Presseschau

Basler Zeitung vom 29.04.2019

Test Nummer 1: Bestanden

Weil Raoul Petretta im Cupfinal gesperrt fehlt, muss der linke Aussenverteidiger Blas Riveros in die Mannschaft integriert werden. Gelingt das dem 21-Jährigen wie gegen St. Gallen, braucht sich Trainer Marcel Koller keine Sorgen zu machen.

Samuel Waldis, St. Gallen

Dieses Kopfschütteln kann eigentlich nur etwas bedeuten: Blas Riveros kann nicht mehr. 90 Minuten und ein paar zerdrückte sind zu Ende gespielt im Kybunpark, Riveros hat jede einzelne Sekunde davon hautnah miterlebt. Soeben hat der FC Basel gegen St.Gallen mit der Leichtigkeit des gesicherten zweiten Platzes gewonnen. Zuerst liegt Riveros auf seiner linken Abwehrseite auf dem Rasen, dann setzt er sich immerhin hin – während alle anderen beim Händeschütteln sind. Eben: Blas Riveros, er kann nicht mehr.

Rhythmus für den Cupfinal

Der 21-Jährige hat in der Rückrunde lediglich zwei Super-League-Spiele absolviert und immer mal wieder mit der U-21 trainiert. Da macht es den Anschein, als müsste sich der Paraguayer erst wieder an diesen Rhythmus gewöhnen. Vor allem, weil er im letzten wichtigen Spiel der Saison, dem Cupfinal am 19. Mai gegen den FC Thun, höchstwahrscheinlich wieder die Schuhe wird schnüren dürfen. Raoul Petretta fehlt dann gesperrt, und die naheliegendste Ersatzlösung ist Riveros. Jener Riveros, der in der Vorrunde unter Trainer Marcel Koller noch regelmässig gespielt hatte, dann aber Opfer seines fehlenden taktischen Verständnisses wurde. So erläutert Koller die Gründe, warum er zuletzt Petretta den Vorzug gegeben hat: «Blas interpretierte die Position nicht so, wie wir uns das vorstellen. Raoul gelang das auch nicht von Anfang an, setzte unsere Ideen dann aber präzise um.»

Inzwischen hat Koller Riveros per Videostudium diese Ideen nähergebracht respektive derargentinische Assistenztrainer Carlos Bernegger. Denn Riveros besucht zwar einen Deutschkurs, der trägt aber kaum Früchte, wie man aus dem Verein hört. Er stammt aus ländlichen Verhältnissen in Paraguay, nicht einmal Spanisch ist dort eine Selbstverständlichkeit. In der Mannschaft ist Riveros vor allem deswegen sozialisiert, weil er mit Eder Balanta, Kevin Bua und inzwischen auch Carlos Zambrano gleichsprachige Kollegen hat. Vor seinem Rücktritt hatte sich Matias Delgado um ihn gekümmert.

Wohl fühlt sich Riveros in Basel trotz der sprachlichen Isolierung. Aus dem Umfeld des Spielers ist zu vernehmen, dass er sehr dankbar sei, für einen Verein wie den FC Basel zu spielen. Im Leben des jungen Spielers gibt es nicht viel mehr als Fussball. Auch deswegen ist das Bewusstsein da, dass er nur über einen gesunden Arbeitsethos zu mehr Spielzeit kommt.

Cupsieg als Karriereschub

Genau diese Spielzeit bekommt er jetzt. Koller wird Riveros zwecks Integration in den kommenden Partien auflaufen lassen, wie der Trainer nach dem Spiel in St.Gallen sagte.

Und wenn Riveros seine Aufgabe so gut löst wie in St. Gallen, dann dürfte die Entscheidung für den Cupfinal gefallen sein. Denn er machte seine Sache gut – sogar gegen den Ball, mit guten Tacklings und vereitelten Flanken.

In der Abwehr offenbarte Riveros immer wieder Defizite, er war nie der sicherste Wert. Aber er hat stets enormen Zug mit dem Ball und tankt sich so regelmässig zur Grundlinie vor. Zum Beispiel am Sonntag in St. Gallen: Vor dem 0:1 schüttelte er mit einer einfachen Körpertäuschung Milan Vilotic ab, zog zur Grundlinie und spielte von dort den Ball auf den Torschützen Ricky van Wolfswinkel. Rund zehn Minuten vor Schluss lief er mit so hoher Geschwindigkeit auf eben diesen Vilotic zu, dass dieser sich nur mit einem Foul zu helfen wusste. Riveros wäre durch gewesen und womöglich allein auf den St. Galler Goalie zugelaufen. Diesen Zug braucht der FC Basel im Cupfinal. Einen Cupsieg hat Riveros zwar bereits im Palmarès. Allerdings kam er im Final 2017 gegen Sion nicht zum Einsatz. Riveros’ Karriere mag zuletzt ein wenig ins Stocken geraten sein. Ein Cupsieg als Akteur auf dem Rasen könnte ihr indes neuen Schwung verleihen.


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