Presseschau

Basler Zeitung vom 25.05.2019

Die Anzeichen verdichten sich

Vor dem letzten Saisonspiel gegen Neuchâtel Xamax flachen die Spekulationen um Marcel Koller nicht ab.

Tilman Pauls

Eigentlich soll es in diesem Moment um Marek Suchy gehen. Der Tscheche bestreitet heute nach fünfeinhalb Jahren schliesslich sein letztes Spiel für den FC Basel. Doch als Marcel Koller über den Abgang seines Captains spricht, da rutscht ihm dieser eine Satz über die Lippen, der auch ganz hervorragend zu seiner eigenen Situation passt. Er sagt: «Wenn man sich nicht einig wird, dann kommt es zu einem Wechsel – so etwas passiert im Fussball.»

Ja, solche Dinge passieren im Fussball, sie passieren im Grunde genommen sogar ziemlich oft und regelmässig. Wobei man im Fallvon Marcel Koller gerne mal wüsste, wann und wie es zu einer Trennung vom FC Basel kommen könnte. Und ob überhaupt.

Im Gegensatz zur Personalie Marek Suchy scheint beim Basler Trainer immer noch alles unklar. Allerdings verdichten sich die Anzeichen, dass der FC Basel die kommende Saison durchaus mit einem neuen Trainer in Angriff nehmen könnte.

«Ich habe noch ein Jahr Vertrag beim FCB und ja, ich gehe davon aus, dass ich in der nächsten Saison noch Trainer hier bin», sagt Koller, «ich weiss auch gar nicht, wo diese Diskussion überhaupt herkommt.» Dabei ist es relativ einfach zu erörtern, wie die Debatte um seine Zukunft in den vergangenen Tagen an Fahrt aufgenommen hat.

Termin, Gespräch, Ferien

Für diejenigen, die es schon wieder vergessen haben sollten: Vor sechs Tagen ist der FCB in Bern zum 13. Mal Cupsieger geworden. Es ist der erste Titel in der rotblauen Konzeptära Bernhard Burgeners, entsprechend gross waren Freude und Erleichterung. Im Anschluss an den Sieg gegen Thun war jedoch nirgendwo ein klares Bekenntnis der Clubführung in Richtung des Trainers zu vernehmen. Sportdirektor Marco Streller verweigerte sich der Diskussion geradezu, indem er auf den bestehenden Vertrag mit dem Trainer verwies und sagte: «Das ist heute kein Thema.»

Vermengt man dies mit der Tatsache, dass einige Spieler sich eine Zukunft unter Koller nicht vorstellen können, sowie dem Umstand, dass sich bei der Trainer-Frage auch in der Clubführung niemand findet, der von Koller überzeugt ist, so ist man relativ schnell bei der Debatte angekommen. Zumal es seit dem Cupsieg auch keine Annäherung oder Aussprache gegeben hat.

Das geplante Gespräch zwischen Koller und der Vereinsführung hat laut dem Trainer noch nicht stattgefunden. Und einen Termin gebe es auch nicht. Dabei reist Koller nächste Woche in die Ferien. Ausserdem plant der Verein aktuell einen Medientermin für kommende Woche, in dem es um das Fazit der Saison gehen soll. Aber vielleicht wird das Tagesprogramm spontan ja noch um ein zentrales Thema erweitert, nämlich die Position des Cheftrainers.

Frei, Rahmen, Fink?

In dieser Situation ist es jedenfalls kein Wunder, dass – wie vor dem letzten Spiel der Hinrunde im Dezember – wieder diese eine Frage durch den St.-Jakob-Park schleicht: Ist das ansonsten wertlose Spiel gegen Neuchâtel Xamax nicht nur das letzte Spiel des Captains, sondern auch das letzte des Trainers? Kommt es zum doppelten Abschiedsspiel? Oder geht der Club trotz aller Fragen in die neue Saison, obwohl man doch eigentlich aus der Situation mit Raphael Wicky vor einem Jahr gelernt haben sollte?

Damit einhergehend wird schon über denkbare Nachfolger spekuliert. Versuchen es die Basler etwa ein weiteres Mal mit Alex Frei, sobald dieser sich am 4. Juni aus dem Verwaltungsrat der FC Basel 1893 AG zurückgezogen hat? Traut man einem Trainer wie Patrick Rahmen den FCB nach einer erfolgreichen Rückrunde in der Challenge League in Aarau schon zu? Ist am Ende der ewige Sehnsuchts-Trainer Thorsten Fink ein Thema?

Oder lösen sich wie im Winter alle Spekulationen plötzlich in Luft auf und Koller steht auch nach der Sommerpause noch an der Linie des FC Basel? Auch so etwas ist im Fussball schliesslich schon einige Male passiert.


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