Presseschau

Basler Zeitung vom 19.06.2019

Marcel Koller: «Der eine oder andere lacht jetzt vielleicht»

Vor dem Trainingsauftakt erläutert der Zürcher, wie die letzten Tage für ihn waren – in denen er schon entlassen schien.

In den letzten Wochen schwand irgendwann der Glaube, dass Marcel Koller Trainer des FC Basel bleiben würde. Bis alles anders kam und der Zürcher am Dienstag an der Pressekonferenz neben Präsident Bernhard Burgener und Roland Heri die Ruhe selbst war.

Marcel Koller, es machte die Information die Runde, dass der FCB Sie freigestellt habe.

Eine Kündigung hat niemand ausgesprochen. Aber ich habe, als wir Gespräche in Basel führten, private Sachen geholt und bin dann wieder in die Ferien gefahren nach Graubünden.

Leiden Sie, da Sie offensichtlich nicht vollständigen Rückhalt für Ihre Arbeit hatten?

Ich leide nicht. Ich habe einen Vertrag, war die ganze Zeit ruhig und wusste, der Verein wird sich melden, sollte er nicht mehr mit mir zusammenarbeiten wollen. Dann kam ein Anruf, und wir haben uns unterhalten. Entscheidend ist, dass ich jetzt hier bin. Wir haben gesehen, dass nicht alles optimal war, das müssen wir verbessern, um ein anderes Bild abzugeben.

Wie war es für Sie, dass Patrick Rahmen bereits als Ihr Nachfolger bestimmt schien?

Für mich ist entscheidend, dass der Verein auf mich zukommt. Und nicht, dass ich Spekulationen in der Presse lese und entsprechend verunsichert bin.

Wenn Sie sich in Patrick Rahmens Situation versetzen: Ist Ihnen das schon mal passiert, dass ein Club kam und Ihnen sagte: «Wir haben zwar noch einen Trainer, aber wärst du allenfalls bereit, im Sommer unser Trainer zu werden?»

Vom Verein hat mir niemand gesagt, dass wir mit anderen Trainern reden. Natürlich habe ich es schon erlebt, dass Trainer auf der Tribüne waren und dass die Presse diese ins Spiel gebracht hat. Das ist leider der Fussball. Für mich ist entscheidend, nicht die Ruhe zu verlieren.

Haben Sie sich je Gedanken gemacht, ob Sie überhaupt noch FCB-Trainer sein wollen?

Nein. Denn einerseits habe ich hier einen Vertrag. Und andererseits ist der FCB wirklich auch ein geiler Verein. Er ist ungemein erfolgreich, hat super Fans, ein super Stadion und eine sehr gute Mannschaft. Ich wollte nicht einfach sagen, dass mich diese Aufgabe nicht mehr interessiert und dass ich aufhöre. Wer mich kennt, der weiss, dass ich ein Kämpfer bin. Ich habe die ganze Zeit Ruhe bewahrt. Weil ich weiss, wie das Geschäft funktioniert, und weiss, was abgegangen ist. Ich habe abgewartet, und dann haben wir miteinander geredet.

Hatten Sie Angebote von anderen Vereinen?

Dort, wo ich bin, gebe ich hundert Prozent. Wenn dann aber jemand kommt und sagt, es passe nicht mehr, oder dass man gerne jemand anderen verpflichten möchte, dann muss man darüber reden. Ich selbst bin aber nie am Spekulieren.

Wie schaffen Sie es, die Turbulenzen vom Team fernzuhalten?

Wenn Sie die letzten Monate verfolgt haben, dann wissen Sie, dass dieses Team zusammenhält. Wenn die Spieler nicht für den Verein da wären, nicht für den Trainer, dann würde es nicht gehen. Wir haben das hingekriegt. Ich sagte im August 2018 schon, dass es nicht von heute auf morgen geht. Es braucht Zeit. Es kam Regelmässigkeit in den Betrieb, Ruhe und Stabilisation. Das muss weitergehen. Wir sind noch nicht am Ende. Wir wollen uns zusammen mit diesen Spielern weiterentwickeln.

Wie gross ist die Vorfreude auf die kommende Saison?

Riesig! Der eine oder andere lacht jetzt vielleicht. Aber ich habe Freude am Fussball, ich bin ein Fussballbesessener. Ich freue mich darauf, mit der Mannschaft zu arbeiten. (saw)


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