Presseschau

Basler Zeitung vom 11.05.2019

Die FCB-Reserven sind weiter geschrumpft

Im Geschäftsjahr 2018 wurden nicht nur 51,7 Millionen Franken an Transfers eingenommen, sondern auch Rückstellungen in der Höhe von 13 Millionen Franken aufgelöst. Trotzdem wurde nur ein Gewinn von 1,7 Millionen ausgewiesen.

Oliver Gut

Am 4. Juni wird der FC Basel seine Jubiläums-Saison mit der Generalversammlung beschliessen. Der Rückblick wird dabei kein erfreulicher sein. Womöglich hat man zwar mit dem Cupsieg erstmals in der Ära von Präsident Bernhard Burgener einen Titel errungen. Doch die abermals klar verlorene Meisterschaft und das Verpassen der Gruppenphase eines europäischen Wettbewerbs drücken ebenso aufs Gemüt wie die wirtschaftlichen Konsequenzen, die damit einhergehen.

Ein genauer Blick auf die Zahlen des abgelaufenen Geschäftsjahrs 2018 zeigt: Auch wenn die FC Basel 1893 AG einen Gewinn von 1,7 Millionen Franken ausweist, so hat die Profifussball-Abteilung wie schon im Jahr zuvor klar mehr ausgegeben als eingenommen. Dies, obwohl man 2018 die für den Markt potenziell attraktivsten Spieler (Akanji, Elyounoussi, Vaclik, Lang, Steffen) abgab und dafür mit Ablösesummen von insgesamt 51,7 Millionen entschädigt wurde. Denn Bernhard Burgener löste im Rahmen der Jahresrechnung 2018 die letzten verbliebenen Rückstellungen von rund 13 Millionen Franken auf. Diese waren 2016 noch unter der vormaligen FCB-Führung unter Präsident Bernhard Heusler zwecks Spieler-Ersatzbeschaffung gebildet worden. Es war dies in den Jahren der hohen Gewinne stets auch ein legales Mittel zur Steuerminimierung gewesen.

Die Auflösung dieser temporären Reserven findet sich nur indirekt in den Zahlen, die der FC Basel und alle anderen Super-League-Clubs erstmals der Swiss Football League und damit der Öffentlichkeit vorlegen mussten: Dort weist der FCB als Gesamtunternehmen (also inklusive der Holding AG) ein Umlaufvermögen von 61,8 Millionen Franken aus, was im Vergleich zum Vorjahr eine Abnahme von 13,5 Millionen Franken bedeutet.

Bernhard Burgener bestätigt die Auflösung, stellt dabei aber klar: «Es war steuerlich notwendig, diese Rückstellungen für Ersatzbeschaffungen von neuen Spielern innerhalb von zwei Jahren zu verwenden.» Doch weil in diesen zwei Jahren trotzdem jeweils nur ein kleiner buchhalterischer Gewinn resultierte und keine neuen Rückstellungen gemacht wurden, haben die finanziellen Reserven des Clubs empfindlich abgenommen: Per Ende Geschäftsjahr 2016 verfügte die AG über 15,8 Millionen Franken an Eigenkapital sowie über 22 Millionen an Rückstellungen. Per Ende 2017 wurden 9, per Ende 2018 schliesslich 13 Millionen an Rückstellungen aufgelöst. Dies, während das Eigenkapital infolge der jeweils ausgewiesenen Gewinne vergleichsweise bescheiden auf 18 Millionen zunahm. Also hat der FCB in den Jahren 2017 und 2018 letztlich 20 Millionen Franken mehr ausgegeben als eingenommen.

Ein Grund zu unmittelbarer Sorge ist dies noch nicht. Bis Ende 2018 lässt sich sagen: Der FCB konnte sich dies aufgrund seiner Reserven leisten. Er startete noch immer mit einem Eigenkapital von 18 Millionen und der Notreserve von 22 Millionen Franken in der Holding ins laufende Geschäfts- und Kalenderjahr.

