Presseschau

Basler Zeitung vom 17.05.2019

Das Spiel um Europa

Sollte der FC Thun den Schweizer Cup gewinnen, wäre der Club für die Europa League qualifiziert. Beim FC Basel ist der Fall ein bisschen anders, er könnte erneut einen Herbst ohne Europacup erleben.

Tilman Pauls

Am Sonntag geht es im Stade de Suisse zwischen dem FC Basel und dem FC Thun um den Cup. Es geht um die Sandoz-Trophäe, klar. Es geht um Ruhm, um Ehre, um ein rauschendes Fest. Es geht aber auch um den Einzug in die Europa League und damit verbunden um ein Startgeld von knapp drei Millionen Franken. Zumindest für die Thuner. Für den FC Basel sieht die Situation jedoch ein bisschen anders aus.

Zwar ist in den Statuten festgehalten, dass der Cupsieger sich direkt für die Gruppenphase der Europa League qualifiziert. Aber eben nur dann, wenn man in der Liga nicht auf einem der ersten beiden Plätze steht, wie das bei den Baslern erwiesenermassen der Fall ist. Der FCB könnte sich, falls er den Cup gewinnt, nicht aussuchen, in welchem Wettbewerb er starten will. Er muss in der 2. Qualifikationsrunde auf dem Weg zur Champions League einsteigen. Der Platz für die Europa League würde in diesem Fall an den Tabellendritten der Super League übergehen. Das ist aktuell der FC Thun.

Man muss jetzt nicht so tun, als sei die Qualifikation für die Champions League eine Strafaufgabe für den FCB. Die Basler haben sich diese Chance redlich verdient, und immerhin winken ihnen viele Millionen, wenn sie sich über die 2., die 3. und die Playoff-Runde bis in die Königsklasse spielen sollten. Es könnte allerdings auch zu der skurrilen Situation kommen, dass ein Club wie der FC Thun in der nächstes Saison in der Europa League vertreten ist, während die Basler erneut einen Europacup-losen Herbst verbringen müssen.

Bloss kein Fehlstart

Passiert das, was zu Beginn dieser Saison passiert ist, stehen die Basler abermals mit leeren Händen da, während der Tabellendritte, der über die Saison gesehen deutlich schlechter war, durch Europa reist und dort um Punkte und Prämien spielt. FCB-Trainer Marcel Koller gab vor wenigen Wochen schon zu, dass er diese Regelung «etwas merkwürdig» finde. Aber auch er wird die Regelhüter der Uefa wohl nicht mehr umstimmen können.

Die Aufgabe, sich für den europäischen Wettbewerb zu qualifizieren, ist für den FCB nicht schwieriger geworden als diese Saison. Aber auch nicht einfacher. Der FCB startet seinen Parcours in der zweiten Qualifikationsrunde und wird in der letzten Juli-Woche seine ersten zwei internationalen Spiele gegen einen nominell schwächeren Gegner bestreiten. Wer das sein wird, ist noch nicht klar. Dank der Koeffizientenpunkte aus den letzten Jahren sind die Basler aber immer noch gesetzt. Und würde man das erste Duell verlieren, so wie zuletzt gegen Paok Thessaloniki, spielt man in der Qualifikation zur Europa League.

Die Aufgabe wird schwer genug, einen Fehlstart wie in diesem Jahr kann die Mannschaft sich nicht leisten. Erst recht nicht, da man auf die Einnahmen aus den Uefa-Wettbewerben angewiesen ist. Am liebsten würde man natürlich an die fetten Geldtöpfe der Champions League. Im Jahr 2018 nahmen die Basler insgesamt nur 3,3 Millionen Franken ein. Dieser Betrag soll im kommenden Geschäftsbericht deutlich höher ausfallen, im Club plant man aktuell mit mindestens zehn Millionen Franken.

Im Moment ist das alles noch weit weg. Jetzt geht es um das Duell gegen Thun, um den Cup, die Sandoz-Trophäe und vielleicht ein rauschendes Fest. Aber im Fussball geht es schnell. Und schon bald werden Spieler und Verantwortliche sich darauf konzentrieren, dass sie kommende Saison nicht wieder zuschauen müssen, während ein anderer Club ihren Platz in Europa erbt.


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