingt viel gemeinsam. Ein Mal ist der Ansammlung um ihm heraum eine Tätlichkeit des FCB-Spielers vorausgegangen. Etwas später ist es dann sein Tor zum zwischenzeitlichen 2:0 für die Basler. Zwei komplett unterschiedliche Szenen, zwei komplett unterschiedliche Emotionen. Sollte man meinen. Aber bei Zdravko Kuzmanovic weiss man manchmal nicht so genau, welchen Moment er tief in seinem Inneren wohl mehr genossen hat.

Der alte Bekannte

In der 80. Minute ist es das erste Mal, dass Kuzmanovic im Letzigrund die Aufmerksamkeit aller Beteiligten auf sich zieht. Eigentlich ist er in diesem Moment zu weit vom Ball entfernt, um überhaupt eingreifen zu können. Aber dann steht ihm Alain Nef im Weg. Ausgerechnet Nef, ein alter Bekannter beim FCB. Kuzmanovic trifft ihm mit der Hand am Kopf. Es ist eine Tätlichkeit, die für ungewohnte Begegnungen sorgt.

Plötzlich sind alle auf dem Rasen, selbst Sportdirektor Marco Streller, der schlichten will und plötzlich Nef im Arm hat. «Die Szene muss ich gar nicht weiter kommentieren», sagt Kuzamnovic nach dem Spiel, «am Ende konnten Alain und ich uns anlächeln. Ich geniesse es, wenn es emotional wird.» Seinen Hitzkopf hat Kuzmanovic auch im Alter von 31 Jahren nicht verloren.

Der Cup-Joker

Dass Kuzmanovic aber nicht nur einen heissen Kopf hat, sondern auch einen heissen Fuss, zeigt er in der 87. Spielminute: Valentin Stocker legt von der Grundlinie zurück, Luca Zuffi sieht – und vor allem: hört – die Idee von Kuzmanovic, der den Ball ruhig und überlegt in die Ecke schiebt. Es ist sein erstes Tor für den FCB seit 2006. Damals hiess der Basler Trainer Christian Gross. Und es ist ausgerechnet jener Fuss, den Kuzmanovic am Vortag noch kühlen musste, weil sich seine Teamkollegen im Training einen Spass erlaubten und ihm heisse Salbe in den Schuh schmierten.

Kuzmanovic ist nicht einfach. Er strengt an, er regt auf. Er redet, reklamiert, sagt seine Meinung. Aber die 45 Minuten nach seiner Einwechslung haben erneut bewiesen, dass all diese Eigenschaften dem aktuellen FC Basel nicht schaden müssen.

Und so entwickelt sich Kuzmanovic immer mehr zum Cup-Joker der Basler. Schon gegen den FC Sion war er ein wichtiger Grund, dass der FCB sich überhaupt für den Halbfinal qualifiziert hat. Und gegen den FCZ sind es erneut sein heisser Kopf und sein heisser Fuss, die den Baslern zum Sieg verhelfen.


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