Presseschau

Basler Zeitung vom 21.05.2019

Unbekannte greifen Polizisten an und bewerfen Sanitäter mit Bierdosen

FCB-Cupfeier

Auf dem Barfi wurde am Sonntag nicht nur gejubelt – es kam zu Gewalt gegen Ordnungshüter.

Eigentlich war am Sonntagabend alles angerichtet für eine friedliche Feier. Der FCB hatte sich auf dem Kunstrasen des Stade de Suisse dank dem 2:1-Erfolg über den FC Thun den 13. Cupsieg seiner Vereinsgeschichte geholt, und die Fans auf dem Barfi warteten ein paar Stunden nach dem Abpfiff in Bern sehnlichst auf den Moment, in dem ihre Lieblinge durch die Casino-Tür auf den Balkon treten.

Es war allerdings eine lange Warterei, denn erst um 20.45 Uhr präsentierte die Mannschaft den rotblauen Supportern den Kübel. Zuvor ereigneten sich auf dem Barfüsserplatz, auf dem sich weitaus weniger Menschen befanden als bei früheren Cupsiegoder Meisterfeiern, ein paar wenige unschöne Szenen.

Schlägerei wegen Böller

Gegen 20.30 Uhr kam es zwischen Barfüsserplatz und Gerbergasse wegen eines in der Menge abgefeuerten, sehr lauten Böllers zu einer Schlägerei. Dabei soll, so schreibt es das Onlineportal «Watson», auch «Frosch» in die Auseinandersetzung involviert gewesen sein. «Frosch» zählte in den 90er-Jahren zu den bekanntesten Gesichtern der Muttenzerkurve und gehörte den Basler Ultras an.

Als die Kantonspolizei bei dieser Prügelei intervenierte, wurden die uniformierten Polizisten tätlich angegriffen. Zwei Ordnungshüter zogen sich dabei Verletzungen zu, konnten nach erfolgter Behandlung durch die Sanität ihren Dienst fortsetzen. Die Angreifer verschwanden unerkannt in der Menge.

Eine halbe Stunde später, als die Spieler auf dem Balkon FCB-Fangesänge anstimmten, kam es zum zweiten Zwischenfall auf dem Platz. An der Ecke Barfüsserplatz/Kohlenberg waren Sanitäter Ziel von Aggressionen. Um einen medizinischen Einsatz zu leisten, bahnten sich die Sanitäter zu Fuss einen Weg durch die Menge. Dabei wurden sie von Polizisten begleitet, um möglichst schnell zu diesem medizinischen Problem zu gelangen. Dabei wurde die Gruppe auf der Route zum Patienten von ein paar Unverbesserlichen mit Bierdosen beworfen. Eines dieser Geschosse traf eine unbeteiligte Frau, die danach ins Spital eingeliefert werden musste. Der zweite Patient konnte vor Ort behandelt werden. Insgesamt leistete die Sanität Basel an den Feierlichkeiten elf Einsätze.

Ajeti sagt Sorry und spendet

Einen Ausrutscher leistete sich auf dem Balkon FCB-Spieler Albian Ajeti. Der Angreifer zündetet eine Pyro-Fackel, deren Abbrennen in der Schweiz verboten ist. Das Feuerwerk wurde ihm zugeworfen. Obwohl FCB-Funktionäre den Nationalspieler am Entzünden der Fackel hindern wollten, zündete Ajeti diese und liess auf diese Art seinen Emotionen freien Lauf.

Tags darauf bereute der Torschütze zum 1:0 gegen Thun sein Verhalten anlässlich der Cupfeier. «Ich möchte mich in aller Form für mein gestriges Verhalten mit der Pyro-Fackel entschuldigen. Der Cupsieg und die Feierlichkeiten waren sehr emotional für mich. Ich habe mich in der Euphorie zu dieser Tat hinreissen lassen, das tut mir aufrichtig leid», lässt sich Ajeti auf der FCB-Website zitieren. Ebenso hält der Verein fest, dass er die Aktion seines Spielers aufs Deutlichste verurteile und er ein derartiges Verhalten in keiner Weise toleriere, auch nicht in einem Moment der grossen Ausgelassenheit.

Intern erhält Ajeti keine Busse. Dafür wurde mit dem Spieler vereinbart, dass er eine Spende an eine gemeinnützige Organisation tätigt. In welcher Höhe diese ausfällt und wer der Empfänger ist, möchte der FC Basel «aus Diskretionsgründen» nicht öffentlich machen. Kommuniziert wurde vom Liga-Zweiten einzig, dass es sich um einen «spürbaren» Betrag aus Ajetis Portemonnaie handelt.

Dominic Willimann


www.baz.ch

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