Presseschau

Basler Zeitung vom 06.05.2019

Mit einem Lächeln auf den Lippen

Der FC Basel stimmt sich mit einem klaren 3:0-Sieg gegen den FC Zürich weiter auf den Cupfinal vom 19. Mai ein.

Tilman Pauls

Und dann lief Valentin Stocker, dem an diesem Abend irgendwie alles gelingen wollte, ein weiteres Mal auf Yannick Brecher zu. Er spielte den Ball in die Mitte zu Ricky van Wolfswinkel, von dem man nicht unbedingt behaupten kann, dass ihm an diesem Abend alles gelingen wollte, erst recht nicht mehr nach dieser Aktion: Aus sechs Metern schob der Stürmer, ganz frei vor dem Tor, den Ball über die Grundlinie ins Aus.

Als Van Wolfswinkel wenig später ausgewechselt wurde, da lief er mit einem Lächeln auf den Lippen in Richtung Seitenlinie. Dieses Bild sagte eigentlich alles aus über das Spiel zwischen dem FC Basel und dem FC Zürich, das so klar zugunsten der Basler verlief, dass sich nicht mal der Stürmer über seine ungenutzten Chancen aufregen konnte.

Vor wenigen Tagen, im Cup-Halbfinal, hatte man die Zürcher gegen den FCB mit mehr Wucht, mit mehr Emotionen gesehen. Sie waren auch da schon ohne wirkliche Chance, weil es sonst an zu vielen Dingen mangelt. Aber am Samstag nun war es fast schon erschreckend, wie wenig die Gäste zum Spielbeizutragen hatten. Der FCB konnte sich sogar eine Halbzeit erlauben, in der nicht viel gelang. «Wir waren zu wenig griffig, zu weit auseinander. Das haben wir in der Halbzeit angesprochen», sagte Trainer Marcel Koller. Und diese kleine Anpassung genügte, um sich zu einem klaren 3:0 zu spielen.

Und es war ja nicht so, dass die Basler nicht noch Chancen für ein viertes, ein fünftes, ein sechstes oder sogar ein siebtes Tor gehabt hätten. Valentin Stocker, Edon Zhegrova, Albian Ajeti und eben Van Wolfswinkel mit seiner Grosschance verpassten es, den Sieg noch höher zu gestalten. So blieb es am Ende bei den Treffern durch Carlos Zambrano (49.), Van Wolfswinkel (66.) und Ajeti (92.). «Wir hätten zwei, drei mehr machen müssen», sagte Stocker, der dann nicht nur zwei Vorlagen verzeichnet hätte, sondern eher drei oder vier.

Wie löchriger Edamer

Die Basler setzen ihren Lauf der Unbezwingbarkeit dank diesem 3:0-Sieg weiter fort und ziehen im luftleeren Raum zwischen Tabellenführer YB und der breiten Krisenzone des Schweizer Fussballs einsam ihre Kreise. Mittlerweile ist es sogar schon so weit gekommen, dass der FCB diese Saison mehr Punkte gesammelt hat als die beiden Zürcher Clubs, die sich am Ende der Tabelle immer näher kommen – zusammen.

Der Abstieg der Grasshoppers ist nach einer Niederlage gegen St.Gallen und dem Sieg von Xamax im Grunde besiegelt. Und den FCZ trennt nur noch ein Punkt vom Barrage-Platz. Die Lage ist bedrohlich, erst recht, wenn man den aktuellen Auftritt in Basel als Massstab nimmt. Während die Basler sich einen Spass daraus machen konnten, ihre besten Chancen auszulassen, kamen die Gäste auf einen verbürgten Abschluss in Richtung Jonas Omlin.

Trainer René van Eck, der den immer noch gesperrten Ludovic Magnin vertrat, fasste nach dem Spiel treffend zusammen: «Wenn wirvorne mal den Ball hatten, haben wir uns verlaufen, statt den Abschluss zu suchen. In der Defensive hatten wir Glück, dass die Basler nicht alle Chancen genutzt haben. Und in der Mitte hatten wir Lücken, da ist ein holländischer Edamer nichts dagegen.»

Das Spiel am Samstag war das letzte von fünf Duellen zwischen FCB und FCZ in dieser Saison. Die Basler haben vier Spiele gewonnen, nur ein Mal gab es ein Unentschieden. Das Torverhältnis der Begegnungen lautet 11:2. Nur selten war der Klassiker des Schweizer Fussballs so einseitig wie in diesem Jahr.

Unter diesen Vorzeichen gehen die beiden Vereine nun in die noch ausstehenden Partien der Saison: Der FC Zürich wird versuchen, sich irgendwie aus der Abwärtsspirale zu winden. Und der FCB versucht, sich bis zum Cupfinal am 19. Mai gegen den FC Thun weiterhin bei Laune zu halten, indem er seine wiedergewonnene Konstanz weiter mit Spielwitz und Torhunger anreichert. Gegen den FC Zürich hat das in Teilen bereits funktioniert. Aber eben: nur in Teilen.


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