Presseschau

Basler Zeitung vom 15.05.2019

Potenzielle rotblaue Einnahmequellen

2018 nahm der FCB 51,7 Millionen Franken durch Transfers ein – und kam doch nur dank aufgelöster Reserven ins Plus. 2019 will man Ausgaben senken. Doch ein, zwei Spieler gäbe es noch mit gutem Marktwert.

Oliver Gut

Die Ausgangslage beim FC Basel ist klar. Das Geschäftsjahr 2019 soll bedeutend weniger Ausgaben beinhalten als das Vorjahr. Jenes Vorjahr, das mit einem kleinen Gewinn von 1,7 Millionen Franken abschloss. Trotz Transfereinnahmen von 51,7 Millionen Franken und trotz steuerlich notwendiger, aufgelöster Rückstellungen in der Höhe von 13 Millionen (vgl. BaZ vom Samstag).

Aus Sicht der Clubführung um Besitzer und Präsident Bernhard Burgener ist auch klar, wie man das erreichen will: Indem 21 Millionen Franken eingespart werden, verteilt auf Personal- (Vorjahr: 52,3 Millionen) und Transferkosten (16,4 Millionen).

Weniger präzise umrissen ist der Weg, der dahin führt. Klar ist, dass Einsparungen beim Personal primär über Einsparungen bei Spielerkader und Staff vorgenommen werden könnten.

Geoffroy Serey Dié ist da ein Kandidat. Ausgeliehen an Neuchâtel Xamax, ist trotz laufenden Vertrags unwahrscheinlich, dass der Ivorer ab Sommer wieder für den FC Basel spielt, zumal er im Winter auch wegen des Trainers den Verein Richtung Romandie verliess. Also dürfte beidseits eine Lösung gesucht werden.

Gleichzeitig stehen die Zeichen auch in der Innenverteidigung auf eine Verschlankungskur: Dass Carlos Zambrano von Dynamo Kiew für ordentlich Geld definitiv übernommen wird, ist nicht anzunehmen. Auch dann nicht, wenn Marek Suchy den Club verlassen sollte: Der Vertrag des Tschechen läuft aus. Bislang hat er ein neues Angebot vorliegen, das im Gesamtpaket zwar nicht schlechter sein soll als zuvor, sich aber um einiges leistungsabhängiger gestaltet. Will heissen: Der Fixlohn ist klar tiefer. Gerade bei einem Spieler in der zweiten Hälfte der Karriere ist dies nicht unbedingt Anreiz zur Unterschrift. Gut möglich also, dass Suchy ablösefrei wechselt – zu einem Club in einer Liga, wo er mehr Geld verdient.

Selbst wenn all dies eintrifft, sind die Sparziele noch nicht erreicht. Das wäre nur möglich, wenn man auf diese Abgänge kaum reagiert. Ein offensives Basler Gebaren auf dem Spielermarkt ist in diesem Sommer folglich nicht zu erwarten. Jedenfalls dann nicht, wenn es nicht wie im Vorjahr zu Abgängen kommt, die viel Geld bringen.

Im aktuellen Kader finden sich allerdings nur noch vier Kandidaten, bei denen ein hoher Transfererlös realistisch scheint:

1. Noah Okafor

18 Jahre, sprint- und dribbelstark, mit ein paar starken Leistungen. Das sind die Attribute, die Okafor zum «Juwel» machen. Und zu jenem Spieler im aktuellen Kader, der international am meisten Begehrlichkeiten weckt.

Es ist davon auszugehen, dass es Interessenten aus grossen Ligen gibt. Auch Angebote wären in diesem Sommer keine Überraschung. Für die FCB-Verantwortlichen ist klar, dass er die nächste Saison in Basel bestreitet. Eine Garantie allerdings ist dies nicht, sondern eher eine Haltung zur Wertsteigerung.

Ein Erlös von mehr als zehn Millionen Franken ist realistisch. Wer aber bereits an Embolo, Akanji, Elyounoussi und an 20 Millionen denkt, dem sei gesagt: Okafor fehlen internationale Spiele. Die jedoch dürften nötig sein, damit sein Marktwert in jene Sphären steigt.

Würde er den Club schon jetzt verlassen, dann nur zu einem Preis, der die Jahresrechnung erheblich entlastet – und der es gleichzeitig erlaubt, gewisse Investitionen zu tätigen.

2. Jonas Omlin

Ganz so viel lässt sich für Jonas Omlin nicht erzielen. Das liegt nur bedingt am Alter, hängt aber stark mit der Position des 25-jährigen Torhüters zusammen. Und doch: So wie der Goalie in seiner ersten FCB-Saison auftritt, findet sich in der Liga keiner, der ihm das Wasser reichen kann. Bedenkt man, welche Schweizer Torhüter (Sommer, Bürki, Mvogo) in den vergangenen Jahren für wie viel Geld in eine grosse Liga wechselten, dann ist eine Ablösesummevon gegen 10 Millionen Franken realistisch.

An einem Abgang nach nur einem Jahr hat der FCB kein Interesse. Denn auf keinen anderen Spieler konnte man sich in der abgelaufenen Saison so sehr verlassen. Doch wer weiss, was ist, wenn der Club kommt, der ihn unbedingt will – und der genau das ist, was Omlin zusagt?

3. Albian Ajeti

Beim FCB gross geworden, war es schon schwierig, dass man viel Geld an St. Gallen zahlte, um ihn zurückzuholen. Noch seltsamer mutete es an, würde man ihn im Sommer ziehen lassen.

Doch es gibt ein Problem: Der Liga-Torschützenkönig der vorangegangenen Saison ist unter Koller nicht mehr erste Wahl. Der Trainer gibt seit der Winterpause Ricky van Wolfswinkel den Vorzug. Und aus dem Umfeld Ajetis ist zu hören, dass im Sommer zumindest ein leihweiser Wechsel angestrebt wird, sollte sich die Situation nicht ändern.

Was, wenn es sogar zu einem definitiven Abgang kommt? Eine Ablöse im Bereich von fünf bis acht Millionen Franken ist denkbar. Denn eben: Er war Torschützenkönig. Ist Nationalspieler. Und er ist noch immer erst 22.

4. Eray Cömert

Gar ein Jahr jünger ist der Innenverteidiger, der eben erst seinen Vertrag verlängerte. Ob das eine Garantie auf einen langen Verbleib ist? Klar ist, dass Cömert in der Spielauslösung interessante Anlagen besitzt. Die Saison hat aber auch gezeigt, dass er noch um einiges stabiler und konstanter werden muss, um nur schon beim FCB Fixstarter zu sein.

Allerdings gibt es wiederholt Gerüchte aus England. Werden daraus in England Fakten, wird es nicht am Geld fehlen – und ist plötzlich jener einstellige Millionenbetrag auf dem Tisch, bei dem Cömert weiterzieht.


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