Presseschau

Basler Zeitung vom 22.05.2019

Die Heuchler am Ball

Kommentar

FCB-Spieler wissen es spätestens seit Mai 2010, dass Pyros nicht nur im Stadion verboten sind, sondern auch auf dem Balkon des Stadtcasinos, nachdem Xherdan Shaqiri eine brandgefährliche Fackel über den Köpfen der tobenden Fans entzündete und dafür bestraft wurde. Nun entblödete sich der 22-jährige FCB-Stürmer Albian Ajeti nicht und entfachte auf demselben Balkon während der Cupsiegerfeier eine Fackel. Wobei ihm das vor den Augen des FCB-Sicherheitschefs zunächst nicht gelingen wollte.

Was soll ich nun meinem Sohn sagen, nachdem er mich fragte: «Sind Pyros erlaubt?» – Eigentlich nicht, aber…

Dummerweise sind die FCB-Spieler Vorbilder für die Jugend. So dürfen jene Kicker, die sich nach Bedarf nicht ans Gesetz halten, nicht staunen, wenn ihre Fans es ihnen gleichtun und nach Belieben den FCB-Spielplatz rund ums Stadion auch zu ihrem rechtsfreien Raum erklären, wo man Radau machen und zwischendurch die Fackeln auch aufs Feld werfen darf.

Nicht nur Ajeti hat sich die Finger verbrannt. Im Mai 2012 legte Aleksandar Dragovic ein Feuer. Im Mai 2013 legte Milan Vilotic bei der GC-Cupsiegerfeier einen Brand. Und dann sagte im Februar 2014 der damalige Luzern-Coach und heutige FCB-Co-Trainer Carlos Bernegger in einem Interview: «Pyros gehören dazu.»

Diese dumme Aussage hört man vom FCB-Kader heute so nie direkt. Aber indirekt. Ich mag mich noch gut daran erinnern, wie der frühere FCB-Präsident Bernhard Heusler eine Powerpoint-Präsentation zeigte und von den FCB-Emotionen im Stadion schwärmte: Die Bilder waren feuerrot und rauchgeschwängert. Mit keinem Wort ging der Anwalt auf Distanz.

Es zeigt eines: Wenn die Branche die verbotenen Pyros im Stadion nicht toleriert, dann kokettiert sie mit dem heissen Stoff. Und zwischendurch bittet der Stadionsprecher so höflich wie vergeblich, keine Pyros anzuzünden. Mit Verlaub: Das ist Heuchelei.

Mir wäre eine Rückkehr zur Ehrlichkeit lieber. Entweder gibt man Pyros frei, schafft vielleicht eine sichere Feuerzone. Oder man verbietet es. Dann aber richtig. Alles andere kriegen Spieler und Fans mit der Intelligenz eines Ajeti nicht auf die Reihe.

PS: Und ja, mein Sohn, für dich ist es verboten.

Daniel Wahl BaZ-Redaktor


www.baz.ch

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