Presseschau

Basler Zeitung vom 17.05.2019

Eine kleine Fussballwelt innerhalb von 125 Kilometern

Streller, Frei oder Klose haben ihre Karrieren beim FC Thun lanciert – aber auch der umgekehrte Weg war häufig ein Erfolg.

Niemand konnte Luca Zuffi böse sein. Das lag zum einen daran, dass man einem wie Luca Zuffi generell nicht böse sein kann. Schon gar nicht dem Luca Zuffi von damals, mit seinem jugendlichen Gesicht und seiner noch viel jugendlicheren Frisur. Zum anderen konnte im Sommer 2014 ohnehin jeder nachvollziehen, als der 24-Jährige einen Vertrag beim FC Basel unterschrieb.

Zuffi war schliesslich nicht der Erste, der den Weg vom kleinen FC Thun zum grossen FC Basel einschlug. Und er wird auch ganz sicher nicht der Letzte sein.

Basel und Thun trennen zwar nur knapp 120 Kilometer, doch in sportlicher Hinsicht scheinen Welten zwischen den Vereinen zu liegen. Wenn man allerdings die Transferströme der letzten Jahre betrachtet, stehen sich die Städte fussballerisch näher, als man es vermuten würde. Es gibt durchaus einen regen Austausch dieser auf den ersten Blick so ungleichen Vereinen. Auch wenn die Strecke von Basel nach Thun dabei häufiger genutzt wurde als die Strecke von Thun nach Basel.

Es liegt in der Natur der Sache, dass der zuletzt chronisch erfolgreiche FCB eher mal ein paar seiner Spieler übrig hatte, die er dem chronisch klammen FC Thun aus seinem Nachwuchs zur weiteren Entwicklung überlassen konnte. Spieler wie Nicolas Hunziker, der inzwischen fest zu den Berner Oberländern gehört. Oder Spieler wie Djordje Nikolic, Robin Huser, Marco Aratore, Nicolas Schindelholz oder Franz Burgmeier, die zurückgekehrt oder weitergezogen sind.

Zanni, Bellusci und Fischer

Ihnen allen mag die ganz grosse europäische Karriere vielleicht verwehrt geblieben sein. Und es gab auch Spieler, für die sich der Wechsel gar nicht ausgezahlt hat. Man denke – für diejenigen, die sich noch erinnern können – nur an Spieler wie Samet Gündüz, Sehid Sinani oder Julian Bühler.

Aber dass der Wechsel nach Thun der Anfang von etwas ganz Grossem sein kann, das haben drei Spieler bewiesen: Da war vor zehn Jahren ein gewisser Timm Klose, der unter einem gewissen Murat Yakin in die Super League aufstieg und sich dort für den deutschen Fussball empfahl. Da war Marco Streller, der seinem Trainer Hanspeter Latour hin und wieder vom Stau am Belchen erzählte, damit er im Bajazzo in Muttenz in Ruhe jassen konnte. Und dawar auch Alex Frei, noch so eine Basler Institution, der von Andy Egli in die Nationalliga B nach Thun gelotst wurde.

Aber auch der umgekehrte Weg war meist ein Erfolg: Reto Zanni kam im Januar 2005 und gehörte bis 2011 zum rotblauen Inventar. Baykal Bellusci empfahl sich nach Thun in Basel für den 1. FC Köln. Der Wechsel von Stephan Andrist war wohl eher ein Missverständnis, aber selbst er brachte es zu vier Europacup-Spielen mit dem FC Basel. Renato Steffen hatte, wenn auch über den Umweg YB, ebenfalls eine erfolgreiche Zeit beim FCB. Und dann war da noch Trainer Urs Fischer, der national in zwei Jahren nahezu alles gewann, was man nur so gewinnen kann.

Im aktuellen Kader steht aber in erster Linie Luca Zuffi für die guten Beziehungen zwischen Thun und Basel. Das Gesicht ist nicht mehr ganz so jung und die Frisur zum Glück auch nicht. Fünf Jahre ist er beim FCB, 218 Spiele, 31 Tore, vier Titel, Siege gegen Liverpool und Manchester United inklusive. Wer hätte das 2014 schon gedacht? (tip)


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