Presseschau

Basler Zeitung vom 26.06.2019

Die letzte Runde

Nach dem Rücktritt von Sportdirektor Marco Streller könnte auch die Zeit von Kaderplaner Remo Gaugler beim FC Basel enden.

Tilman Pauls, Rottach-Egern

Wenn Fussballer sich auf eine neue Saison vorbereiten, dann sieht man zahlreiche Übungen, die man im hektischen Alltag eher selten zu Gesicht bekommt. Da werden pinkfarbene Bänder durch die Luft geschwungen, schwere Bälle überden Platz getragen oder Gewichte durch die Gegend gezogen. Ganz wichtig – und oft unterschätzt – ist hingegen eine Disziplin, die besonders unter den Verantwortlichen eines Vereins verbreitet ist: beschäftigt um den Platz spazieren.

Bernhard Heusler und Georg Heitz waren zwei hervorragende Um-den-Platz-Spazierer. Besonders dann, wenn der Präsident an sonnigen Tagen wieder seine Pilotenbrille aufgesetzt hatte und sich die beiden hinter ihren Handys über den nächsten Transfer austauschten.

Aber auch Marco Streller ist in den dreieinhalb Transferphasen als Sportchef des FCB emsig um die Plätze in Rottach-Egern und Marbella gelaufen. Meist mit einem grossen Telefon am Ohr und einem kleinen Mann an seiner Seite. Remo Gaugler.

Gestern konnte man ein neues Pärchen dabei beobachten, wie es gemächlich um den Trainingsplatz spazierte, in Gespräche vertieft. Ruedi Zbinden drehte nach fast 40 Jahren im Verein seine ersten Runden als offiziell betitelter Sportchef und tauschte sich dabei intensiv mit Sportkoordinator Philipp Kaufmann aus. Die beiden sprachen viel und lange miteinander, ehe Zbinden das heute zum ersten Mal auch vor der Presse tun wird.

Aberviel interessanterwar ja ohnehin, wer bei dieser vertrauten Runde nicht mit dabei war. Nämlich Remo Gaugler. Und man muss wohl damit rechnen, dass der Kaderplaner auch künftig nicht mehr viele Plätze für die Basler umrunden wird.

Gaugler wäre ja in der Hierarchie durchaus eine Option auf den Posten des neuen Sportchefs gewesen, nachdem Streller zurückgetreten war. Der neue Sportchef heisst seit letztem Freitag allerdings Ruedi Zbinden und dieser hat bei seinem Antritt verlauten lassen, dass er mit einem kleinen Team zusammenarbeiten werde. «Ich werde höchstens eine oder zwei Personen dazunehmen», hat Zbinden an seinem ersten Arbeitstag in neuer Position mitteilen lassen.

Enger Vertrauter

Wer genau das sein wird, ist noch nicht klar. Aber weil Gaugler erstens in der Sportchef-Hierarchie von Zbinden überholt worden ist, zweitens nicht mit der Mannschaft nach Rottach-Egern gereist ist, dort drittens auch nicht erwartet wird und viertens offenbar noch überhaupt keine Hinweise erhalten hat, wie es für ihn beim FCB weitergeht, kann man die Vermutung anstellen, dass seine Zeit in Basel sich dem Ende nähert. Oder dass er zumindest mit Zbinden nicht annähernd so intensiv zusammenarbeiten wird wie mit Streller.

Gaugler war 2017 im Rahmen des grossen rotblauen Umbaus vom FC Luzern nach Basel gekommen. Sein offizieller Titel lautete «Kaderplaner», inoffiziell nannte man ihn aber meistens nur «rechte Hand». Tiefere Einblicke in Gauglers Aufgabenbereich hat man seitdem kaum erhalten. Klar ist aber, dass er einer von Strellers engsten Mitarbeitern und Vertrauten war. Damit kann man Gaugler auch all jene Fehler anlasten, die in den letzten Monaten passiert sind, was das Basler Kader angeht. Andererseits ist der Name Gaugler auch eng an Jonas Omlin geknüpft und damit an den erfolgreichsten Transfer der neuen Ära.

Gaugler und Streller kennen sich schon lange und haben entsprechend intensiv zusammengearbeitet. Es war sogar zu hören, dass Gaugler seine Zeit beim FCB an jene des Sportchefs geknüpft hat. Ausserdem stellt sich die Frage, was eigentlich er über die «zwei, drei Sachen» denkt, die Streller nicht akzeptieren konnte. Und ob er unter diesen Voraussetzungen überhaupt noch weiter für den FC Basel ein Kader planen will.


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