Presseschau

Basler Zeitung vom 18.06.2019

Es folgt der offizielle Termin

Heute stellen sich Präsident Bernhard Burgener, CEO Roland Heri und Trainer Marcel Koller erstmals nach der freitäglichen Streller-Explosion den Medien. Es ist das Ereignis des Tages – aber keineswegs das Einzige, was auf dem Programm steht.

Oliver Gut

Einen Moment lang schien es am Montag fast so, als würde sich die jüngste Geschichte wiederholen. So, als würde bereits die nächste Bombe platzen, damit man die Öffentlichkeit allmählich an etwas gewöhnt, was sich mit der Zeit und gehörig martialisch als rotblaues Trommelfeuer beschreiben liesse, provoziert durch eine Struktur, in der keine klare Hierarchie wirkt.

«Vor zwei Jahren fragten wir Roger Federer an, ob er Präsident werden wolle», wurde Nachwuchschef Massimo Ceccaroni in der «Times of India» zitiert. Und auch dahingehend, dass aktuell Pläne bestehen, den Tennis-Weltstar und FCB-Fan – je nach Interpretation aus dem Englischen – in den Vorstand oder gar in den Verwaltungsrat des FC Basel zu bestellen. Die Aufregung legte sich, als Ceccaroni, der noch in Indien weilte, dementierte. Er verwies auf eine Talkrunde in Chennai. Und darauf, dass er dort lediglich gesagt habe, dass es eine interessante Idee sei, Federer in irgendeiner Form dereinst an den Club zu binden.

Nun, überrascht hätte es nicht mehr, wenn es anders gewesen wäre. Denn beim FC Basel scheint in diesen Tagen so gut wie alles möglich. Trainerwechsel. Geplatzter Trainerwechsel. Rücktritt des Sportchefs. Medienstopp. Kein Medienstopp, weil sich Präsident Bernhard Burgener höchstpersönlich eine Ausnahme erlaubt und dem «Blick» ein Interview gewährt. Warum soll man da als Verwaltungsrat und Nachwuchschef nicht auch noch in Indien ausplaudern, dass Federer als Präsident angefragt wurde und er auch aktuell wieder ein Thema für einen wichtigen Posten ist – schliesslich ist der Moment gerade günstig?

Am Vormittag

Wie auch immer die Dinge um Federer bestellt sind: Sicher ist, dass es derzeit nicht allzu gut um den FC Basel steht. Und sicher ist auch, dass das offizielle Schweigen heute auch offiziell gebrochen wird, nachdem dies inoffiziell bereits geschehen ist. Um 11 Uhr ist eine Medienkonferenz im St.-Jakob-Park angesetzt. Reden werden dabei abermals Bernhard Burgener, aber auch zum ersten Mal CEO Roland Heri sowie Trainer Marcel Koller, seit Marco Streller nicht mehr Sportchef ist.

Ob sie dabei auch wirklich brauchbare Auskunft geben, wird sich zeigen. Sicher ist: Nach der vergangenen Woche ist dieser Termin nichts, dem jene Menschen mit Vorfreude entgegenblicken, die da oben auf dem Podium hinter ihren bedruckten Namensschildern sitzen werden.

Zu erwarten ist, dass sie etwas Selbstkritik üben und jene Fehler eingestehen, die nicht negierbar sind. Aber auch, dass sie kein Licht ins Dunkel bringen und die entscheidende Frage unbeantwortet bleibt: Wie kann es sein, dass es der FCB fertigbringt, dass die vergleichsweise einfach zu beantwortende Trainerfrage zu einer wochenlangen, undurchschaubaren Hängepartie führt, an deren unglaublich spätem Ende man jenen Trainer behält, der zwischenzeitlich als entlassen galt und als Folge davon durch den Rücktritt von Clubikone Streller als Sportdirektor buchstäblich das Gesicht verliert?

Am Nachmittag

Was da fast untergeht: Das Programm hat an diesem mit Spannung erwarteten Tag noch lange kein Ende. Denn am Nachmittag, da trifft Marcel Koller erstmals seit den letztlich ereignisreichen Ferien wieder auf seine Mannschaft. Und er weiss auch, dass er dabei auf einige Spieler trifft, die über das Wiedersehen mit dem alten und irgendwie auch neuen Trainer nicht wirklich glücklich sein werden.

Dass man sich in den Folgewochen zusammenrauft, um einen Saisonstart hinzulegen, der überzeugt, wird für beide Seiten zur Hauptaufgabe werden. Denn bereits ab Ende Juli geht es nicht nur um die Meisterschaft, sondern auch um das europäische Geschäft, wenn der FC Basel in der 2. Qualifikationsrunde zur Champions League spielt.

Der Gegner wird dabei entweder schwer (Eindhoven) oder schwer genug (Pilsen) sein. Welche Variante es tatsächlich wird, entscheidet sich, wenn in Nyon gelost wird. Auch das übrigens geschieht heute Nachmittag.


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