Gefährliche Tendenz

Die beiden vergangenen Geschäftsjahre zeigen aber eindrücklich, wie sehr die unter Heusler aufgebaute rotblaue Maschine darauf angewiesen ist, dass hohe Sondereinnahmen aus Europacup- und Transfergeschäft Hand in Hand gehen. 2017 mussten Rückstellungen aufgelöst werden, weil bei einem überschaubaren Transfergewinn am Ende 31,8 Millionen Franken an Champions-League-Prämien zu wenig waren, um die laufenden Kosten zu decken. 2018 reichte bei nur 3,3 Millionen Franken an Uefa-Verbandseinnahmen ein exorbitanter Transfergewinn von 35,3 Millionen Franken nicht aus, um nach der Auflösung der restlichen Rückstellungen einen namhaften Gewinn zu schreiben.

Klar ist, dass der FC Basel die jüngste Tendenz sofort stoppen muss, will er nicht die restlichen flüssigen Mittel des Gesamtunternehmens aufbrauchen. Das wird nicht einfach: Liesse man alle Europacup- und Transfereinnahmen als Sondereffekte weg, hätte das strukturelle Defizit 2018 rund 40 Millionen Franken betragen.

Die Problematik, die damit einhergeht, muss dem Zahlenspezialisten Burgener niemand erklären. Seine Gegenstrategie ist jene, die er bei Amtsantritt vor eineinhalb Jahren verkündet hat: «Unser Fokus liegt auf der Reduktion der Kosten. Es ist ja auch unser Ziel gemäss unserer Vierjahresplanung, diese bis 2020/21 entsprechend zu reduzieren», sagt er und vergleicht die rotblauen Zahlen mit denen des BSC Young Boys. Während der FCB 97,8 Millionen ausgab, haben sich die Berner ihr Meister- und Champions-League-Jahr 2018 lediglich 62,8 Millionen Franken kosten lassen. Dieser Bereich schwebt Burgener auch für Rotblau vor. Gleichzeitig will er Titelkandidat bleiben.

Massive Einsparungen
Der Weg führt primär über die Personalkosten. Weist der FCB dort per Ende 2018 52,3 Millionen Franken aus, sind es bei YB 36,7 Millionen, wobei Löhne für Spieler und Staff der grösste und auch flexibelste Posten sind. «Bislang waren wir da vertraglich gebunden. Vor allem ab 2020 besteht mehr Spielraum.»

Obwohl von Beginn an darum bemüht, hier zu sparen, hat dieser Bereich unter Burgener zuletzt sogar eher zugelegt. Während nämlich einige langjährigen Verträge so formuliert sind, dass ihre Fortdauer die Bezüge nach oben verändern, hat man im Bereich Staff durch den Ausbau des sportlichen Kompetenzzentrums sowie durch den Trainerwechsel im Sommer 2018 von Wicky zu Koller Entscheidungen getroffen, die Mehrkosten verursachten.

Schon bis zum Ende des Geschäftsjahrs 2019 sollen die Ausgaben um 21 Millionen Franken gesenkt werden. Klar ist, dass dies nicht allein über die Personalkosten geht, weshalb man sich mit Transferausgaben in grosser Zurückhaltung üben wird, solange man keine einträglichen Abgänge verzeichnet (Okafor?).

Klar ist aber auch: Selbst ein Okafor wird bei weitem nicht jene 51 Millionen bringen, die man im Vorjahr einnahm. Um per Ende 2019 einen grossen Schritt in die richtige Richtung zu machen, gibt es nur ein Mittel: In der Qualifikation zur Champions League drei Runden überstehen und dann 30 oder mehr Millionen einstreichen. Ab Juli wird man sehen, ob man die Qualität dazu hat. Und auch, wie es um die Chancen steht, YB im Kampf um den Meistertitel zu fordern. Der morgige, letzte Direktvergleich der auslaufenden Saison liefert keinen Hinweis: Für beide geht es nur noch um die Ehre.


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